Ausländer entlasten Sozialstaat um 22 Milliarden Euro
Sind Menschen nicht-deutscher Herkunft eine Belastung für Deutschland? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung widerspricht diesem gängigen Vorurteil.
Sind Menschen nicht-deutscher Herkunft eine Belastung für Deutschland? Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung widerspricht diesem gängigen Vorurteil.
Im Zuge steigender Asylbewerberzahlen und der Öffnung des Arbeitsmarktes für EU-Bürger aus Rumänien und Bulgarien debattiert die Politik die Zuwanderung immer hitziger – besonders die bayerische CSU warnt vor Flüchtlingsströmen, Sozialtouristen und ‚Armutsmigranten‘. V zufolge betrachten rund zwei Drittel der Deutschen Zuwanderer als Problem und Last für Deutschland.
Blickt man nun auf aktuelle Zahlen der Bertelsmann-Stiftung, dann sind die in Deutschland lebenden Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit keineswegs eine Bürde für den Sozialstaat – im Gegenteil: Sie sorgen für ein deftiges Plus.
Der am Donnerstag veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zufolge haben die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass 2012 zu einem Überschuss von insgesamt 22 Milliarden Euro beigetragen. Jeder Ausländer zahlt demnach pro Jahr durchschnittlich 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als er an staatlichen Leistungen erhält.
Bereits 2004 war den Sozialkassen ein Überschuss von 2.000 Euro pro Ausländer geblieben. Den Anstieg seitdem erklärt die Studie vor allem mit der günstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung sind dabei konservativ: Na?hme man noch jene ausla?ndischen Mitbu?rger hinzu, die die deutsche Staatsangeho?rigkeit angenommen haben, wu?rde der fiskalische Nutzen mit großer Wahrscheinlichkeit noch ho?her ausfallen, da dieser Personenkreis im Durchschnitt o?konomisch erfolgreicher ist als die Gruppe der Ausla?nder.
Zwar lagen die durchschnittlichen Nettosteuerzahlungen von Ausländern 2012 um 700 Euro unter denen von Deutschen. Zugleich kamen jedoch knapp 67 Prozent der Ausländer auf einen positiven Beitrag – und nur knapp 60 Prozent der Deutschen. Das lag vor allem daran, dass es unter der ausländischen Bevölkerung weniger Ältere gibt, bei denen die Transferleistungen höher sind als die gezahlten Steuern und Beiträge.
Noch deutlicher steigen könnte der Beitrag der Ausländer zu den öffentlichen Haushalten, wenn sich ihr Bildungs- und Qualifikationsniveau erhöht. „Gute Bildungspolitik ist die beste Integrationspolitik“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Selbst erhebliche zusätzliche Bildungsinvestitionen würden sich finanziell für den Staat lohnen.
Die Stiftung fordert die Politik auf, ihre Migrationspolitik sinnvoller zu steuern und bei der ökonomisch motivierten Zuwanderung stärker auf die Qualifikationen zu achten – sie anhand von „humankapital- und arbeitsmarktorientierten Kriterien“ auszurichten.
Derzeit sei Deutschland noch nicht attraktiv genug für internationale Fachkräfte aus Drittstaaten. „Die Krise der südeuropäischen Länder hat viele gut ausgebildete Arbeitskräfte nach Deutschland kommen lassen. Das wird nicht auf Dauer so bleiben“, sagte Dräger. Weil sowohl Sozialsysteme, öffentliche Haushalte als auch der Arbeitsmarkt wegen des demografischen Wandels unter Druck geraten, müsse Deutschland ein dauerhaft attraktives Einwanderungsland werden.
