Bulgarien: Sowjetdenkmal soll nach jahrelanger Debatte entfernt werden
Ein großes Denkmal für die Sowjetarmee in Sofia soll nach jahrelangem Widerstand der Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Bojko Borissow (GERB) endlich entfernt werden.
Ein großes Denkmal für die Sowjetarmee in Sofia soll nach jahrelangem Widerstand der Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Bojko Borissow (GERB) endlich entfernt werden.
Die pro-europäische Koalition namens „Demokratisches Bulgarien“ hat dem Rat von Sofia bereits vor drei Jahren einen Vorschlag zur Entfernung des Denkmals unterbreitet. Dieser wurde nun in die Tagesordnung eines der Ratsausschüsse aufgenommen und wird wahrscheinlich auf der für Donnerstag anberaumten Ratssitzung diskutiert werden.
Dem Vorschlag des Demokratischen Bulgariens zufolge soll die Bürgermeisterin von Sofia, Jordanka Fandakowa, den Staat bitten, das Denkmal auf ein staatliches Grundstück außerhalb des Stadtzentrums zu verlegen.
„Das Denkmal wurde zu Propagandazwecken errichtet, damit es sich an einem zentralen Ort befindet, an dem man ständig vorbeigeht. Heutzutage ist dieses Propagandaziel weggefallen und damit auch die Notwendigkeit seines zentralen Standorts, mit dem es alle bulgarischen Institutionen dominiert“, heißt es in dem Antrag, in dem auch darauf hingewiesen wird, wie gefährlich das Denkmal für Passanten ist.
In dem Vorschlag heißt es auch, dass das Denkmal in keinem Zusammenhang mit einem historischen Ereignis steht.
Die Sowjetunion erklärte Bulgarien am 5. September 1944 den Krieg und marschierte am 8. September 1944 in das bulgarische Staatsgebiet ein. Die Besetzung dauerte bis 1947 und kostete Bulgarien 82 Milliarden BGN an Verlusten an Rohstoffen und landwirtschaftlicher Produktion.
„In diesem Sinne ist dieses Denkmal, das die Armee, die unser Land besetzte, als ‚Befreier‘ bezeichnet, irreführend für die junge Generation, die diese Zeit nicht miterlebt und nicht in der Schule gelernt hat“, heißt es in dem Bericht von Demokratisches Bulgarien.
Borissovs Partei hat sich zwar geweigert, den vor drei Jahren eingereichten Vorschlag zu berücksichtigen, doch letzte Woche sprach sich Borissov plötzlich für die Demontage des Denkmals aus.
Er forderte die sofortige Entfernung der Inschrift von dem Denkmal, die von einem Bürger aus Protest gegen die russische Aggression in der Ukraine zerbrochen worden war. Einige Stunden später gab Fandakova bekannt, dass ein Ausschuss die Inschrift als gefährlich eingestuft habe und sie entfernt werde.
Zuvor hatte Borissow erklärt, die Stadträte der GERB in Sofia würden sich der Initiative des Demokratischen Bulgariens zur Demontage des Denkmals anschließen.
Dem Stadtrat liegt ein Beschluss aus dem Jahr 1993 vor, das Denkmal zu entfernen, der bisher nicht umgesetzt wurde.
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine ist das Denkmal zu einem Ort für Antikriegsproteste geworden.