Wiedervernässung gegen das Feuer

Vertrocknete Moore bergen auch weiterhin Brandgefahr und schaden dem Klima. Der Brand von Meppen könnte kein Einzelfall bleiben.

Euractiv.de
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Rund 1000 Hektar Moorfläche sind Ende Oktober in der Nähe von Meppen in Niedersachsen verbrannt. [Foto: Shutterstock]

Vertrocknete Moore bergen auch weiterhin Brandgefahr und schaden dem Klima. Der Brand von Meppen könnte kein Einzelfall bleiben.

Rund 1000 Hektar verbranntes Moor, 500.000 Tonnen freigesetztes CO2 und ein finanzieller Schaden von bis zu 120 Millionen Euro. Die Bilanz der Bundeswehr und ihrer Raketenübung Ende Oktober im Naturschutzgebiet Tinner Dose-Sprekeler Heide liest sich wie ein Klima-Thriller. Wie Pläne und Maßnahmen zum Brandschutz zeigen, sind trockene Moore ein bekanntes allgegenwertiges Problem. Sollten sich hohe Temperaturen und Trockenphasen wie im vergangenen Sommer wiederholen, dann drohen weitere Brandherde.

„Wir haben großes Glück gehabt, dass nicht mehr passiert ist“, sagt Dr. Reinhard Lömer, Biologe der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Moore im BUND. „Mit Blick auf den heißen, niederschlagsfreien Sommer musste man sich in Niedersachsen in allen Hochmooren Sorgen machen, die bis dato nicht vernässt worden sind.“ Ganze 95 Prozent aller Moorflächen in Niedersachsen sind häufig zum Zwecke des Torfabbaus oder der Landwirtschaft trockengelegt, auch wenn die wirtschaftliche Nutzung teils schon Jahrzehnte zurückliegt. „Im Prinzip kann durch einen Blitzeinschlag oder durch Fahrlässigkeit beim Picknick so ein Brand wie in Meppen immer wieder passieren“, sagt auch Dr. Hans-Gerhard Kulp, Vorstand der Aktion Moorschutz.

„Den Brand hätte es mit einer umfassenden Wiedervernässung nicht gegeben“

Das nun verbrannte Moor in der Tinner Dose war Teil dieser trockengelegten Flächen. Dies wurde dem Gebiet offensichtlich zum Verhängnis. Laut einer Pressesprecherin des Niedersächsischen Umweltministeriums sei der Bund bemüht gewesen den Moorkomplex möglichst nass zu halten, jedoch widersprechen die Moorexperten. „Den Brand hätte es mit einer umfassenden Wiedervernässung nicht gegeben“, so Dr. Kulp, „in einem intakten Moor haben wir im Sommer einen Wasserstand von rund 10 cm unter Gelände. Ein Brand hätte sich hier nicht so in die Tiefe fressen können“.

Auf Seiten der Bundeswehr war man sich der Brandgefahr augenscheinlich bewusst. Immer wieder wurden Schritte wie „wasserbaulichen Maßnahmen, bis hin zur Erhöhung der Böschungsschultern in den Gräben oder der Anhebung des Grundwasserstandes in der Tinner Dose“ ergriffen, wie ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Nachfrage erklärt. Für Dr. Reinhard Lömer waren diese Maßnahmen jedoch nicht ausreichend: „wenn es eine effektive Vernässung gegeben hätte, hätte dieser Brand so nicht passieren können. Ich vermute, dass man zu defensiv gehandelt hat bzw. ausgerüstet ist.“ Mittels moderner Technik sei es aber möglich, effektive Dämme zu bauen, die das Wasser im Moor halten könnten. Man benötige „eine umfassende Planung zur Wiedervernässung[…], eine genaue Analyse der Moorkörpers mittels Laser- Scan-Befliegung […] und ganz sicher einen neuen Fahrzeugpark“, so Lömer.

Klimaschutz durch Moorentwicklung

Mittel hierfür könnten auch aus Europa kommen. Die Wiedervernässung von Mooren wird jetzt schon durch die Europäische Union gefördert. Man verspricht sich einen wichtigen Faktor im europäischen Klimaschutz. Welche Bedeutung Moore für das Klima haben, zeigt ein kurzer Vergleich. Weltweit ist  nur eine Fläche von 0,3 Prozent von Moorflächen bedeckt. Diese Fläche speichert aber mehr CO2, als alle Wälder der Erde zusammen. In ganz Deutschland finden sich mittlerweile Projekte zum Erhalt der Moore. Allein in Niedersachsen beträgt die jährliche Förderung rund 8,5 Millionen Euro. „Klimaschutz durch Moorentwicklung“ nennt sich die Förderrichtlinie, die vor allem Privatpersonen und Unternehmen in Niedersachsen dabei unterstützt, die Flächen nachhaltig zu nutzen.

Während ein funktionales Moor bis zu 350 kg Kohlenstoff pro Hektar aus der Atmosphäre ziehen kann, bewirken entwässerte und degenerierte Böden das genaue Gegenteil. „Sie werden stattdessen zu einer Quelle für Treibhausgase, wobei die über sehr lange Zeiträume gespeicherten Kohlenstoffvorräte in vergleichsweise kurzer Zeit wieder in die Atmosphäre abgegeben werden“, heißt es im Programm zur Moorentwicklung vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Deutschlandweit sorgen sie für einen Ausstoß von 43,8 Millionen Tonnen CO2 und haben so einen Anteil von 4,6 Prozent an allen Treibhausgasen in der Bundesrepublik. Zum Vergleich: beim Moorbrand in der Tinner Dose, dessen Rauchschwaden bis nach Bremen reichten, wurden gerade einmal 500.000 Tonnen CO2 ausgestoßen.

„Zeitgemäß des Klimawandels ist es eine wichtige Aufgabe, die Moore mit den Gesichtspunkten Brandschutz, Lebensgemeinschaften […] und Klimaschutz, systematisch wiederzuvernässen“, sagt Dr. Hans-Gerhard Kulp. Während es bei der ländlichen Bevölkerung längst bekannt sei, „dass es da eine Zeitbombe gibt, muss sich die Politik endlich auf höchster Ebene mit dem Moorschutz befassen.“ Schließlich trage Niedersachsen als moorreichstes Bundesland eine ganz besondere Verantwortung. In Meppen werden nun langsam die ersten finanziellen Schäden für unmittelbare Anwohner beglichen. Das Moor selbst wird Jahrzehnte brauchen, um wieder über ein funktionierendes Ökosystem zu verfügen. Die Gefahr weiterer Brände bleibt bis dahin in ganz Deutschland bestehen.