Waldbrände in Frankreich: Premier Bayrou fordert Umdenken bei Landnutzung

Frankreichs Premierminister François Bayrou hat den verheerenden Waldbrand im Süden des Landes mit Klimawandel und anhaltender Dürre in Verbindung gebracht und am Mittwoch einen grundlegenden Wandel in der Landbewirtschaftung gefordert.

EURACTIV.com
[Photo by French Civil Security/Handout/Anadolu via Getty Images]

Frankreichs Premierminister François Bayrou hat den verheerenden Waldbrand im Süden des Landes mit Klimawandel und anhaltender Dürre in Verbindung gebracht und am Mittwoch einen grundlegenden Wandel in der Landbewirtschaftung gefordert.

„Wir müssen darüber nachdenken, was uns morgen bevorsteht“, sagte Bayrou gegenüber Medienschaffenden am Mittwoch. Er sprach sich dafür aus, die Auswahl von Pflanzenarten, Bauweisen und die Forstwirtschaft grundlegend zu überdenken, um Frankreich besser an den Klimawandel anzupassen.

„Was wir gesehen haben – und das ist sehr auffällig –, ist: Überall dort, wo Weinberge standen, konnte das Feuer meist gestoppt werden. Wo hingegen keine Weinberge mehr vorhanden waren und stattdessen Buschland, Gestrüpp und Garrigue das Landschaftsbild prägten, hat sich das Ausmaß der Katastrophe massiv vergrößert“, sagte Bayrou.

In der Vergangenheit hatte Frankreich ein Förderprogramm aufgelegt, das die Rodung von Weinbergen mit 4.000 Euro pro Hektar unterstützte – im Einklang mit einem Vorschlag der Europäischen Kommission zur Begrenzung der Weinüberproduktion. Ob Bayrous Äußerungen nun eine politische Kehrtwende in dieser Frage einleiten, ist derzeit unklar.

Größter Brand seit Jahrzehnten

Zur genauen Ursache des Feuers laufen noch Ermittlungen. Es gebe den „Eindruck“, dass es durch „Aktivitäten“ am Straßenrand ausgelöst wurde, sagte Bayrou am Dienstag. Definitive Beweise stünden jedoch noch aus. Frankreichs Innenminister Bruno Retailleau erinnerte daran, dass rund jeder zehnte Brand durch menschliches Handeln verursacht werde.

Laut Innenminister Retailleau und Umweltministerin Agnès Pannier-Runacher handelt es sich um den größten Waldbrand in Frankreich seit dem Jahr 1949.

Bis Donnerstagmorgen um 8 Uhr hatte das Feuer bereits 16.000 Hektar Land zerstört. 2.100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Laut Angaben der örtlichen Präfektur habe sich die Ausbreitung des Feuers zuletzt verlangsamt.

EU-Hilfsmechanismus steht bereit

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte am Mittwochabend, dass die Europäische Union bereit sei, Frankreich mit dem Katastrophenschutzmechanismus „rescEU“ zu unterstützen.

Frankreich habe bislang keine offizielle Hilfe angefordert, teilte die Klimasprecherin der EU-Kommission, Anna-Kaisa Itkonen, heute mit. Dennoch stünden Hubschrauber und Feuerwehrkräfte in Bereitschaft.

„Wir verfügen über eine Flotte von 22 Löschflugzeugen und vier Hubschraubern in zehn Mitgliedstaaten. Alle diese Ressourcen werden über unseren EU-Katastrophenschutzmechanismus koordiniert und kofinanziert“, sagte Itkonen.

*Sofia Sanchez Manzanaro hat zur Berichterstattung beigetragen

(cp, jl)