Albanien will Abwanderung junger Ärzte und Pflegekräfte verhindern
Die albanische Regierung bereitet ein Programm vor, um die Abwanderung junger Menschen, insbesondere von Ärzten und Pflegekräfte, zu verhindern. Dazu gehören etwa vergünstigte Baukredite und Lohnerhöhungen.
Die albanische Regierung bereitet ein Programm vor, um die Abwanderung junger Menschen, insbesondere von Ärzten und Pflegekräfte, zu verhindern. Dazu gehören etwa vergünstigte Baukredite und Lohnerhöhungen, es werden aber auch Verpflichtungen, für eine bestimmte Zeit vor Ort zu praktizieren, in Erwägung gezogen.
Die Bevölkerung des EU-Beitrittskandidaten ist seit dem Ende des Kommunismus im Jahr 1991 um mehr als 1,4 Millionen Menschen zurückgegangen. 700.000 Menschen haben das Land im letzten Jahrzehnt verlassen und mindestens 32.000 – hauptsächlich junge Menschen – allein im Jahr 2022.
Der Massenexodus hat den Arbeitsmarkt hart getroffen und zu einem erheblichen Personalmangel im Gastgewerbe, im Tourismus, in der verarbeitenden Industrie, aber auch im Gesundheitssektor geführt.
Allein nach Deutschland kamen in den letzten zehn Jahren mindestens 3.500 Angehörige der Gesundheitsberufe, darunter viele Ärzte, aus Albanien.
Ministerpräsident Edi Rama kündigte am Mittwoch bei der Einweihung einer neuen Abteilung im staatlichen Krankenhaus in Tirana eine neue Initiative an, mit der versucht werden soll, medizinisches Personal und andere junge Menschen im Land zu halten, unter anderem durch die Gewährung günstiger Wohnungsbaudarlehen und höhere Gehälter.
„Für alle jungen Paare, Ärzte, Polizisten und Soldaten wird es ein Programm geben, bei dem die Regierung die Möglichkeit eines Kredits für den Kauf eines Hauses zu völlig anderen Bedingungen als auf dem Bankenmarkt unterstützt“, sagte er.
„Wir sind der festen Überzeugung, dass wir auf diese Weise eine weitere wichtige Motivation für junge Ärzte schaffen werden“, fügte er hinzu.
Rama sagte, dass die Abwanderung von Fachkräften nicht nur ein albanisches Phänomen sei. Er fügte hinzu, dass diejenigen, die das Land verlassen, einen guten Ruf haben und sich schnell in europäische Gesundheitsdienste wie in Deutschland integrieren.
„Aber wir können nicht das deutsche Gesundheitswesen finanzieren“, sagte er.
„Wir können nicht akzeptieren, dass ein Medizinstudent 1/16 der Studienkosten bezahlt und die Regierung den Rest übernimmt […] und dann bekommt der Student sein Diplom und geht nach Deutschland oder anderswo hin“, sagte er.
Es sei zwar nicht möglich, die Freizügigkeit zu unterbinden oder Menschen zum Bleiben zu zwingen, aber es würden Pläne erwogen, wonach Medizinabsolventen für eine bestimmte Zeit im Land bleiben müssten, um zu arbeiten.
„Dazu werden wir natürlich die Diskussion sowohl mit dem Rektorat als auch mit der Gemeinschaft ausweiten, um die bestmögliche und fairste Politik zu machen“, fügte er hinzu.
Mit besonderem Bezug auf Ärzte und Pflegekräften, die das Land verlassen, sagte Rama, dass es eine Gehaltserhöhung für Fachärzte auf 50.000 Lek im Monat (entspricht 470 €) geben wird, wobei diejenigen, die mehr Arbeit leisten, mehr zugewiesen bekommen könnten.
Die Mittel werden aus dem Staatshaushalt bereitgestellt, während der Rest aus der Autonomie der Krankenhäuser stammt.
In einem Interview mit EURACTIV im Dezember sagte Rama, er könne die Menschen nicht daran hindern, das Land zu verlassen.
„Ich habe nie gedacht, und ich halte es immer noch nicht für eine gute Idee, zu glauben, geschweige denn zu kommunizieren, dass die jungen Leute unbedingt hier bleiben sollten, denn ich denke, sie haben das Recht, es zu versuchen, und sie sollten von ihrer Freiheit Gebrauch machen, und es liegt absolut in ihrer Hand“, sagte Rama.
Er fügte hinzu, dass es wichtig sei, junge Menschen zur Rückkehr zu bewegen, da sie eine andere Mentalität mitbrächten, die dem Land zugutekommen könne.
„Diese Menschen kehren mit einer anderen Mentalität zurück, sie kommen mit einer gewissen Erfahrung und sie eröffnen Unternehmen, sie machen Dinge anders und sie haben Erfolg“, sagte er und fügte hinzu, dass es auch wichtig sei, die Bedingungen auf lokaler Ebene zu verbessern.
Am 14. Mai finden in Albanien Wahlen statt, bei denen Bürgermeister und Kommunalvertreter im ganzen Land gewählt werden.