Albanien verzeichnet größten Bevölkerungsschwund seit 2. Weltkrieg

Die Bevölkerung Albaniens ging im Jahr 2022 aufgrund von Auswanderung um 1,3 Prozent zurück, was etwa 36.000 (hauptsächlich jungen) Menschen entspricht und den stärksten Bevölkerungsrückgang seit dem Zweiten Weltkrieg bedeutet.

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Der EU-Aspirant befindet sich in einer demografischen Krise, die auf die Überalterung der Bevölkerung, die sinkende Geburtenrate und die jährliche Auswanderung Tausender Menschen zurückzuführen ist. In den letzten zehn Jahren haben etwa 700.000 Menschen das Land verlassen, womit sich deren Gesamtzahl seit dem Fall des Kommunismus im Jahr 1991 auf etwa 1,4 Millionen erhöht hat. [Shutterstock/jeremie martinot]

Die Bevölkerung Albaniens ging im Jahr 2022 aufgrund von Auswanderung um 1,3 Prozent zurück, was etwa 36.000 (hauptsächlich jungen) Menschen entspricht und den stärksten Bevölkerungsrückgang seit dem Zweiten Weltkrieg bedeutet.

Das Land befindet sich in einer demografischen Krise, die auf die Überalterung der Bevölkerung, die sinkende Geburtenrate und die jährliche Auswanderung Tausender Menschen zurückzuführen ist. ´In den letzten zehn Jahren haben etwa 700.000 Menschen das Land verlassen, womit sich deren Gesamtzahl seit dem Ende des Kommunismus im Jahr 1991 auf etwa 1,4 Millionen erhöht hat.

Nach Angaben des Statistischen Instituts des Landes (INSTAT) wird die derzeitige Bevölkerungszahl für das Jahr 2022 auf etwa 2,79 Millionen geschätzt, gegenüber 2,83 Millionen im Jahr 2021. Die Bevölkerung des Landes ist seit Jahren rückläufig, aber laut INSTAT ist der Rückgang von 0,3 Prozent im Jahr 2019 auf 0,6 Prozent in den Jahren 2020 und 2021 gestiegen und hat sich mit 1,3 Prozent im Jahr 2022 mehr als verdoppelt.

Noch besorgniserregender ist das Bild, wenn die Daten nach Alter aufgeschlüsselt werden. Bei den 20- bis 24-jährigen Albanern ist ein Rückgang um 7,1 Prozent zu verzeichnen, was 15.000 Personen entspricht, bei den 25- bis 29-Jährigen sind es 6.300.

Bei den Erwerbstätigen ging die Zahl derjenigen, die beschäftigt sind oder arbeiten und in das System einzahlen, um über 32.000 zurück. Die tatsächliche Zahl dürfte höher ausfallen, aber bis zur zweimal verschobenen Volkszählung im September dieses Jahres wird es kaum Klarheit geben.

Albanien hat im vergangenen Jahr im Vereinigten Königreich für Schlagzeilen gesorgt, weil viele albanische Staatsbürger in Schlauchbooten den Ärmelkanal überqueren und dort Asyl beantragen. Nach Angaben der britischen Behörden wurden im letzten Jahr mehr als 15 000 albanische Staatsbürger gezählt, vor allem junge Menschen.

Das Thema löste in den britischen Medien eine große Debatte aus und führte zu Kommentaren des Innenministeriums und seiner Minister, die als fremdenfeindlich kritisiert wurden.

Im eigenen Land hat sich die Regierung kaum zu der Situation geäußert, während die Opposition Premierminister Edi Rama die Schuld an dem Problem zuschiebt.

Im Dezember 2022 sagte Rama in einem Exklusivinterview mit EURACTIV, dass er der Jugend des Landes nicht sagen könne, sie solle das Land nicht verlassen.

„Ich habe nie gedacht, und ich denke immer noch nicht, dass es eine gute Idee ist, zu glauben und zu kommunizieren, dass die jungen Leute unbedingt hier bleiben sollten, weil ich denke, dass sie das Recht haben, es zu versuchen, und sie sollten ihre Freiheit nutzen, und es liegt absolut in ihren Händen“, sagte Rama.

Er fügte hinzu, er betrachte die Situation nicht als Tragödie, sondern als Teil des Lebens, und er glaube, dass sie auch positive Auswirkungen haben könne.

„Diese Menschen kehren mit einer anderen Mentalität zurück, sie kommen mit einer gewissen Erfahrung, und sie eröffnen Unternehmen, sie machen Dinge anders, und sie haben Erfolg“, sagte er und fügte hinzu: „Ich denke, wir sollten alles tun, um weiterzumachen, um die Bedingungen zu verbessern.“

Oppositionsführer Sali Berisha sagte gegenüber EURACTIV im Dezember, dass seine Partei daran arbeite, die Menschen zurückzubringen.

„Wir versuchen, unsere Verbindungen nicht nur zu gut ausgebildeten Menschen in Albanien, sondern auch zu Menschen in Großbritannien, Deutschland, den Vereinigten Staaten, Frankreich und überall sonst auszubauen. Das ist ein riesiges Potenzial“, sagte er.

Den albanischen Staat stellt die Abwanderung junger Menschen jedoch vor erhebliche Herausforderungen, denn Renten, staatliche Dienstleistungen oder das Gesundheitssystem zu finanzieren, wird so immer schwieriger.

Zudem gibt es einen großen Mangel an Arbeitskräften im Gastgewerbe, im Tourismus und in der verarbeitenden Industrie sowie eine schwindende Zahl von Ärzten, Krankenschwestern und anderen Fachkräften.