Wasserstoffpatente: Europa führt vor Japan, USA

Die EU und Japan haben in den letzten zehn Jahren die meisten wasserstoffbezogenen Patente angemeldet, mit den USA auf dem dritten Platz, wie eine neue Analyse des Europäischen Patentamtes zeigt.

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"Die weltweite Patentierung von Wasserstoff wird von Europa und Japan angeführt, während die USA im Zeitraum 2011-2020 an Boden verlieren", heißt es in einem Bericht, den das Europäische Patentamt (EPA) am Dienstag (10. Januar) veröffentlichte.  [EPA-EFE/RONALD WITTEK]

Die EU und Japan haben in den letzten zehn Jahren die meisten wasserstoffbezogenen Patente angemeldet, mit den USA auf dem dritten Platz, wie eine neue Analyse des Europäischen Patentamtes zeigt.

Wasserstoff, das leichteste aller Elemente, stößt bei seiner Verbrennung kein CO2 aus – das macht das Gas zu einem entscheidenden Aspekt einer kohlenstoffarmen Welt. Die Wasserstoffstrategie der EU geht davon aus, dass das Gas etwa 13-14 Prozent des Energieverbrauchs in der EU im Jahr 2050 ausmachen wird. Aber die aufkommende Wasserstoffwirtschaft ist auch eine Geschäftsmöglichkeit, die europäische Unternehmen gut zu nutzen wissen.

„Die weltweite Patentierung von Wasserstoff wird von Europa und Japan angeführt, während die USA im Zeitraum 2011-2020 an Boden verlieren“, heißt es in einem Bericht, den das Europäische Patentamt (EPA) am Dienstag (10. Januar) veröffentlichte.

Patente sind ein zeitlich begrenzter Schutz geistigen Eigentums, mit dem Forschung und Entwicklung belohnt werden sollen – Patentanmeldungen werden oft genutzt, um den Grad der Innovation in einem Markt zu beurteilen.

„Diese Studie zeigt, dass die Innovatoren auf den Bedarf an wettbewerbsfähigen Wasserstoffversorgungsketten reagieren, aber sie zeigt auch Bereiche auf – insbesondere bei den Endverbrauchern -, in denen weitere Anstrengungen erforderlich sind“, so Fatih Birol, Präsident der Internationalen Energieagentur (IEA).

Zusätzlich sind China und Südkorea im Kommen. Wasserstoff-Innovationen sind dort „erst im Entstehen begriffen“, heißt es im Bericht weiter.

Etwa 28 Prozent der multinationalen Patente, die in Patentämtern mehrerer Länder registriert sind und sich auf die Produktion, Speicherung, Umwandlung und Verwendung von Wasserstoff beziehen, wurden zwischen 2011 und 2020 in der EU angemeldet.

Auf Deutschland entfallen dabei allein 11 Prozent, auf Frankreich 6 Prozent.

Japan, dessen BIP nur ein Drittel des BIP der 27 EU-Mitgliedstaaten beträgt, meldete 24 Prozent der multinationalen Patente an und verzeichnete nebenbei in den letzten zehn Jahren ein schnelleres Wachstum als Europa.

Die USA, die 20 Prozent der Patente anmeldeten, verzeichneten während den Trump-Jahren einen starken Rückgang, erklärte Yann Ménière, Chefökonom des EPA.

Dennoch sollte man die größte Volkswirtschaft der Welt nicht abschreiben. „Aufgrund des Inflation Reduction Akts können wir ab sofort einen starken Aufschwung in den USA erwarten“, fügte er hinzu. Der IRA enthält Steuergutschriften, die die Herstellung von Wasserstoff in den USA äußerst wettbewerbsfähig machen.

Während China und Südkorea bei der Zahl der Patente keine Wellen schlagen, dürfte sich das mit ihren jeweiligen Wachstumsraten von jeweils 15,2 Prozent bzw. 12,2 Prozent in den letzten zehn Jahren ändern.

Probleme mit der Regulierung von Wasserstoff

Während die Europäer:innen große Hoffnungen hegen, sich einen Anteil am sich entwickelnden globalen Wasserstoffmarkt zu sichern, wird der Aufbau des heimischen Wasserstoffmarktes durch anhaltende rechtliche Probleme behindert.

Die EU-Vorschriften, die regeln sollen, wann Wasserstoff wirklich „erneuerbar“ ist, wurden wiederholt verzögert. Ein Termin im Dezember 2022 wurde nicht eingehalten, weil mehrere EU-Kommissar:innen Bedenken angemeldet hatten.

„Ich denke, der rechtliche Rahmen ist wichtig“, betonte Ménière und verwies auf die Unterstützung der japanischen Regierung für Wasserstoffanwendungen im Inland. Als Tokio die Verwendung von Wasserstoff im eigenen Land unterstützte, stiegen die Patente sprunghaft an. Als die politische Unterstützung verschwand, gingen auch die Patentanmeldungen zurück, erklärte er.

Eine neue Wirtschaft, wie die im Entstehen begriffene Wasserstoffwirtschaft, bestehe aus „verschiedenen Puzzleteilen, die zum richtigen Zeitpunkt zusammengefügt werden müssen“, betonte der Wirtschaftswissenschaftler.

Hier kommt den Regierungen eine entscheidende Rolle zu. „Wir sehen, wie wichtig die Speicherung und Verteilung, also die entsprechende Infrastruktur, ist. Eine koordinierte Vorgehensweise ist nur mit einem intelligenten und kohärenten politischen Rahmen möglich“, sagte er.

„Die Industrie allein kann das nicht leisten.“

Über das von der Europäischen Kommission im Dezember 2021 vorgeschlagene Gas- und Wasserstoffpaket, das auch die Infrastrukturfrage behandelt, wird derzeit noch verhandelt.

Europäische Führung

Bei einem Aspekt der Wasserstoff-Wertschöpfungskette hat Europa wirklich die Nase vorn: bei der Wasserstofferzeugung, der sogenannten „Elektrolyse.“

„Europa ist bei der Hochtemperatur-Elektrolyse (das heißt bei Festoxid-Elektrolysezellen oder SOEC) wirklich herausragend“, erklärt der Chefökonom des EPA.

Bei der Wasserstoffproduktion dominieren grundsätzlich drei Verfahren: alkalisch, Polymerelektrolytmembran (PEM) und die bereits erwähnte SOEC.

Hier triumphieren europäische Unternehmen wie die französische CEA und die Atomkommission. CEA ist weltweit führend bei den SOEC-Patentanmeldungen und hat allein für diese Technologie mehr als 60 Patente angemeldet. Für die PEM-Elektrolyse hat das CEA 18 Patente angemeldet.

Dies, in Verbindung mit einem erheblichen Kapazitätsaufbau, stimmt Ménière zuversichtlich.

„Wir sehen oft, dass Europa in der vorgelagerten Forschung eine starke Leistung erbringt, aber die Investitionen in der Industrialisierungsphase folgen nicht immer gut“,, stellte er fest.

„Im Fall von Wasserstoff sehen wir Investitionen in Kapazitäten. Das ist eine recht gute Nachricht. Aber es ist noch früh.“

[Bearbeitet von Alice Taylor]