Athen ruft EU um Hilfe
Die griechische Regierung hat finanzielle Hilfe von Internationalem Währungsfonds und EU beantragt. Premier Papandreou: Die Griechen erwartet eine "neue Odyssee".
Die griechische Regierung hat finanzielle Hilfe von Internationalem Währungsfonds und EU beantragt. Premier Papandreou: Die Griechen erwartet eine „neue Odyssee“.
"Ich habe die entsprechende Anweisung an das Finanzministerium gegeben", sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou in einer Fernsehansprache an das griechische Volk. "In Kürze werden wir die Anträge stellen", fügte Papandreou hinzu. Er sprach von der kleinen Mittelmeerinsel Megisti (Kastelorizo) aus.
Papandreous Rede war sehr emotional. Die Griechen erwarte eine "neue Odyssee" meinte er. "Wir kennen aber den Weg nach Ithaka", fügte Papandreou hinzu. Zur Erklärung meinte Papandreou, dass sich die Hoffnung, die internationalen Märke würden positiv auf das griechische Sparprogramm und den Nothilfeplan der EU reagieren, nicht bewahrheitet habe. Griechenland laufe Gefahr, dass wegen der Spekulanten alle Sparanstrengungen zunichte gemacht werden. Aus diesem Grund sei Athen gezwungen, jetzt schon zu handeln.
Die Euro-Länder wollen Athen mit bis zu 30 Milliarden Euro im ersten Jahr unter die Arme greifen – Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen. In Athen verhandeln bereits Experten des IWF, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Kommission über die Modalitäten zur Hilfeleistung an die Griechen. Nach der Erklärung Papandreous stieg die griechische Börse um vier Prozent.
dpa
Reaktionen
EUROPA
Die EU bestätigte den Antrag Athens. Währungskommissar Olli Rehn sagte: "Das läuft jetzt alles automatisch ab."
DEUTSCHLAND
Nach Ansicht von Angela Merkel sind die Bedingungen für die Hilfe noch nicht erfüllt. Zunächst müsse Griechenland eine Einigung mit IWF und EU-Kommission über sein Sparprogramm erzielt haben. "Ich habe heute mit dem griechischen Premierminister telefoniert, und er sagte, dass diese Gespräche noch einige Zeit dauern werden", sagte die Bundeskanzlerin.
Michael Offer, Sprecher des Finanzministeriums, sagte in Berlin, der Antrag müsse zuerst von der Europäischen Zentralbank (EZB) und IWF als berechtigt anerkannt werden. Zudem sei ein fertiges IWF-Programm vorzulegen.
Udo Bullmann, SPD-Europaabgeordneter und Fraktionssprecher für Wirtschaft und Währung: "Griechenland war in den vergangenen Wochen einem beispiellosen Angriff von Spekulanten ausgesetzt. Angesichts von Zinssätzen bis an die Zehn-Prozent-Marke blieb der Regierung in Athen keine andere Wahl, als das Hilfsangebot seiner Partner anzunehmen."