Wie Seltene Erden die Sicherheitspolitik der EU beeinflussen könnten

Seltene Erden sind volumenmäßig zwar winzig, aber mächtig genug, um die globale Sicherheitslage grundlegend zu verändern.

EURACTIV.com
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Angesichts der zunehmenden Aufrüstungs- und Verteidigungspläne in Brüssel und anderen Hauptstädten ist der Wettlauf um die kritischen Rohstoffe für die Sicherung der europäischen Verteidigungsindustrie und deren Kriegsbereitschaft von entscheidender Bedeutung. [CoisaX via Getty]

Seltene Erden sind volumenmäßig zwar winzig, aber mächtig genug, um die globale Sicherheitslage grundlegend zu verändern.

Angesichts der zunehmenden Aufrüstungs- und Verteidigungspläne in Brüssel und anderen Hauptstädten ist der Wettlauf um die kritischen Rohstoffe für die Sicherung der europäischen Verteidigungsindustrie und deren Kriegsbereitschaft von entscheidender Bedeutung.

Diese Ressourcen haben die moderne Kriegstechnologie maßgeblich beeinflusst und werden auch in Zukunft die Kampfbereitschaft in der Luft, auf dem Wasser und im Weltraum prägen. Sie sind in allem enthalten, von präzisionsgelenkten Geschossen bis hin zu Nachtsichtgeräten.

Doch Chinas nahezu vollständiges Monopol auf die Produktion von Seltenen Erden sowie Russlands Kontrolle über andere wichtige Rohstoffe könnten die ehrgeizige Verteidigungspolitik Europas gefährden.

Chinas Trumpfkarte

Nach einem langen Tauziehen mit den USA über Batterien und Elektrofahrzeuge sowie Rekordzöllen auf chinesische Produkte hat China im April schließlich Washington und Brüssel dort getroffen, wo es wehtut.

Peking verweigerte die Ausfuhrgenehmigung für sieben der 17 Seltenen Erden (REE) und Magnete, darunter Samarium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Lutetium, Scandium und Yttrium. Diese werden von NATO-Verbündeten für den Betrieb von Kampfflugzeugen und Raketensystemen verwendet.

Im Gegensatz zu anderen Materialien kommen Seltene Erden nicht in großen, konzentrierten Mengen vor. Sie sind oft mit anderen Elementen vermischt, was ihre Gewinnung und Veredelung nicht nur komplex, sondern auch kostspielig macht.

Infolgedessen hat derjenige, der die Verarbeitung kontrolliert, einen erheblichen Marktvorteil. Ein Beispiel hierfür ist China, das seit den 1980er Jahren massiv in diesen Bereich investiert hat, sodass der Rest der Welt bis heute Aufholbedarf hat.

Bis 2023 kontrollierte Peking rund 60 Prozent der weltweiten Produktion von Seltenen Erden, mehr als 85 Prozent der Verarbeitungskapazitäten und rund 30 Prozent der weltweit bekannten Reserven. Dadurch festigte China seine Position als Hauptlieferant für kritische Rohstoffe in der Industrie.

Materialien und militärische Anwendungen

Die jüngste Liste kritischer Rohstoffe der EU-Kommission aus dem Jahr 2023 enthält 34 Materialien, die für die Wirtschaft der EU von entscheidender Bedeutung sind. Zwölf davon werden auch von der NATO als unverzichtbar für die Verteidigung angesehen.

Für das Militär hängt die Bedeutung von Materialien von einem Spektrum ab, das von „geringem Risiko“ bis „sehr hohem Risiko“ reicht. Dabei wird berücksichtigt, wie wichtig sie für den Betrieb sind und wie wahrscheinlich eine Unterbrechung ihrer Versorgung ist.

Graphit und Aluminium beispielsweise werden am häufigsten in militärischen Anwendungen eingesetzt und gelten als „hochriskant“.

Überdies spielen Seltene Erden auch eine entscheidende Rolle bei der Herstellung von militärischer Ausrüstung.

Nach Angaben des Centre for Strategic & International Studies (CSIS) enthält ein F-35-Kampfflugzeug mehr als 900 Pfund (ca. 408 kg) Seltene Erden, während ein Zerstörer der DDG-51-Klasse etwa 5.200 Pfund (2,36 t)und ein U-Boot der Virginia-Klasse fast 9.200 Pfund (4,17 t) benötigt.

Die Alternativen

Obwohl Brüssel viel Geld in die heimische Mineralienproduktion investiert hat, ist es noch weit davon entfernt, den Bedarf seiner Militärs und Industrie zu decken.

Kurzfristig bietet nur eine Diversifizierung der Lieferketten durch Partnerschaften mit rohstoffreichen Regionen wie Zentralasien, dem Kaukasus und der Ukraine einen Ausweg.

In Zentralasien gibt es beispielsweise bereits zahlreiche etablierte Minen, die in Betrieb sind. Die Ukraine verfügt hingegen über weniger aktive Förderstätten, eine unterentwickelte Infrastruktur und ist gleichzeitig der anhaltenden Bedrohung durch Russland ausgesetzt.

Dennoch könnten Verträge mit diesen Ländern für die europäische Verteidigung ebenso wichtig sein wie Panzer oder Jets.

(mm)