Bulgarische Armee durch pro-russische Desinformation geschwächt

Die ständige Kriegsangst in der bulgarischen Gesellschaft, die vor allem durch pro-russische Desinformationen geschürt werde, beeinträchtige allmählich die Kampffähigkeit der Armee, warnte Bulgariens Verteidigungsministers Todor Tagarev am Mittwoch. 

EURACTIV.bg
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Tatsächlich sind seit Beginn des Krieges in der Ukraine die Bewerbungen an Militärakademien um 35 Prozent und die Zahl der Kadetten um 45 Prozent zurückgegangen, wie aus einer Analyse des Verteidigungsministeriums hervorgeht, das für die nächsten vier Jahre einen großen Mangel an Offizieren in der Armee voraussagt. [Shutterstock/Iliev75]

Die ständige Kriegsangst in der bulgarischen Gesellschaft, die vor allem durch pro-russische Desinformationen geschürt werde, beeinträchtige allmählich die Kampffähigkeit der Armee, warnte Bulgariens Verteidigungsministers Todor Tagarev am Mittwoch. 

Mit seinen Äußerungen reagierte Tagarev auf die Kritik der pro-russischen Oppositionsparteien, der Bulgarische Sozialistische Partei und Vazrazhdane. Beide hatten die Sicherheitspolitik der Regierung während einer Parlamentsdebatte zu einem Misstrauensantrag, den sie gegen die Regierung eingereicht hatten, angeprangert.

Tagarev warf beiden Parteien vor, Desinformationen zu verbreiten, und wies darauf hin, dass dadurch das Interesse junger Menschen an einer Laufbahn in der Armee verringert werde.

Tatsächlich sind seit Beginn des Krieges in der Ukraine die Bewerbungen an Militärakademien um 35 Prozent und die Zahl der Kadetten um 45 Prozent zurückgegangen, wie aus einer Analyse des Verteidigungsministeriums hervorgeht.

Dadurch entstehe für die nächsten vier Jahre einen großen Mangel an Offizieren in der Armee, so das Ministerium.

„Dies ist ein klares Beispiel dafür, dass die Desinformationskampagne der parlamentarischen Parteien die Kampffähigkeiten des Landes verringert“, sagte Tagarev.

Er verwies auf eine kursierende Desinformation, dass die NATO-Mitgliedschaft und die militärische Hilfe für die Ukraine Bulgarien in einen direkten militärischen Konflikt mit Russland bringen würde.

Solche Behauptungen standen im Mittelpunkt der Wahlkampagne von Vazrazhdane im Frühjahr, als die Partei mit 16 Prozent der Stimmen als drittstärkste politische Kraft des Landes hervorging. Tagarev behauptete, dass der Vazrazhdane-Chef Kostadin Kostadinov immer noch versuche, derlei Darstellungen zu verbreiten.

Tagarev verwies auch auf die ähnliche Rhetorik von Vertretern der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP), insbesondere im vergangenen Jahr. 

Die Rekrutierung von Militärangehörigen, die aufgrund der niedrigen Bezahlung, der Anforderungen an die körperliche Fitness und der Verlegung in eine Stadt in der Nähe der Militäreinheit ohnehin schon schwierig ist, ist seit letztem Jahr noch schwieriger geworden, da derzeit 6.000 offene Stellen zu besetzen sind. 

Zu den Bedenken hinsichtlich der bulgarischen Militärhilfe für die Ukraine sagte Tagarev, dass Bulgarien dem Opfer einer unprovozierten Aggression Hilfe leiste. „Indem die Ukraine sich selbst schützt, schützt sie Europa vor dem Kreml. Wenn die Ukraine verliert, sollten Sie bereit sein, die Mittel, die Bulgarien für die Verteidigung bereitstellt, mindestens zu verdoppeln“, fügte er hinzu.

Die BSP-Vorsitzende Kornelia Ninova bezeichnete Tagarevs Äußerungen gegen sie und ihre Partei als „Witz“ und sagte, sie habe lediglich zu Friedensgesprächen aufgerufen und zu einer neutralen Haltung in dem, wie sie sagt, „Konflikt in der Ukraine“ appelliert.

Kostadinov selbst reagierte aggressiver und wiederholte den Spitznamen „Tagerenko“, den seine Partei und seine Anhänger seit Beginn seiner Amtszeit für Tagarev geprägt haben, und bezog sich dabei insbesondere auf die Hilfe, die Bulgarien der Ukraine zukommen lässt.

„Sie gehören ins Gefängnis, Tagarenko“, sagte Kostadinov und fügte hinzu, dass „alles, was Sie sagen, eine Lüge ist“ – ohne zu erklären, worin diese Lügen bestehen.

Kostadinov sprach nicht viel über die Ukraine und Desinformation, sondern konzentrierte sich auf die Tatsache, dass Kadetten an der Militärakademie in Sofia 6 Euro pro Tag für Essen erhalten, da die Kantine nicht funktionsfähig ist.

Derweil verteidigte Ivaylo Mirchev (PP-DB) die bulgarische Militärhilfe für die Ukraine.

„Der Gesamtwert der gespendeten Güter ist so viel wert wie mehrere Kilometer Autobahn. Außerdem werden wir es von der Europäischen Union zurückbekommen“, sagte Mirchev.

In der Zwischenzeit erinnerte Tagarev daran, dass die Armee bis 2024 über ein Budget verfügen werde, das sogar über die Pläne hinausgehe, das Zwei-Prozent-Ziel der NATO zu erreichen.