Arzneimittelbehörde EMA gibt grünes Licht für Vakzin von Astrazeneca

Nach den Corona-Impfstoffen des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie des US-Unternehmens Moderna könnte in Deutschland und den anderen EU-Staaten bald ein drittes Vakzin gegen Sars-CoV-2 hinzukommen.

Euractiv.de
Start of vaccination against Covid-19 in Czech Republic
Objekt der Begierde: Impfstoffe von Biontech, Astrazeneca oder anderen Herstellern. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in der EU gegeben. 

Sie empfehle die bedingte Marktzulassung des Vakzins des britisch-schwedischen Konzerns zur Verimpfung an alle Menschen ab 18 Jahren, erklärte die EU-Behörde am Freitag. Sie gab den Impfstoff damit auch für ältere Menschen frei, obwohl es zuvor Zweifel an der Wirksamkeit des Präparats bei diesen gegeben hatte.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kündigte nach dem grünen Licht durch die EMA eine schnelle Zulassung für den Astrazeneca-Impfstoff durch die EU-Kommission an. „Wir sind bereit, um zusammenzuarbeiten und Lösungen zu finden, um den Bürgern so schnell wie möglich Zugang zu weiteren Impfungen zu geben“, schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Auf welcher Methode basiert der Astrazeneca-Impfstoff?

Es handelt sich um einen Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des sogenannten Spike-Proteins des Coronavirus genetisch verändert wird.

Mit dem Spike-Protein, einer stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche, heftet sich das Coronavirus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen. Wenn das Vektorvirus dem Menschen in minimaler Menge injiziert wird, kann dieser Antikörper gegen das Spike-Protein und damit gegen Sars-CoV-2 bilden.

Wie wirksam ist der Astrazeneca-Impfstoff?

Die Entwickler meldeten im November ein Zwischenergebnis, wonach der Impfstoff durchschnittlich zu 70 Prozent wirksam sei. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna sind hingegen zu rund 95 Prozent wirksam. Laut Astrazeneca gibt es jedoch Hinweise, dass ein Variieren der Impfdosis zu höherer Wirksamkeit führen könnte. Auch der Abstand zwischen beiden Impfdosen könnte eine Rolle spielen.

Für die Wirksamkeit des Vakzins bei Menschen ab 65 Jahren hat Astrazeneca in seinen klinischen Tests nur wenige Daten erhoben. Deshalb soll es bei einer Zulassung in Deutschland voraussichtlich nur an Menschen unter 65 Jahren verabreicht werden. In einem am Donnerstag bekannt gewordenen Entwurf der Ständigen-Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts hieß es, das Astrazeneca-Präparat solle „nur den Personen angeboten werden, die 18-64 Jahre alt“ sind.

Welche Vorteile hat das Vakzin von Astrazeneca?

Mit einem Preis von rund zwei Euro pro Dosis ist der Impfstoff ziemlich günstig. Außerdem lässt er sich bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad lagern. Damit ist er ideal für großangelegte Impfkampagnen. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer benötigt bei längerer Lagerung hingegen eine extrem niedrige Temperatur von minus 70 Grad. Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna muss immerhin auf minus 20 Grad heruntergekühlt werden.