Albanien: Geschlechterungleichheit in allen Lebensbereichen
Frauen in Albanien verbringen im Schnitt 25 Jahre ihres Lebens damit, Kinder aufzuziehen und unbezahlte Arbeit wie die Pflege von Familienmitgliedern und Hausarbeit zu verrichten, wie aus neuen Daten der Weltbank hervorgeht.
Frauen in Albanien verbringen im Schnitt 25 Jahre ihres Lebens damit, Kinder aufzuziehen und unbezahlte Arbeit wie die Pflege von Familienmitgliedern und Hausarbeit zu verrichten, wie aus neuen Daten der Weltbank hervorgeht.
Diese hohe Belastung führt demnach dazu, dass Frauen in geringerem Maße auf dem Arbeitsmarkt tätig sind, was sich wiederum negativ auf das Haushaltseinkommen und das Armutsniveau auswirkt.
Würde diese Last gleichmäßig auf andere Familienmitglieder, insbesondere den Ehemann, verteilt, wäre das Haushaltseinkommen aufgrund des Gehalts und der höheren Renten größer, heißt es in dem kürzlich veröffentlichten Bericht.
Frauen tragen in dem Westbalkanland den Löwenanteil der häuslichen Pflichten, insbesondere in ländlichen Gebieten, in denen mehr als 40 Prozent der albanischen Bevölkerung leben und die mit größerer Armut konfrontiert sind.
Den Daten zufolge verbringen albanische Frauen im Schnitt etwa 22 Prozent ihres Tages mit unbezahlter Arbeit, verglichen mit nur 3,47 Prozent beziehungsweise 43 Minuten für Männer.
Umgerechnet bedeutet das, dass Frauen mindestens 40 Stunden im Monat – fast eine ganze Arbeitswoche – umsonst arbeiten.
In den Mitgliedstaaten der EU verbringen Frauen täglich etwa 4,5 Stunden mit unbezahlter Arbeit, Männer dagegen 2,5 Stunden. In Albanien sind es sogar über 6,5 Stunden für Frauen und weniger als eine Stunde für ihre männlichen Familienmitglieder.
Zwar gibt es in Albanien keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bildungsniveau, wobei Frauen oft besser als Männer abschneiden, aber die Erwerbsquote der Frauen ist niedriger. Daten des UN-Büros in Albanien zeigen, dass 72,1 Prozent der Frauen erwerbstätig sind, verglichen mit 88,3 Prozent der Männer – eine Diskrepanz von 16,2 Prozent, die als signifikant angesehen wird.
Laut den Ergebnissen des Global Gender Gap Report 2020 würde es beim derzeitigen Tempo knapp 100 Jahre dauern, bis die Gleichstellung erreicht ist.
Doch es gibt noch ein weiteres Problem, das durch das Ungleichgewicht bei den Geschlechterrollen und -chancen verursacht wird.
Albanien steht weltweit an erster Stelle, wenn es um den Anteil von Ministerinnen in der Regierung geht: 12 von 18 Ministerien im Land werden von Frauen geführt.
Auf lokaler Ebene sieht es jedoch weniger rosig aus. Bei den Kommunalwahlen 2019 gewannen Frauen 44 Prozent der Sitze in den Gemeinderäten und nur acht von 61 Gemeinden, also nur 13 Prozent.
Die ständige UN-Koordinatorin für Albanien, Fiona McCluney, forderte die politischen Parteien auf, die Vertretung von Frauen auf lokaler Ebene weiter zu fördern und die Geschlechterquote von 50 Prozent für die Kandidatenlisten für die Mitglieder der Gemeinderäte strikt umzusetzen.
Die Vereinten Nationen forderten insbesondere eine Erhöhung der Zahl der weiblichen Kandidaten für den Posten des Bürgermeisters. Allerdings sind nur 15 der 144 Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters (10,4 Prozent) Frauen, ein niedriger Wert im Vergleich zum Prozentsatz der weiblichen Kandidaten bei den Kommunalwahlen von 2019.
Premierminister Edi Rama sagte kürzlich in einem Podcast, man habe versucht, Geschlechterquoten auf lokaler Ebene einzuführen, aber in einigen Gebieten gebe es einfach nicht genügend Frauen, die bereit oder in der Lage seien, für ein öffentliches Amt zu kandidieren.