Bringen Energiegenossenschaften Energieunabhängigkeit?

EU-Beamte nehmen Belgien als Beispiel für genossenschaftliche Energieprojekte. Die EU will die Dekarbonisierung und eine größere Energieunabhängigkeit erreichen. EURACTIV Brüssel berichtet.

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Auch wegen der angespannten EU-Russland-Beziehungen ist Energieaunabhängigkeit ein wichtiges Thema. Foto: Nuon (CC BY-NC 2.0)
Eines der ehrgeizigen Projekte Europas ist die Schaffung einer Energie-Union.

EU-Beamte nehmen Belgien als Beispiel für genossenschaftliche Energieprojekte. Die EU will die Dekarbonisierung und eine größere Energieunabhängigkeit erreichen. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die EU-Kommission und Energieexperten trafen sich letzte Woche in Brüssel anlässlich der EU-Woche für nachhaltige Energie. Aber auch die Ukraine-Krise und die deshalb angespannten EU-Russland-Beziehungen tragen ihren Teil zu den Überlegungen der Europäer bei. Der Konflikt mit dem größten Gaslieferanten bringt das Thema Energieabhängigkeit zurück auf die Tagesordnung. Selbst unter normalen Bedingungen ist der Import von Brennstoffen kostenintensiv. Die Kommission schätzt, dass die EU letztes Jahr eine Milliarde Euro pro Tag für Energieimporte ausgab.

In Belgien, und in vielen Kleinstädten und Dörfern insbesondere in Nordeuropa nehmen die Bewohner die Energieproduktion in die eigene Hand, stellen Investitionsprojekte zusammen, in denen jeder Anteilseigner werden kann. „Das ist eine Gelegenheit für die Bürger. Die [Energie]Produktion kommt in ihre Nähe“, sagt Dirk Vansintjan bei einer Konferenz über dezentralisierte Energiesysteme. Vansintjan koordiniert Ecopower, eine belgische Genossenschaft für erneuerbare Energie. Sie wird teilweise von der EU finanziert und versucht, die Bürger zu Investitionen in erneuerbare Energien zu bewegen. Jeder kann Anteile kaufen und dadurch ein Mitglied des Projekts werden. Bei der letzten Zählung hatte die Genossenschaft beinahe 37.000 Mitglieder, besaß elf Windkraftanlagen, drei Wasserkraftanlagen, eine Biomasseanlage und 270 Solarmodulanlagen.

Sie ist eine von mehr als 2.400 Genossenschaften zur erneuerbaren Energie (REScoops) in ganz Europa. „Wir sehen großes Potenzial in diesem Modell. Es fördert die Akzeptanz“, sagt Adrien Bullier. Er arbeitet für die Exekutivagentur der Kommission für Kleinere und Mittlere Unternehmen (EASME). 

Klimakonferenz in Paris

Die Bürger, die sich in REScoops engagieren, sind zumindest teilweise von dem Wunsch getrieben, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Sie versuchen „ethische Bürger“ zu sein, wie Vansintjan es ausdrückt, und ihre eigene kohlenstoffarme Energie zu produzieren. 

Die Kommission schlug erst kürzlich eine Reihe von Klima- und Energiezielen für das Jahr 2030 vor, die eine Einsparung der Kohlenstoffemissionen von 40 Prozent im Vergleich zum Niveau der Neunzigerjahre und ein 27-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien beinhalten. Brüssel verspricht auch, die Emissionen um 80-95 Prozent bis 2050 einzudämmen. „Die EU-Kommission steht einer gemeinschaftlichen Energiepolitik tatsächlich sehr positiv gegenüber, insbesondere, weil solche Initiativen für gewöhnlich auf erneuerbarer Energie beruhen und uns deshalb dabei helfen, unsere Ziele bei den erneuerbaren Energien (RES) und bei den Treibhausgasen (GHG)“, sagt Sabine Berger, Sprecherin des Energiekommissars Günther Oettinger.

Nächstes Jahr werden sich die Regierungen in Paris zur UN-Klimakonferenz treffen, mit dem Ziel ein gesetzlich verbindliches Klimaabkommen zu erreichen. Ziel der Konferenz ist ein Abkommen, das die Emissionsniveaus so eindämmt, dass die Temperatur weltweit nicht mehr als zwei Grad Celsius steigt. „Gemeinschaftsenergie sollte als eine wichtige Strategie gegen den Klimawandel verstanden werden, und auch als lokale, soziale und wirtschaftliche Entwicklung“, sagt Josh Roberts, ein auf Umweltrecht spezialisierter Anwalt bei ClientEarth.

Momentan stellt sich die Situation für Bürger, die genossenschaftliche Projekte starten wollen, noch schwierig dar. Es gibt unterschiedliche Regeln in den EU-Ländern, behördliche und finanzielle Hürden. Die Energiemärkte werden außerdem oft von einigen wenigen großen Akteuren dominiert. Vansintjan sagt: „Erneuerbare-Energie-Projekte können finanziert werden, aber in bestimmten Ländern ist es einfacher als in anderen.“