Weltweiter Frieden auf niedrigstem Stand seit 14 Jahren

Laut dem am Mittwoch (15. Juni) vorgestellten jährlichen Global Peace Index (GPI) ist der weltweite Frieden auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gesunken. Verantwortlich sind Russlands Krieg und die steigenden Lebensmittel- und Treibstoffkosten.

EURACTIV.com
European Parliament session in Strasbourg
Eine ukrainische Flagge wird zusammen mit den Flaggen der Länder der Europäischen Union vor dem Europäischen Parlament in Straßburg, Frankreich, gehisst, 08. Juni 2022. [EPA-EFE/JULIEN WARNAND]

Laut dem am Mittwoch (15. Juni) vorgestellten jährlichen Global Peace Index (GPI) ist der weltweite Frieden auf den niedrigsten Stand seit 14 Jahren gesunken. Verantwortlich sind Russlands Krieg und die steigenden Lebensmittel- und Treibstoffkosten.

Der Global Peace Index, der 163 Länder beziehungsweise 99,7 Prozent der Weltbevölkerung abdeckt, misst die Abwesenheit von und die Angst vor Gewalt auf der Grundlage von Daten, die seit 2008 jährlich erhoben werden.

Obwohl bei der Erstellung des Reports lediglich der Zeitraum bis Ende März 2022 berücksichtigt wurde, also nur die Anfangsphase des Krieges in der Ukraine, wird bereits deutlich, dass der Krieg bereits große Auswirkungen auf das Sicherheitsempfinden der Menschen hatte – insbesondere in Kombination mit anderen Risiken.

„Der Stichtag für viele der Indikatoren war der 31. März, daher erwarten wir für das nächste Jahr eine erhebliche Verschlechterung in einer Reihe von Ländern“, sagte Steve Killelea, Gründer des Institute for Economics and Peace (IEP), das den Bericht herausgibt.

Während 22 europäische Länder seit dem Vorjahresbericht friedlicher geworden sind, wurden 12 europäische Länder, vor allem im Osten Europas, zurückgestuft – darunter Schweden, Litauen und Serbien, was auf eine Verschlechterung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten zurückzuführen ist, so Killelea.

Dem Bericht zufolge verzeichnete Estland den stärksten Abfall in Europa, was auf die Spannungen zwischen der Ukraine und Russland zurückzuführen ist.

Der Großteil der europäischen Länder ist jedoch friedlicher geworden. Tatsächlich befinden sich vier der fünf friedlichsten Länder der Welt des Index 2022 in Europa: Island, Irland, Dänemark und Österreich.

„Das Ranking zeigt wahrscheinlich in vieler Hinsicht das Gegenteil von dem, was die meisten Menschen infolge des Ukrainekriegs erwarten würden“, sagte Killelea.

Island ist seit der Einführung des Global Peace Index im Jahr 2008 das friedlichste Land, während Portugal, Slowenien und die Tschechische Republik ebenfalls unter den Top 10 zu finden sind. Dies könnte sich jedoch im nächsten Jahr ändern.

Killelea geht auch davon aus, dass Europa als weniger friedlich eingestuft werden könnte, da die Länder als Reaktion auf den Konflikt in der Ukraine ihre Verteidigungsausgaben erhöhen könnten.

„Mit den Verpflichtungen der NATO-Länder, ihre Militärausgaben auf 2 Prozent des BIP zu erhöhen, wird sich das auch auf den Frieden auswirken“, sagte Killelea.

Die Forscher:innen untersuchten 23 Indikatoren, wie Todesfälle durch interne und externe Konflikte, politische Instabilität und Militärausgaben als Prozentsatz des BIP. Sie bewerteten jeden Indikator auf einer Skala von eins bis fünf, um so für jedes Land einen Gesamtwert zu ermitteln.

Die von den GPI-Forscher:innen im vergangenen Jahr festgestellten Unterbrechungen der Lieferketten in Verbindung mit steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen sowie einer zunehmenden Inflation lassen Killelea für das nächste Jahr einen deutlichen Rückgang des Index erwarten.

„Der Krieg in der Ukraine hat viele der seit Corona bestehenden Probleme noch verstärkt“, schloss Killelea.

[Bearbeitet von Alice Taylor]