COP24: Wer zahlt für Klimaschäden?

Die Staaten der Erde sind sich nach wie vor nicht einig, wie ein Finanzierungsmechanismus für von extremen Wetterereignissen betroffene Entwicklungsländer bereitgestellt werden kann.

EURACTIV.com
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Hurrikan Matthew über Haiti, am 5. Oktober 2016. [<a href="https://www.flickr.com/photos/gsfc/30024169472/in/photolist-MK8Hym-MSZtge" target="_blank" rel="noopener">[NASA/Flickr]</a>]

In Katowice sind die Staaten der Erde sich nach wie vor nicht einig, wie ein leicht zugänglicher Finanzierungsmechanismus für von extremen Wetterereignissen betroffene Entwicklungsländer bereitgestellt werden kann.

Das Thema „Verluste und Schäden durch den Klimawandel“ entwickelt sich zu einem der am intensivsten debattierten Programmpunkte auf der Klimakonferenz in Katowice, so Reinhard Mechler, stellvertretender Direktor des Forschungsprogramms „Risiken und Widerstandskraft“ am International Institute for Applied Systems Analysis.

„In diesem Stadium der Verhandlungen ist absolut nichts klar,“ sagte er gegenüber EURACTIV.

Tatsächlich gilt „Verluste und Schäden“ als ein Dauerbrenner in den globalen Klimagesprächen – und als Punkt, bei dem sich die Ansichten der reichen und der armen Länder der Welt am deutlichsten voneinander unterscheiden.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Länder, deren Wirtschaft zu anfällig ist, um mit den Folgen des Klimawandels Schritt zu halten, finanziell unterstützt werden können. Oder anders gesagt: Wie die bereits entstandenen und unumkehrbaren Verluste und Schäden auszugleichen sind.

Eine der unterschiedlichen Finanzstrukturen, die rund um das Thema diskutiert werden, ist die Idee, Klimaversicherungen einzurichten, erklärt Colin McQuistan, Senior Adviser für Klimawandel und Katastrophenvorsorge bei Practical Action, einer Entwicklungsorganisation mit Sitz in Großbritannien.

„Die Frage ist aber, wie gefährdete Menschen es sich leisten sollen, Beiträge für derartige Versicherungen zu zahlen,“ mahnt auch er.

Klimaschäden sind Teil des Pariser Abkommens

Auf der COP21 im Jahr 2015 hatten die Entwicklungsländer erfolgreich darum gekämpft, „Verluste und Schäden“ als eigenständigen Punkt in das Pariser Abkommen zu integrieren (in Artikel 8 des Textes).

Artikel 8 befasst sich mit konkreten Möglichkeiten der vereinfachten Zusammenarbeit zwischen Entwicklungs- und Industrieländern, beispielsweise bei Themen wie Frühwarnsysteme, Notfallvorsorge, umfassende Risikobewertung und -management oder Risikoversicherungen, Klimarisiko-Pooling und „andere Versicherungslösungen“.

In Katowice versuchen die Entwicklungsländer nun zu verhindern, dass das Themenfeld „Verluste und Schäden“ mit dem Punkt „Anpassung“ an den Klimawandel verschmolzen wird. „Verluste und Schäden müssen im gesamten Pariser Regelwerk separat ausgewiesen werden: in Finanzfragen, in der Rechnungslegung, bei der Transparenz und bei der globalen Erfassung [von Klimaschäden],“ fordert Saleemul Huq vom Internationalen Institut für Umwelt und Entwicklung.

„Auf der COP24 ist die Hauptaufgabe nun, ein bindendes Regelwerk für das Pariser Abkommen zu schaffen. Dabei werden Maßnahmen, Berichterstattung und Überprüfung zu allen Verhandlungspunkten diskutiert,“, fährt er fort.

Für die meisten Entwicklungsländern gehe es nun darum, „Verluste und Schäden“ in jeden einzelnen der Verhandlungspunkte aufzunehmen, so Huq.

Er erklärt: „Man kann nicht über Transparenz ohne das Thema „Verluste und Schäden“ sprechen; man kann nicht über Finanzen ohne Verluste und Schäden sprechen; und man kann nicht über Minderung und Anpassung [an den Klimawandel] sprechen, ohne die bereits entstandenen und zu erwartenden Verluste und Schäden anzusprechen.“

Widerstand der USA und Europas

Die USA und Europa hätten sich bisher hingegen „geweigert, beim Thema Finanzierung über Verluste und Klimaschäden zu sprechen. Sie argumentieren, dass sich die Frage der finanziellen Unterstützung lediglich auf Minderung und Anpassung an den Klimawandel konzentrieren sollte,“ berichtet Huq.

Das Thema wird aktuell von den zuständigen Ministern diskutiert, die gestern für den hochrangig besetzten Teil der COP24 in Katowice eingetroffen sind.

Marie-Lena Hutfils, Politikberaterin für Klimarisikomanagement bei der deutschen NGO Germanwatch, wertet die bisherige Haltung der Industriestaaten ebenfalls als schlechtes Zeichen. „Damit leugnet man die Lebensrealität in gefährdeten Länder, die bereits mit den schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sind. Diese Auswirkungen gehen schon heute über ihre Anpassungsfähigkeit hinaus,“ sagt sie.

Hutfils fügt hinzu: „Die Risiken zukünftiger klimabedingter Verluste und Schäden für besonders gefährdete Menschen und Gemeinschaften sind viel zu groß, um das Thema „Verluste und Schäden“ hier [in den Klimaverhandlungen] einfach nur als Verhandlungsmasse zu behandeln und zu nutzen.“