Australiens kritische Rohstoffe: EU drohen verpasste Investitionschancen

Die australische Ministerin für Ressourcen, Madeleine King, sprach sich für mehr europäische Investitionen in australische kritische Mineralien aus. Beim geplanten Freihandelsabkommen steht sie dem Verbot der doppelten Preisbildung kritisch gegenüber.

Euractiv.com
Madeleine King
Angesichts der dominierenden Stellung Chinas und der zunehmenden Investitionen Japans und der USA in den australischen Rohstoffsektor seien die europäischen Unternehmen im Rückstand, so King am Dienstag (26. September) vor Journalisten in Brüssel. [Lukasz Kobus (EC - Audiovisual Service)]

Die australische Ministerin für Ressourcen, Madeleine King, sprach sich für mehr europäische Investitionen in australische kritische Mineralien aus. Beim geplanten Freihandelsabkommen steht sie dem Verbot der doppelten Preisbildung kritisch gegenüber.

Angesichts der dominierenden Stellung Chinas und der zunehmenden Investitionen Japans und der USA in den australischen Rohstoffsektor seien die europäischen Unternehmen im Rückstand, so King am Dienstag (26. September) vor Journalisten in Brüssel.

„Ich habe mich mit ihnen getroffen, und sie sind dabei, ihre Einstellung zu ändern, aber ich denke, sie müssen das nur ein bisschen schneller tun“, sagte sie und argumentierte, dass die amerikanischen Konkurrenten ihre Investitionen viel schneller erhöhten.

„Ich bin nur hier, um euch zu sagen, dass ihr euch beeilen müsst, sonst verpasst ihr den Anschluss“, betonte sie.

Risikominderung so gut wie unmöglich

Australien verfügt über große Vorkommen an Lithium, Nickel und anderen Mineralien, die für die Klimawende entscheidend sind.

„Wir sind der größte Lithiumproduzent“, sagte King und fügte hinzu, dass 96 Prozent des in Australien produzierten Lithium Spodumen zur Veredelung nach China gehen.

China dominiert bei der Verarbeitung vieler Mineralien, was die EU, die USA und andere Länder dazu veranlasst hat, sich zu bemühen, sogenannte „De-Risking“-Maßnahmen zu ergreifen. Damit sollen die Risiken der Abhängigkeit von China in ihren Lieferketten verringert werden.

Auf die Frage, ob es überhaupt möglich sei, die Risiken so weit zu mindern, dass China in diesen Sektoren keine strategische Vormachtstellung habe, antwortete die australische Ministerin: „Wahrscheinlich nicht. Sie sind dem Rest der Welt zwei Jahrzehnte voraus, sie haben in diese Kapazitäten investiert.“

„Und in gewisser Hinsicht denke ich, dass die westliche Welt ihren Bergbau und die Mineralienverarbeitung nach China ausgelagert hat, weil sie sich dagegen entschieden hat“, so King.

Australien reagiert auf die chinesische Dominanz mit Investitionen in eigene Verarbeitungskapazitäten. Jedoch ist das Land auf ausländische Investoren angewiesen, die das erforderliche Kapital bereitstellen.

Der Zugang zu wichtigen Mineralien ist auch eine der Hauptmotivationen für die EU, ein Freihandelsabkommen mit Australien anzustreben. Die Verhandlungen sind im Gange, auch wenn der australische Handelsminister Don Farrell die EU-Unterhändler überraschte, als er seinen Besuch in Brüssel im Juli abrupt abbrach und erklärte, dass weitere interne Konsultationen erforderlich seien.

Eine Frage von Respekt

Neben den traditionell heiklen Fragen des Zugangs zum Agrarmarkt streiten die EU und Australien auch über die sogenannte doppelte Preisbildung.

Die EU möchte zu den gleichen Bedingungen wie die australischen Verbraucher Zugang zu den australischen Ressourcen haben. So soll sich Australien verpflichten, die eine doppelte Preisgestaltung verbietet, die EU-Unternehmen gegenüber australischen Unternehmen benachteiligt.

Doch Madeleine King ist damit nicht einverstanden.

„Ich denke, dass es nicht fair ist, dass die Europäische Union dies von Australien verlangt“, sagte sie. Australien müsse noch in der Lage sein, seine Bürger vor starken Preisschwankungen zu schützen und die Entwicklung seiner Industrie zu fördern, so King.

Eine der fraglichen Maßnahmen zur doppelten Preisgestaltung ist eine Regelung der Regionalregierung von Westaustralien. Sie sieht vor, dass 15 Prozent der Flüssigerdgasproduktion jedes LNG-Exportprojekts für den heimischen Markt reserviert werden, wodurch die Preise für die heimischen Gasverbraucher sinken.

„Wir müssen sicherstellen, dass Gas für die lokale Produktion und erschwingliches Gas für die Menschen vor Ort zur Verfügung steht“, sagte King.

„Ich hoffe, dass die Europäische Union und die Kommissare, die die Verhandlungen führen, das verstehen und vielleicht etwas mehr Respekt für den australischen Rohstoffsektor aufbringen können.“

Erwartungshaltung an grünen Wasserstoff

Ein weiterer Sektor, an dem die EU interessiert ist, ist Australiens grüner Wasserstoff. Da Australien über reichlich Sonnen- und Windenergie verfügt, könnte es ein vielversprechender Produzent von grünem Wasserstoff sein, auf den energieintensive Industrien in Europa hoffen, um ihre Produktion zu dekarbonisieren.

So haben die deutsche und die australische Regierung im Jahr 2022 einen „Deutsch-Australischen Wasserstoff-Innovations- und Technologie-Inkubator“ (HyGATE) ins Leben gerufen, um bis 2030 eine Lieferkette für grünen Wasserstoff zwischen den beiden Ländern aufzubauen.

Ministerin King sieht zwar ein großes Potenzial für die heimische Nutzung von Wasserstoff, war aber sehr vorsichtig, die Hoffnungen auf den Export von grünem Wasserstoff zu hoch zu schrauben.

„Der Export ist meiner Meinung nach noch sehr weit entfernt“, sagte sie, „die Wissenschaft ist noch nicht so weit.“

„Man braucht eine ganz neue Exportinfrastruktur, die noch nicht erfunden ist, auch wenn man sich sehr darum bemüht.“

[Bearbeitet von Alice Taylor/Kjeld Neubert]