Verbindungen zu Wagner-Chef: Neue Krise in Bulgarien?

Neue Anklagen gegen den mit Sanktionen belegten bulgarischen Oligarchen Wassil Boschkow wegen seiner Verbindungen zum verstorbenen Wagner-Boss Jewgeni Prigoschin könnten Bulgarien in eine neue politische Krise stürzen.

EURACTIV.bg
An informal memorial next to the former ‚PMC Wagner Centre’s St.Petersburg
"Aus einem Computer mit den E-Mails von Wassil Boschkow geht hervor, dass er Geschäftsbeziehungen mit dem russischen Staatsbürger Jewgeni Prigoschin und mehreren anderen russischen Staatsbürgern unterhielt, die nach der Annexion der Krim sanktioniert wurden", sagte Staatsanwalt Angel Kanev von der Staatsanwaltschaft Sofia. [EPA-EFE/ANATOLY MALTSEV]

Neue Anklagen gegen den mit Sanktionen belegten bulgarischen Oligarchen Wassil Boschkow wegen seiner Verbindungen zum verstorbenen Wagner-Boss Jewgeni Prigoschin könnten Bulgarien in eine neue politische Krise stürzen.

Boschkow, dem Auftragsmorde, Erpressung und die Hinterziehung von Hunderten von Millionen Euro an staatlichen Abgaben für sein Glücksspielgeschäft vorgeworfen werden, wurde am Samstag erneut angeklagt. Zuvor hatte er beschlossen, nach drei Jahren in Dubai nach Bulgarien zurückzukehren, um seine „Unschuld vor Gericht zu beweisen.“

„Aus einem Computer mit den E-Mails von Wassil Boschkow geht hervor, dass er Geschäftsbeziehungen mit dem russischen Staatsbürger Jewgeni Prigoschin und mehreren anderen russischen Staatsbürgern unterhielt, die nach der Annexion der Krim sanktioniert wurden“, sagte Staatsanwalt Angel Kanev von der Staatsanwaltschaft Sofia.

Obwohl dies bereits vor mehr als zweieinhalb Jahren bekannt wurde, berichtete die Staatsanwaltschaft erst jetzt darüber.

„Der Angeklagte Boschkow hat aktive Unternehmen strukturiert, die im Bereich des Glücksspiels tätig sind, mit einem beträchtlichen Finanzkapital, er hat Glücksspielaktivitäten in der Republik Georgien registriert“, fügte Staatsanwalt Kanew hinzu.

Unter den 19 gegen Boschkow erhobenen Anklagen befindet sich keine einzige wegen Verletzung der Sanktionen gegen Russland. Boschkow selbst erwiderte, dass die Behauptungen der Staatsanwaltschaft „Unsinn“ seien.

Der Staatsanwalt fügte hinzu, dass gegen Boschkow auch wegen Steuervergehen und Geldwäsche in Moldawien ermittelt werde.

Über Boschkows Rückkehr wurde in Bulgarien ausführlich berichtet. Der Fall könnte dort auch Auswirkungen auf das fragile politische Gefüge haben.

So behauptet Boschkow mehr als 30 Millionen Euro an Bestechungsgeldern an den Vorsitzenden der größten bulgarischen Partei GERB und langjährigen ehemaligen Premierminister des Landes, Bojko Borissow, sowie an seinen ehemaligen Finanzminister Wladislaw Goranow gezahlt zu haben.

Die USA scheinen den Behauptungen Glauben zu schenken, denn Anfang dieses Jahres verhängten sie Sanktionen gegen Gordanow.

Da Borrisow jedoch auch in der derzeitigen Regierung als Parteichef der GERB einiges an Einfluss zufällt, könnte der Fall Bulgarien in eine politische Krise stürzen.

„Der Mann hat sich entschieden und ist zurückgekehrt. Was kann ich dazu noch sagen? Tausende von Passagieren kommen und gehen. Wir haben Beweise vorgelegt. Wir haben alles erklärt“, kommentierte der GERB-Vorsitzende die Rückkehr Boschkows in das Land.