Bundesregierung stellt zusätzliche Mittel für Tech-Start-ups bereit

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) teilte am Mittwoch (7. Februar) mit, dass 1,75 Milliarden Euro in deutsche Start-ups investiert werden sollen. Experten bemängeln, dass dies nicht genug ist, um die Voraussetzungen für globale Tech-Champions “made in Germany” zu schaffen.

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[Olivier Le Moal / Shutterstock]

Die Bundesregierung will deutsche Tech-Start-Ups mit 1,75 Milliarden Euro unterstützen. International ist Deutschland in dem Bereich aber weit abgehängt, weshalb die Gelder laut Experten eher einem Tropfen auf dem heißen Stein gleichen würden.

Die Mittel von rund 1,75 Milliarden Euro gehen an Start-ups im Bereich der Künstliche Intelligenz, Klima-, Quanten- oder Biotechnologie, um deutsche Hightech-Unternehmen zu stärken.

„Mit Mitteln aus dem Zukunftsfonds wollen wir jungen Unternehmen in Deutschland helfen, sich auf dem Weltmarkt zu etablieren“, erklärte Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz.

„Zu den 1,75 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln, die wir investieren, kommt mindestens der gleiche Betrag an privaten Mitteln hinzu“, fügte Habeck hinzu. Das Gesamtvolumen an öffentlichen und privaten Mitteln beläuft sich damit auf ungefähr 3,5 Milliarden Euro.

Um zusätzliche Investitionen anzulocken, will die Bundesregierung zudem die Bürokratie weiter abzubauen, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Maßnahmen setzen, um für Fachkräfte attraktiver zu werden.

„Wir können mehr Kapital mobilisieren, wenn wir als Wirtschaftsstandort insgesamt attraktiver werden“, sagte Florian Toncar (FDP), Staatssekretär im Finanzministerium in einer Pressemitteilung.

Derzeit hängt Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten in der Finanzierung von Start-ups deutlich hinterher. Deshalb fordern Banchenverbände weitere Mittel.

„Trotz dieser positiven Maßnahmen ist Deutschland in Sachen Startup-Finanzierung immer noch schwächer aufgestellt als vergleichbare europäische Standorte“, sagte Christoph Stresing, Geschäftsführer des Startup-Verbandes in einer Pressemitteilung.

Finanzierungsproblem in Deutschland

Deutschland hängt im Finanzierungsvergleich von Start-ups hinterher, insbesondere wenn es um die Verfügbarkeit von Wagniskapital geht.

Statistiken des Startup-Verbandes zeigen, dass Frankreich letztes Jahr pro Kopf 107 Euro in Start-ups insgesamt investiert hat. In Deutschland waren es dagegen nur rund 85 Euro pro Kopf.

Im Vergleich zum Vorjahr, hat die Startup-Finanzierung in Deutschland als auch in Frankreich abgenommen. In 2022 belief sich die Finanzierung pro Kopf auf 135 Euro in Deutschland und auf 223 Euro in Frankreich.

„Das Geld ist grundsätzlich ‚da‘, es muss aber auch zukunftsorientiert investiert werden. Dafür müssen wir mehr Kapital von institutionellen Investoren mobilisieren. Andernfalls verlieren wir mittelfristig unsere Relevanz als Innovationsstandort“, so Stresing.

Großbritannien oder die USA spielen dagegen in einer ganz anderen Liga, teilte der Startup-Verband mit. In 2022 investierte Großbritannien 438 Euro pro Kopf in Start-ups und die USA 691 Euro pro Kopf.

„Hier haben wir gegenüber den führenden Startup-Regionen der Welt wie den USA und China noch einen weiten Weg vor uns“, so Lüdtke.

Lüdtke wünscht sich bei den vorgestellten Maßnahmen der Bundesregierung einen noch stärkeren Fokus auf einen effizienten privaten Kapitalmarkt in der EU für Risikokapital und die öffentliche Hand als „ersten Kundin“ vielversprechender innovativer Technologie-Startups.

Auch Experten sehen die Möglichkeiten durch die zusätzlichen Gelder des Bundes eher begrenzt. 

Zwar seien die neuen Kapitalmaßnahmen an sich begrüßenswert, „gleichzeitig bin ich jedoch sehr skeptisch, ob staatliche oder europäische Mittel die richtige und die wichtigste Antwort auf mangelnde Liquidität für private Startup-Investitionen in Europa sind“, so Jan-Paul Lüdtke, Co-Gründer der smart impact GmbH und Studiengangsleiter für E-Commerce an der Fachhochschule Wedel gegenüber Euractiv.

Investitionen im Detail

Mit 1,6 Milliarden Euro kommt der größte Teil des Fördertopfes aus dem sogenannten Zukunftsfonds.

Der Zukunftsfonds wurde 2021 geschaffen, um die Finanzierung durch ein Sondervermögen aus dem European Recovery Program (ERP). Der Fond beläuft sich auf ein Volumen von 10 Milliarden Euro und hat zum Zweck, die Finanzierungsbedingungen für technologieorientierte Start-ups, vor allem in der Wachstumsphase zu stärken.

850 Millionen Euro sollen durch Direktinvestitionen in junge Tech-Start-ups investiert werden, damit diese sich „auf dem Weltmarkt behaupten können“, heißt es vom BMWK. Die Mittel stammen vom Fondinvestment-Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Capital und privaten Venture-Capital-Fonds.

„Der Fokus mit einem Investitionsvolumen von 850 Millionen Euro auf KI, Klima-, Quanten- und Biotechnologie ist konsequent und trägt dem großen Potential Deutschlands mit seiner Forschungsstärke Rechnung. Das Kapital wird dort dringend benötigt“, erklärte Stresing.

Weitere 500 Millionen Euro sind als deutscher Beitrag zur Stärkung europäischer Tech-Champions vorgesehen. So soll verhindert werden, dass erfolgreiche deutsche und europäische Start-ups nicht in außereuropäische Märkte ausweichen müssen.

(Bearbeitet von Oliver Noyan)