Asiatische Hornisse bedroht Europas Honigbienen

Die Asiatische Hornisse terrorisiert seit mehr als zwei Jahrzehnten Europas Honigbienen – und deren Halter. Doch Wissenschaftler könnten nun einen Weg gefunden haben, ihre Ausbreitung zu stoppen.

/ EURACTIV.com
[EPA/SEBASTIEN NOGIER]

Die Asiatische Hornisse terrorisiert seit mehr als zwei Jahrzehnten Europas Honigbienen – und deren Halter. Doch Wissenschaftler könnten nun einen Weg gefunden haben, ihre Ausbreitung zu stoppen.

Die schwarz-orangefarbene Vespa velutina, rund drei Zentimeter lang mit gelben Beinen, tauchte erstmals 2004 in Frankreich auf – vermutlich versteckt in einer Lieferung chinesischer Keramik. Seitdem hat sie ein Dutzend weitere europäische Länder erobert.

Imker in betroffenen Regionen berichten von Verlusten von bis zu 50 Prozent ihrer Völker. Jede Hornisse kann bis zu 50 Bienen am Tag töten – und bei mehreren Tausend Tieren pro Nest sieht die Rechnung düster aus.

Für Cyndy Adolphe, Politikberaterin bei der Bestäuber-NGO BeeLife, ist es ein „makabres Geschenk“, das Frankreich der Imkerei in der EU gemacht hat.

Vergangene Woche meldete Irland erst den zweiten Nachweis der Hornisse und warnte vor einer Bedrohung der Biodiversität. Zeitgleich berichteten belgische Medien, dass Flandern Millionen in die Bekämpfung der Art investiert – Gartenfunde haben sich dort in diesem Jahr verdoppelt.

Wie ein Flächenbrand

Auch für Wissenschaftler ist die massive Bedrohung der europäischen Bienenpopulation kein Geheimnis.

„Sie breiten sich aus wie ein Flächenbrand“, sagt Sophie Gray, Forscherin an der University of Southampton in Großbritannien.

Ein einziges Nest kann binnen weniger Tage ein ganzes Bienenvolk auslöschen – und es ist schwer aufzuspüren: Die Nester können im Boden stecken, in Nistkästen, Hecken oder 15 Meter hoch in den Bäumen hängen.

Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich: Immer mehr Hornissen überleben den Winter und bleiben von Juni bis November aktiv.

„Es gibt für Imker keine Atempause mehr“, warnt Adolphe.

Die Folgen sind gravierend. Im schlimmsten Fall beläuft sich der wirtschaftliche Schaden durch die Asiatische Hornisse allein in Frankreich auf geschätzte 30,8 Millionen Euro pro Jahr.

Zur Eindämmung der Population setzen Imker in der EU bislang auf Nestzerstörung und Fangmethoden – ergänzt durch elektrische Schläger und Schutzvorrichtungen für die Beuten. Eine große Herausforderung dabei: Fallen so zu gestalten, dass sie gezielt Hornissen erfassen und die Biodiversität möglichst wenig beeinträchtigen.

Das Summen orten

Doch Gray und ihr Team glauben, einen Durchbruch erzielt zu haben: Sie wollen die Hornissen am charakteristischen Brummen aufspüren.

Ihre Forschung zeigt: Asiatische Hornissen summen mit etwa 51 Dezibel bei einer Grundfrequenz von 125 Hertz. Mit einem Richtmikrofon lassen sich Nester aus bis zu 20 Metern Entfernung aufspüren – und klar von Bienen oder Europäischen Hornissen unterscheiden.

Die Fähigkeit, Nester schnell zu lokalisieren, könnte für Imker entscheidend sein – denn nach einer Sichtung läuft die Zeit.

„In der Regel dauert es zwei bis drei Tage, bis man ein Nest findet“, erklärt Gray. „Bis dahin haben die Hornissen womöglich schon ein Volk von 20.000 Bienen ausgelöscht.“

Da Europas Bestäuber ohnehin massiv unter Druck stehen, könnte das neue Werkzeug helfen, den tödlichen Sound der Hornissen frühzeitig zu erkennen.

(cs, vib, jl)