UN: Erstmals sinkende Emissionen - aber zu langsam
Der prognostizierte Emissionsrückgang von zehn Prozent bis 2035 reicht nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.
Regierungen weltweit wollen in den kommenden zehn Jahren ihre Klimaziele verschärfen und damit erstmals in der Geschichte einen Rückgang der globalen Emissionen erreichen. Das teilte das Klimasekretariat der Vereinten Nationen am Dienstag mit. Allerdings reicht das Tempo nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen.
Laut Generalsekretär für das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), Simon Stiell, sollen die weltweiten Emissionen bis 2035 um rund zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2019 sinken. Das sei „nicht annähernd schnell genug“, um die planetaren Klimagrenzen einzuhalten, warnte Stiell.
Um die schlimmsten Folgen der Erderwärmung abzuwenden, darf die globale Durchschnittstemperatur nicht um mehr als 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau steigen – das zentrale Ziel des Pariser Abkommens von 2015.
Lücke zu den Klimazielen bleibt groß
Nach UN-Berechnungen müssten die Emissionen bis 2035 um 60 Prozent gegenüber 2019 sinken, um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten. Selbst für die Obergrenze von zwei Grad wäre ein Rückgang von mindestens 35 Prozent nötig.
Die bislang in Aussicht gestellten 10 Prozent liegen damit deutlich unter dem erforderlichen Niveau. Grundlage dieser Prognose ist zudem eine begrenzte Datenbasis – und mindestens eine optimistische Annahme zur Entwicklung in den USA.
Die scheidende Regierung unter US-Präsident Joe Biden hatte zugesagt, die US-Emissionen bis 2035 um mindestens 61 Prozent gegenüber dem Niveau von vor 30 Jahren zu senken. Doch Donald Trump leitete unmittelbar nach Amtsantritt den Ausstieg aus der globalen Klimaschutzarchitektur ein und setzte auf eine Anti-Umwelt-Agenda.
Im Januar tritt der formale Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen in Kraft. Doch nicht nur Washington macht dem UN-Klimasekretariat Sorgen.
Von den knapp 200 Unterzeichnerstaaten des Abkommens haben bis zur verlängerten Frist im September nur rund ein Drittel ihre nationalen Klimapläne offiziell eingereicht. Große Emittenten wie Volksrepublik China und Indien hinken hinterher.
Auch die selbsternannte globale Klimavorreiterin Europäische Union hat ihren überarbeiteten Klimabeitrag (NDC) noch nicht vorgelegt.
Die UN-Prognose eines Rückgangs um zehn Prozent stützt sich auf eingereichte Pläne und politische Ankündigungen, unter anderem von Brüssel und Beijing beim Klimagipfel in New York.
Eine Analyse von 64 fristgerecht eingereichten Klimabeiträgen zeigt: Diese Länder – darunter auch die USA – dürften ihre Emissionen insgesamt um 17 Prozent gegenüber 2019 reduzieren.
Eine umfassendere Bewertung wird erwartet, wenn weitere Staaten ihre Zusagen bis zur nächsten Klimakonferenz einreichen. Die COP30-Verhandlungen beginnen am 10. November in Belém in Brasilien.
Chancen
UN-Klimachef Stiell betonte, die Konferenz müsse zeigen, dass die Weltgemeinschaft bereit sei, die Emissionsminderungen zu beschleunigen und Klimaschutz konkret mit dem Alltag der Menschen zu verbinden – damit alle von den Vorteilen profitieren.
Die Chancen seien „monumental“, sagte er: Klimaschutz werde „zum Motor für Wirtschaftswachstum und Jobs im 21. Jahrhundert“.
„Wir sind noch im Rennen“, so Stiell weiter. „Aber um einen lebenswerten Planeten für alle acht Milliarden Menschen zu sichern, müssen wir das Tempo dringend erhöhen – bei der COP30 und in jedem Jahr danach.“
(rh, jl)