Blauzungenkrankheit: Betroffene Länder hoffen auf Impfstoff

Die Agrarminister der Niederlande, Deutschlands und Belgiens haben Pharmaunternehmen aufgerufen, angesichts der Ausbreitung der Blauzungenkrankheit rasch einen neuen Impfstoff zu entwickeln.

Euractiv.de
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Normandie,,France,,Avril,2008.,Bluetongue,Vaccination,Campaign,Of,Sheep,By [SHUTTERSTOCK/Leitenberg Photography]

Die Agrarminister der Niederlande, Deutschlands und Belgiens haben Pharmaunternehmen aufgerufen, angesichts der Ausbreitung der Blauzungenkrankheit rasch einen neuen Impfstoff zu entwickeln.

Nach Angaben der niederländischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) wurden seit Anfang September, als der erste Fall der Blauzungenkrankheit in den Niederlanden seit 2009 entdeckt wurde, mehr als 2 600 Fälle der Krankheit in den Niederlanden nachgewiesen.

Mittlerweile hat sich die durch Mücken übertragene Krankheit auf die angrenzenden Regionen Deutschlands und Belgiens ausgeweitet, wo in den letzten Wochen einzelne Fälle gemeldet wurden. Die Krankheit befällt vor allem Schafe und Rinder, aber auch Ziegen, Lamas und Alpakas.

Der Ausbruch habe „tragische Folgen für Tiere und Landwirte“, sagte der geschäftsführende niederländische Landwirtschaftsminister Piet Adema am Montag (23. Oktober) vor Journalisten im Rahmen des Treffens der EU-Agrarminister in Luxemburg.

Die hieraus resultierenden Hygienebeschränkungen dürften laut Adema zudem Auswirkungen auf die Viehexporte des Landes haben.

Die Krankheit verursacht bei den Tieren typischerweise hohes Fieber und eine geschwollene Zunge, die dadurch blau erscheint. Für Schafe ist sie oft tödlich.

„Die Landwirte können nichts tun – sie haben keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren“, warnte er.

Es gibt zwar Impfstoffe für bestimmte Typen der Blauzungenkrankheit, allerdings nicht für den Serotyp 3, der bei den Tieren festgestellt, die von dem jüngsten Ausbruch betroffen sind.

Die drei Minister forderten daher die Pharmaindustrie auf, rasch Impfstoffe für diese Variante zu entwickeln.

Hoffen auf den Impfstoff

Es sei „von großer Bedeutung“, dass sich die Unternehmen „aktiv an der Forschung, Entwicklung und Herstellung von Impfstoffen gegen diesen spezifischen Typ der Blauzungenkrankheit beteiligen“, betonte Adema. Er kündigte an, sich mit Pharmaunternehmen treffen zu wollen, um sein Anliegen vorzubringen.

Während in den Wintermonaten das Risiko einer Übertragung der Blauzungenkrankheit durch Insekten eher gering sei, äußerte der Minister die Hoffnung, dass ein Impfstoff verfügbar sein wird, bevor die Temperaturen im Frühjahr wieder steigen.

Adema stellte jedoch keine finanziellen Anreize für die Entwickler in Aussicht und setzt stattdessen darauf, dass die hohe und weiter steigende Nachfrage die Entwicklung des Impfstoffs attraktiv macht.

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir schlug unterdessen vor, dass die EU die Sache selbst in die Hand nehmen sollte.

„Wir stimmen uns eng mit unseren Nachbarn ab, um unsere Kräfte für die Entwicklung eines Impfstoffs zu bündeln, aber ich denke auch, dass dies eine gute Gelegenheit für eine europäische Forschungsinitiative wäre“, sagte er.

Er erklärte jedoch nicht, woher genau die Mittel kommen sollen.

Die EU stellt im Rahmen ihres Forschungsförderungsprogramms Horizont Europa, aber auch über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) – die sogenannte zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) – Mittel für die Forschung im Bereich der Tiergesundheit bereit.

Auswirkungen auf den Export

Während die Blauzungenkrankheit nicht auf den Menschen übertragbar ist, kann sie laut der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Viehbestände „erheblich schädigen“.

Gleichzeitig können Ausbrüche der Krankheit schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für die Viehzüchter haben, da sie dadurch weniger Tiere oder ihre Produkte verkaufen und exportieren können.

Die Niederlande sowie die betroffenen Regionen in Deutschland und Belgien haben ihren sogenannten „seuchenfreien Status“ verloren, was bedeutet, dass die Tiere geimpft werden müssen, bevor sie exportiert werden dürfen.

Um die Auswirkungen auf die Landwirte abzumildern, forderte der belgische Minister David Clarinval die EU-Kommission und die anderen Mitgliedstaaten zu „mehr Flexibilität auf, damit wir weiterhin unter sicheren Bedingungen exportieren können.“

Derweil betonte Özdemir, dass der aktuelle Ausbruch auch eine Folge des Klimawandels sei, da höhere Temperaturen zu einem Anstieg der Mückenpopulation führten.

„In diesem Sinne ist das eine weitere Bestätigung dafür, dass wir alle unsere Kräfte auf die Bekämpfung der Klimakrise konzentrieren müssen“, sagte er.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]