Beamte gedenken den Opfern des Klimawandels, während Europa schmilzt

In den vergangenen Monaten gab es rund 10.000 überdurchschnittliche Todesfälle, als eine Hitzewelle nach der anderen weite Teile Westeuropas heimsuchte. Allein in Deutschland gab es um die 5.000 überdurchschnittliche Todesfälle. 

EURACTIV.com
Europe’s Early Summer Heatwave Continues
Der Klimawandel verstärkt die Hitzewellen in ganz Europa. [Foto: Annice Lyn/Getty Images]

EU-Vertreter gedachten am Mittwoch der Opfer der Rekordhitzewelle vom vergangenen Monat, während sich die Union darauf vorbereitet, einen neuen Plan zur Eindämmung der schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vorzustellen.

In den vergangenen Monaten gab es rund 10.000 überdurchschnittliche Todesfälle, als eine Hitzewelle nach der anderen weite Teile Westeuropas heimsuchte. Allein in Deutschland gab es laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) rund 5.000 überdurchschnittliche Todesfälle. 

Brüssel hat die steigende Zahl der Opfer des Klimawandels – durch Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen und Waldbrände – zum Anlass für einen jährlichen Gedenktag gemacht, der mit einer Schweigeminute und Reden hochrangiger Vertreter begangen wird.

„Der Klimawandel ist ein Killer, und das wissen wir“, sagte EU-Klimabeauftragte Teresa Ribera in einer Videoerklärung und erklärte, dass selbst der reichste Kontinent der Welt auf dessen Risiken „nicht vorbereitet“ sei.

Sie fügte jedoch hinzu, dass die EU „die beängstigenden Bedrohungen, die [der Klimawandel] für die Menschheit darstellt, nicht hinnehmen werde“.

Ein neuer Klimaanpassungsplan

Die EU wird in Kürze einen neuen Klimaanpassungsplan vorstellen, der, wie Krisenkommissarin Hadja Lahbib kürzlich gegenüber Abgeordneten erklärte, bis zum Jahresende vorgelegt werden soll.

Ribera sagte, die Kommission werde einen „konkreten Vorschlag“ vorlegen, der der Emissionsreduzierung Vorrang einräumt, argumentierte jedoch, dass die Union auch eine stärkere Zusammenarbeit beim Aufbau von Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Wetterveränderungen benötige.

Politische Meinungsverschiedenheiten darüber, ob sich die EU auf Klimaschutz oder Anpassung konzentrieren sollte, traten kürzlich während einer Debatte zwischen Abgeordneten über den Einsatz von Klimaanlagen in Europa zutage.

Klar ist laut Francesca Racioppi, Klimabeauftragte der Weltgesundheitsorganisation, dass verschiedene Regierungen diesem Thema ressortübergreifend die gleiche Dringlichkeit beimessen müssen.

Der Leiter der europäischen Region der UN-Organisation, Hans Kluge, warnte kürzlich, dass mehr als die Hälfte der Länder keine spezifischen Pläne habe, um die Auswirkungen extremer Hitze auf die öffentliche Gesundheit anzugehen.

Globaler Notfall für die öffentliche Gesundheit

Ehemalige Staatschefs haben die WHO kürzlich aufgefordert, die Klimakrise zu einem globalen Notfall für die öffentliche Gesundheit zu erklären, was laut Racioppi ein Weg sein könnte, um mehr Maßnahmen anzustoßen.  „Regierungen betrachten den Klimawandel nicht auf dieselbe Weise wie geopolitische Bedrohungen“, erklärte die Expertin.

Schnelleres Handeln bringe auch finanzielle Vorteile mit sich, fügte Saïd El Khadraoui von der Europäischen Umweltagentur hinzu. Seinen Angaben zufolge müssen Bürger und Unternehmen jährlich rund 50 Milliarden Euro für Klimaschäden aufbringen – etwa so viel, wie die EU für die Landwirtschaft ausgibt.

„Klima-Resilienz ist zu einem wesentlichen Bestandteil des Klimaschutzes geworden“, schloss Kommissar Wopke Hoekstra.

(bms, cm)