Belgien springt Richtung Verbot von Kängurusteaks

Belgien ist nach eigenen Angaben der weltweit zweitgrößte Importeur von Känguru-Produkten – insbesondere über Flandern. Das könnte sich nun bald ändern.

[(Photo by Betul Abali/Anadolu via Getty Images)]

Das flämische Parlament hat der EU mitgeteilt, dass es den Verkauf und die Produktion von Kängurufleisch und -leder verbieten will. Verstöße sollen mit hohen Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Belgien ist nach eigenen Angaben der weltweit zweitgrößte Importeur von Känguru-Produkten – insbesondere über Flandern. Laut dem Gesetzesvorschlag importierte Belgien im Jahr 2017 rund 632.000 Kilogramm Kängurufleisch. Das entsprach 27 Prozent der gesamten australischen Exporte.

Nach EU-Recht müssen Mitgliedstaaten die Europäische Kommission informieren, wenn sie den Verkauf bestimmter Produkte einschränken wollen, da dies den Binnenmarkt beeinträchtigen kann.

In dem flämischen Dekret heißt es, dass Belgiens größte Supermarktketten – darunter Delhaize, Colruyt, Aldi, Lidl und Carrefour – Kängurufleisch bereits aus dem Sortiment genommen haben. Allerdings werde es weiterhin in Tiernahrung verarbeitet und in einigen Restaurants sowie bei spezialisierten Metzgern angeboten.

„Flandern trägt überproportional zum Tierleid in Australien bei“, heißt es in dem Text.

Vertreter einer australischen Tierschutzorganisation sowie Mitglieder der Aborigines-Gemeinschaft hatten das flämische Parlament im Oktober 2024 besucht, um ein Ende des Handels mit diesen Produkten zu fordern.

Sollte die Kommission zustimmen, würde das Dekret im Juli 2026 in Kraft treten.

Umstrittene Praxis

Kritiker prangern seit Langem die Methoden bei der Kängurujagd an – darunter nächtliche Abschüsse, das Töten von Weibchen mit Jungtieren, die dadurch ebenfalls sterben, sowie nicht-tödliche Schüsse, die Tiere schwer verletzen.

Die Bestände schwanken jedoch stark in Abhängigkeit vom Klima. In Australien wird deshalb weiter darüber diskutiert, ob menschliches Eingreifen nötig ist, um Überweidung oder Verhungern zu verhindern.

2024 legten die australischen Behörden eine Quote von 1,4 Millionen Kängurus für den kommerziellen Abschuss fest – tatsächlich erlegt wurden aber nur 532.000 Tiere, also rund 36 Prozent der Quote.

2023 hatte Brüssel Forderungen nach einem EU-weiten Importverbot für Känguru-Produkte abgelehnt. Zwar gelten Lebensmittelkontrollen, nicht jedoch Tierschutzregeln, da Kängurus als Wildtiere eingestuft sind.

Auch die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Australien scheiterten 2023 – vor allem wegen Differenzen über den Zugang zu Agrarmärkten.

(adm, jl)