Biodiesel-Panschen bei Englands Importen entdeckt

Laut einer neuen Studie wurde mehr malaysisches Altspeiseöl (UCO) nach Großbritannien und Irland exportiert als im Land gesammelt wurde. Dies lässt befürchten, dass verbotene Substanzen auf betrügerische Weise als wertvoller Biokraftstoff-Rohstoff verkauft wurden.

EURACTIV.com
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Etwa 1,5 Millionen Tonnen der insgesamt 2,8 Millionen Tonnen UCO, die in der EU raffiniert wurden, stammen aus Asien. Dabei hat sich Malaysia als Drehscheibe für den Handel etabliert. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/biodiesel-bubbles-biofuel-vegetable-oil-yellow-748679425" target="_blank" rel="noopener">venars.original / Shutterstock.com</a>]

Laut einer neuen Studie wurde mehr malaysisches Altspeiseöl (UCO) nach Großbritannien und Irland exportiert als im Land gesammelt wurde. Dies lässt befürchten, dass verbotene Substanzen auf betrügerische Weise als wertvoller Biokraftstoff-Rohstoff verkauft wurden.

In Malaysia werden jährlich 48-71 Kilotonnen UCO gesammelt, was etwa 70 Millionen Litern entspricht. Dies geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie des Internationalen Rates für sauberen Verkehr (International Council for Clean Transportation, ICCT) hervor, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in den USA.

Daten der britischen und irischen Behörden zeigen jedoch, dass allein im Jahr 2020 etwa 151 Millionen Liter UCO aus Malaysia in das Vereinigte Königreich und nach Irland exportiert wurden.

Die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf umweltfreundlichere Alternativen hat die Nachfrage nach UCO in den letzten Jahren enorm ansteigen lassen. Solche Altöle können zu Biodiesel verarbeitet werden, der als umweltfreundlicherer Ersatz für gewöhnlichen fossilen Diesel dient.

Etwa 1,5 Millionen Tonnen der insgesamt 2,8 Millionen Tonnen UCO, die in der EU raffiniert wurden, stammen aus Asien. Dabei hat sich Malaysia als Drehscheibe für den Handel etabliert.

Umweltschützer:innen haben die Qualität des aus einigen asiatischen Ländern importierten UCO infrage gestellt. Sie vermuten, dass Palmöl – das in der EU wegen des Zusammenhangs mit der Abholzung von Wäldern verboten ist, zugemischt wird, um die Produktionsmengen künstlich zu erhöhen.

Die jüngste Auswertung der Daten aus Großbritannien und Irland, die sich auf in Malaysia gesammelte UCO beziehen anstatt auf Produkte, die das Land im Transit durchqueren, führte zu scharfer Kritik am derzeitigen Importsystem. Die Analyse wurde von Farm Europe, einem landwirtschaftlichen Think Tank mit Sitz in Brüssel, durchgeführt.

„Die Diskrepanz kann nur auf eines zurückzuführen sein: Betrug, denn der Unterschied wird mit Palmöl kompensiert“, sagte Joao Pacheco von Farm Europe. „Wenn es sich um echtes UCO handeln würde, wäre das in Ordnung, denn es würde eine Kreislaufwirtschaft fördern und die Treibhausgasemissionen reduzieren. Aber wenn es sich um Palmöl handelt, das in betrügerischer Weise als UCO getarnt ist, haben wir ein Problem“, sagte er gegenüber EURACTIV.

Pacheco kritisierte die Reaktion der Europäischen Kommission auf den Betrugsverdacht bei der Einfuhr von Altspeisöle und behauptete, die EU-Exekutive sei nicht bereit, das Problem in Angriff zu nehmen.

Der Senior Fellow von Farm Europe wies auf die jüngste Entscheidung der EU-Bürgerbeauftragten hin, die die EU-Exekutive beschuldigt, sich geweigert zu haben, Informationen über die Herkunft der in die EU importierten UCO herauszugeben, obwohl sie laut Gesetz dazu verpflichtet ist.

Betrug

Chelsea Baldino, Mitverfasserin des ICCT-Berichts über UCO-Importe aus Asien, betonte, dass es aufgrund des Handels zwischen asiatischen Ländern und des Mangels an zuverlässigen EU-Aufzeichnungen über Importe schwierig sei, UCO zurückzuverfolgen. Sie räumte jedoch ein, dass Betrug eine mögliche Antwort auf diese Lücke sei.

Die ICCT-Studie, die auf den von den Ländern selbst über UN Comtrade gemeldeten Daten für das Jahr 2019 basierte, stellte Diskrepanzen fest.

„Im Jahr 2019 meldete Malaysia 12 Kilotonnen (etwa 13,2 Millionen Liter) UCO für den Export in das Vereinigte Königreich, während Grossbritanien angab, 66 Kilotonnen (etwa 72,6 Millionen Liter) aus Malaysia importiert zu haben, wobei beide Daten über UN Comtrade gemeldet wurden. Wir wissen nicht, warum dies der Fall ist“, sagte Baldino gegenüber EURACTIV.

„Die Gesamtausfuhrmenge in Malaysia beträgt 321 Kilotonnen (rund 353 Millionen Liter), wir schätzen jedoch, dass die Gesamteinfuhr und -abholung maximal 279 Kilotonnen (rund 307 Millionen Liter) beträgt – daher die ‚Diskrepanz‘, die wir sehen, was darauf hindeutet, dass hier Betrug definitiv möglich ist“, fügte sie hinzu.

Baldino argumentiert, dass das Betrugspotenzial die EU zwingt, eine strenge Obergrenze von 1,7 Prozent in der Richtlinie für erneuerbare Energien festzulegen, die strikt angewendet wird. Die aktuelle Richtlinie enthält zwar eine Obergrenze von 1,7 Prozent, dennoch können die Mitgliedsstaaten beantragen, über diesen Wert hinauszugehen.

ICCT fordert außerdem die Ausweitung der Obergrenze von 1,7 Prozent für UCO auf die EU-Vorschriften für grüne Kraftstoffe im Luft- und Seeverkehr.

„Angeklagt und verurteilt“

Das European Biodiesel Board (EBB), ein Branchenverband, der unter anderem UCO-Importeure vertritt, erklärte gegenüber EURACTIV, dass jeder Betrugsfall strafrechtlich verfolgt und die Schuldigen verurteilt werden sollten.

Betrugsfälle untergraben das Vertrauen in die Branche, sodass legitime Unternehmen, die UCO importieren, Bemühungen für mehr Transparenz und Durchsetzung nachdrücklich unterstützen, sagte André Paula Santos, Kommunikationsberater beim EBB.

Anstatt jedoch, wie vom ICCT vorgeschlagen, eine harte Obergrenze von 1,7% für Altbiodiesel einzuführen, argumentierte Santos, dass die von der EU vorgeschlagene Biokraftstoffdatenbank das Problem mit der Nachverfolgbarkeit lösen wird.

„Eine ordentliche Datenbank ist das richtige Instrument, um diese Bedenken im Hinblick auf Betrug zu zerstreuen“, sagte Santos. „Eine Obergrenze beschränkt zwar die Menge, aber sie stellt nicht sicher, dass das, was unter die Obergrenze fällt, auch wirklich nachhaltig ist und das, was außerhalb der Obergrenze liegt, nicht“.

Die Datenbank wird voraussichtlich bis Ende 2022 einsatzbereit sein.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]