Wie sinnvoll ist die grüne Umweltpolitik?
"Unsere Beiträge zum Klimaschutz sind nicht nur sinnlos, sondern kontraproduktiv", sagt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Vermutlich beschleunigten nationale Maßnahmen von der Ökosteuer bis zur staatlichen Förderung grüner Energien den Klimawandel sogar.
„Unsere Beiträge zum Klimaschutz sind nicht nur sinnlos, sondern kontraproduktiv“, sagt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Vermutlich beschleunigten nationale Maßnahmen von der Ökosteuer bis zur staatlichen Förderung grüner Energien den Klimawandel sogar.
In der überarbeiteten Auflage seines Buches "Das grüne Paradoxon – Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik" übt Hans-Werner Sinn scharfe Kritik an der deutschen Umweltpolitik. Diese sei viel zu stark auf die Nachfrageseite ausgerichtet und erfasse dadurch die Problematik nicht vollständig, erklärte der Ifo-Präsident am Freitag in Berlin.
Stattdessen müsse man auf der Angebotsseite neue Ansätze verfolgen. "Wir müssen das Verhalten der Ölscheichs und Gasoligarchen beachten. Die Frage ist, wie wir sie veranlassen können, weniger von den fossilen Brennstoffen zu extrahieren", so Sinn. "Als 1980 das grüne Säbelrasseln begann und die Forderungen nach einer neuen Umweltpolitik immer lauter wurden, hatte das auch kontraproduktive Folgen. Um einer Energiewende vorzugreifen, extrahierten die Anbieter erschöpfbarer Energien so schnell und so viel an Brennstoffen, wie sie konnten. Die Ölpreise sind daher auf dem gleichen Stand wie zu Beginn der 80er Jahre, obwohl sie wegen der knapperen Ressourcen steigen müssten."
Das grüne Paradoxon
Sinn bezeichnet solche Entwicklungen als grünes Paradoxon, welche sich durch die gesamte deutsche Umweltpolitik ziehen. Diese Problematik habe international Gehör gefunden und werde in vielen wissenschaftlichen Artikeln aufgegriffen. In Deutschland diskutiere man sie jedoch sehr wenig, da das Thema von den Grünen tabuisiert werde, erklärte Sinn.
"Die Grünen hören einfach nicht gerne, dass die Energiewende in Deutschland alleine nichts bringt. Die Messungen zeigen, dass der CO2-Ausstoß in den letzten Jahren in Europa stark zurückgegangen ist. Allerdings weist die Kurve, die den CO2-Ausstoß der gesamten Welt beschreibt, noch nicht mal einen Knick auf. Es hat sich hier nichts durch unsere Umweltpolitik verändert", sagte Sinn.
Forderung nach einem "Super-Kyoto-Protokoll"
Statt deutschen oder europäischen Vorstößen, denen die anderen Länder sowieso nicht folgen würden, fordert der Ifo-Präsident ein “Super-Kyoto-Protokoll". "Alle Länder müssen einem solchen Protokoll zustimmen, damit es überhaupt Erfolg haben kann", so Sinn. Ansonsten würde die grüne Umweltpolitik zu sehr auf die Kosten der Steuerzahler gehen und den Klimawandel sogar beschleunigen. Denn unsere Sparsamkeit begünstige den Konsum erschöpfbarer Energien durch andere Länder.
In diesem Zusammenhang kritisierte Sinn ebenso die Effizienz des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. "Im letzten Jahr mussten die Verbraucher 12 Milliarden an Zusatzkosten für den grünen Strom zahlen. Das ist viel zu viel. Andererseits wurden für die Kernfusionsforschung nur 200 Millionen ausgegeben. Man muss sich daher fragen, wie innovativ unsere Energiepolitik eigentlich noch ist", sagte Sinn.
jba
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