Bulgarien und Nordmazedonien erzielen Kompromiss in Geschichtsstreit
In einem weiteren Schritt zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien hat eine gemeinsame Kommission aus Sofia und Skopje einen Kompromiss darüber erzielt, wie historische Persönlichkeiten zu bezeichnen sind und wie sie gemeinsam gefeiert werden sollen.
In einem weiteren Schritt zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien hat eine gemeinsame Kommission aus Sofia und Skopje einen Kompromiss darüber erzielt, wie historische Persönlichkeiten zu beschreiben sind und wie sie gemeinsam gefeiert werden sollen. EURACTIV Bulgarien berichtet.
Laut den von beiden Seiten angenommenen „Empfehlungen“, die auf der Website des nordmazedonischen Außenministeriums veröffentlicht wurden, wurde ein wichtiger Durchbruch bei der Beschreibung von König Samuel (Zar Samuil) erzielt, der von 997 bis 1014 regierte.
Die gemeinsame Kommission erklärte König Samuel zum „Herrscher eines großen mittelalterlichen Staates, den die Mehrheit der modernen Geschichtswissenschaft als das bulgarische Königreich mit seinem Zentrum auf dem Gebiet der heutigen Republik Nordmazedonien ansieht.“
Damit kann die Frage, ob König Samuel ein bulgarischer oder ein mazedonischer König ist, als geklärt gelten, wobei die gewählte Formulierung den Behörden in Skopje entgegenkommt.
„Die gemeinsame Kommission schlägt den beiden Regierungen im Geiste des unterzeichneten bilateralen Abkommens vor, dass die Feierlichkeiten zu Ehren König Samuels ein Zeichen gemeinsamer Werte, wahrer Nachbarschaft und Freundschaft sind“, heißt es in der Empfehlung der Historikerkommission.
Mit dem bilateralen Abkommen von 2017 wurde die gemeinsame Historikerkommission zur Klärung von historischen Streitigkeiten eingerichtet. In den letzten zwei Jahren konnte diese Kommission jedoch keine Formulierung für Ereignisse des Mittelalters finden, was wenig Hoffnung für die Lösung der wesentlich heikleren Beschreibungen der jüngeren Geschichte macht.
Nun hat die Kommission eine Reihe von Empfehlungen für Änderungen in den Geschichtslehrbüchern der beiden Länder vorgelegt.
Demnach stellen Behauptungen in nordmazedonischen Schulbüchern der 6. Klasse über die Kontinuität zwischen dem antiken und dem modernen mazedonischen Staat einen historischen Anachronismus dar.
„Die Vorschläge zur institutionellen Kontinuität zwischen der Mission des Apostels Paulus und den mittelalterlichen kirchlichen Strukturen, die auf dem heutigen Gebiet der Republik Nordmazedonien existierten, sind unbegründet. Historische Karten des antiken mazedonischen Staates sind präziser, wenn sie aus dem jeweiligen Zeitraum stammen“, heißt es in den Empfehlungen der Kommission.
Es gibt auch Empfehlungen für Änderungen in den bulgarischen Schulbüchern für die 5. Klasse. So wird empfohlen, Ausdrücke wie „das heutige Bulgarien“ oder „das Gebiet des modernen Bulgariens“ anstelle des allgemeinen Begriffs „bulgarisches Land“ im historischen Kontext zu verwenden. Außerdem wird die Verwendung historischer Karten in Übereinstimmung mit dem historischen Kontext und den methodischen Zielen empfohlen.
Die Lösung des Streits um die Brüder Kyrill und Method, die Schöpfer des kyrillischen Alphabets, liegt darin anzuerkennen, dass „ihr Werk in den literarischen Zentren Preslav und Ohrid entwickelt wurde, die damals auf dem Gebiet des mittelalterlichen bulgarischen Staates lagen.“ Dies ist ein Grund für die beiden Länder, den 24. Mai gemeinsam als Tag der Heiligen Kyrill und Method zu begehen.
Die Empfehlungen betreffen auch Clemens und Naum von Ohrid, die Schüler von Kyrill und Method.
Es heißt, dass der heilige Clemens von Ohrid nach seiner Großmährischen Mission vom „mittelalterlichen bulgarischen Staat beauftragt wurde und 886 von Fürst Boris-Mikhail in die Region Kutmichevica gesandt wurde, wo er die Gründung der Literaturschule von Ohrid veranlasste.“ Es besteht auch Einigkeit darüber, dass Clemens von Ohrid im Jahr 893 auf Anordnung des bulgarischen Königs Simeon zum Bischof von Veles geweiht wurde.
Historiker:innen stellen fest, dass „der heilige Naum von Ohrid nach der Großmährischen Mission im mittelalterlichen Bulgarien ankam. Er ist einer der Begründer der Pliska-Preslaw-Buchschule. Um 893 wurde er von König Simeon nach Ohrid gesandt, wo er die pädagogische Tätigkeit des heiligen Clemens fortsetzte.“
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]