Wasserstoff: Wie der Staatskonzern Uniper die Produktion der „Erneuerbaren“ beschleunigen kann
Es öffnet sich jetzt ein „Window of Opportunity“ – in Form der verstaatlichen Energiekonzerne, mit der die Produktion von erneuerbaren Energien, wie Wasserstoff, vorangetrieben und die notwendigen Investitionen getätigt werden können, schreibt Jorgo Chatzimarkakis.
Es öffnet sich jetzt ein „Window of Opportunity“ – in Form der verstaatlichen Energiekonzerne, mit der die Produktion von erneuerbaren Energien, wie Wasserstoff, vorangetrieben und die notwendigen Investitionen getätigt werden können, schreibt Jorgo Chatzimarkakis.
Jorgo Chatzimarkakis, einst EU-Politiker in der FDP, ist heute der CEO von Hydrogen Europe, dem EU-Lobbyverband der Wasserstoffwirtschaft.
Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind die Märkte in Aufruhr. Europa und Deutschland stehen einer „Energiefront“ nie gekannten, dramatischen Ausmaßes gegenüber.
Eine Gemengelage, die die industrielle und damit wirtschaftliche Basis der Bundesrepublik bedroht. Die Herausforderungen sind groß: Es geht nicht nur um die zuverlässige Energieversorgung zu marktwirtschaftlichen Preisen, sondern auch um die Lieferung weiterer benötigter Rohstoffe, wie zum Beispiel chemischer Grundstoffe.
Wir müssen jetzt alternative, nachhaltige Versorgungsstränge schaffen. Hier stehen wir wieder und wieder vor dem gleichen Problem: Der Wasserstoffhochlauf wird derzeit in Europa durch unsichere Beschaffungsbedingungen und unsichere Preisgestaltung gebremst. Investitionen privater Hand werden dadurch gehemmt.
Darüber hinaus müssen auch die europäischen Rahmenbedingungen optimiert werden. Die Lösung ist eine verstärkte internationale Zusammenarbeit über Europa. Länder mit guten Standortbedingungen für Sonne, Wind und Wasserkraft, sowie mit Zugang zu Wasser sollten dabei prioritär angesprochen und langfristige Partnerschaften auf Augenhöhe geschaffen werden.
Und Wasserstoff kommt hier eine zentrale Rolle zu. Ursula von der Leyen betonte bereits, dass Wasserstoff und erneuerbare Energien die beiden wichtigsten Energievektoren für Europa seien, die den Weg zur Unabhängigkeit der EU von russischen fossilen Brennstoffen ebnen würden.
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz unterstrich im April 2022 in seiner Rede der Zeitenwende die Bedeutung von Wasserstoff für den deutschen Standort: „Denn nur mit Wasserstoff wird die Industrie klimaneutral.“ Keine Deindustrialisierung, sondern Modernisierung der deutschen Industrie für die Klimaneutralität.
Doch bezüglich der Klimaneutralität stehen wir aktuell vor einem straff gespannten „Gordischen Knoten“: Der Import und die Speicherung von erneuerbarem Strom ist beispielsweise nur über den Energievektor Wasserstoff möglich – ein vielseitiger Energieträger, der es ermöglicht, eine größere Kapazität an erneuerbaren Energien zusätzlich in das Energiesystem zu integrieren, um somit sukzessive die fossilen Energieträger zu ersetzen.
Mit anderen Worten: Erneuerbare Energien (die eine direkte Elektrifizierung ermöglichen) und Wasserstoff (der eine indirekte Elektrifizierung ermöglicht) gehen Hand in Hand. Wasserstoff ist auch eine chemische Grundsubstanz. Dieser kann also wegfallende Rohstoffe für viele industrielle Prozesse ebenfalls ergänzen beziehungsweise ganz ersetzen.
Um im Bild der griechischen Mythologie und Geschichte mit dem gordischen Knoten zu bleiben: Wir brauchen einen „Alexander“, der den Knoten durchschlägt.
Wasserstoff kann die Lösung sein. Doch wo bekommen wir die benötigten Mengen her? Ohne eine gesicherte, langfristige Planung werden sich Marktplayer nicht ohne weiteres committen.
Hier öffnet sich jetzt ein „Window of Opportunity“: Das bisher offene Problem der gesicherten Abnahme lässt sich nun durch die von der Bundesregierung verstaatlichten Unternehmen UNIPER, SEFE und VNG lösen
Mit diesen Energiefirmen als Großabnehmer und Zwischenhändler würde Deutschland das nötige Know-how für einen Wasserstoffhochlauf schaffen: Einerseits würde dies die unmittelbare Investitionsfähigkeit und Finanzierungsfähigkeit auf der Angebotsseite sichern.
Wie? Indem durch Garantien von Preissicherheit mithilfe langfristiger Abnahmeverträge sowie Marktsicherheit belastbare und verlässliche Abnehmer etabliert werden würden.
Denn um langfristig die Versorgung des Energievektors und chemischen Grundstoffs Wasserstoff zu sichern, sind bereits heute langfristige Verträge und die Entwicklung von partnerschaftlichen Beziehungen nötig.
Die Bundesregierung könnte somit die Verstaatlichung der genannten Unternehmen nutzen, um die industrielle Basis Deutschlands zu erhalten – und damit beim Durchtrennen des „Gordischen Knotens“ unterstützen.