Bulgarien auf dem Weg zum Kohleausstieg: Solarstrom verdoppelt sich

Die bulgarischen Kohlekraftwerke haben im letzten Jahr ihre Stromerzeugung halbiert, während die Solaranlagen ihre Produktion um 141 Prozent gesteigert haben. Bulgarien plant, 2038 aus dem Kohlestrom auszusteigen. Davon wären knapp 100.000 Beschäftigte der Kohleindustrie betroffen.

EURACTIV.bg
shutterstock_1625201302-e1711516236467-800×450
Obwohl dieser Rückgang der Kohleverstromung zu einem Rückgang der Stromerzeugung um 21 Prozent führte, wurde dies durch einen enormen Anstieg der Stromerzeugung aus Solarkraftwerken ausgeglichen. Diese stieg um 141 Prozent. [Shutterstock/Todor Stoyanov]

Die bulgarischen Kohlekraftwerke haben im letzten Jahr ihre Stromerzeugung halbiert, während die Solaranlagen ihre Produktion um 141 Prozent gesteigert haben. Bulgarien plant, 2038 aus dem Kohlestrom auszusteigen. Davon wären knapp 100.000 Beschäftigte der Kohleindustrie betroffen.

Bulgarien plant, sein letztes Kohlekraftwerk im Jahr 2038 zu schließen. Die Kraftwerke werden dann für das letzte Jahrzehnt ihres Bestehens als Reservekapazität eingesetzt werden.

Wie die Proteste der Bergarbeitergewerkschaften im September letzten Jahres deutlich machten, wird dies jedoch die Zukunft von fast 100.000 Bulgaren betreffen, die direkt und indirekt in der Kohlekraftindustrie des Landes beschäftigt sind. Dies erklärte der größte Gewerkschaftsverband, der Bund der unabhängigen Gewerkschaften Bulgariens (CITUB).

Obwohl der vollständige Ausstieg aus der Kohleverstromung in mehr als einem Jahrzehnt bevorsteht, deuten die Daten der Energieregulierungsbehörde bereits auf einen Rückgang der kohlebasierten Stromerzeugung hin.

Während der Energiekrise 2022 erwies sich die bulgarische Kohlekraft als entscheidend, um die Energiesysteme der Nachbarländer am Laufen zu halten. So konnte Bulgarien in dem Jahr Strom im Wert von drei Milliarden Euro verkaufen und wurde zum zweitgrößten Exporteur der EU nach Schweden. 2023 sank die Stromerzeugung aus Braunkohle um 46 Prozent.

Obwohl dieser Rückgang der Kohleverstromung zu einem Rückgang der Stromerzeugung um 21 Prozent führte, wurde dies durch einen enormen Anstieg der Stromerzeugung aus Solarkraftwerken ausgeglichen. Diese stieg um 141 Prozent.

Aus den Daten der Energieregulierungsbehörde geht auch hervor, dass die Stabilität der Gas- und Strompreise im Jahr 2023 der Kohleverstromung schaden dürfte. Letztere wird für die staatseigene Bulgarian Energy Holding aufgrund der nicht wettbewerbsfähigen Preise erneut zu einem Problem.

All diese Veränderungen auf dem Energiemarkt haben gravierende Auswirkungen auf die Struktur der Stromerzeugung in Bulgarien. Im Jahr 2023 war die größte Stromquelle in Bulgarien das Atomkraftwerk Kozloduy mit einem Anteil von 43 Prozent am heimischen Markt, thermische Kraftwerke mit 29 Prozent und erneuerbare Energien mit 28 Prozent.

Im Krisenjahr 2022 wurde mehr als 50 Prozent des bulgarischen Stroms aus Kohle erzeugt.

Der ärmste Staat der EU erwartet 1,2 Milliarden Euro aus dem Just Transition Mechanismus, um den Strukturwandel in den Kohleregionen zu bewältigen. Mindestens zwei weitere Milliarden Euro sollen aus dem Konjunkturprogramm für Energieprojekte in den Bereichen erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Wasserstofferzeugung bereitgestellt werden.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]