Der Tourismus und die Treibhausgase
Der Tourismussektor steht laut einer Studie für acht Prozent aller CO2-Emissionsn weltweit. Sein ökologischer Fußabdruck könnte aufgrund mangelnder Regulierung noch deutlich größer werden.
Laut einer international angelegten Studie steht der Tourismussektor für acht Prozent aller CO2-Emissionsn weltweit. Sein ökologischer Fußabdruck könnte aufgrund mangelnder oder fehlender Regulierung noch deutlich größer werden. Ein Bericht von EURACTIVs Partner Le Journal de l’environnement.
„Dank“ Billigflügen und Fernreisen zu Discounter-Preisen sind der Tourismus und das Reisen zu Aktivitäten geworden, die für immer höhere Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. Der Trend wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich verstärken, da die Nachfrage nach Tourismusangeboten weiterhin steigt.
Es ist nicht das erste Mal, dass der CO2-Fußabdruck des Tourismus bewertet wird. Im Jahr 2007 schätzte die Welttourismusorganisation (UNWTO) die Menge der durch den Tourismus verursachten Kohlendioxidemissionen auf fünf Prozent der globalen CO2-Ausstöße, was rund 1,3 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr entspricht.
Manfred Lenzen, Physiker an der Universität von Sydney und einer der Autoren der aktuellen Studie, hält die Einschätzungen dieser vorherigen Untersuchung jedoch für unzureichend, da sie lediglich die Kohlenstoffemissionen des Land- und Luftverkehrs berücksichtigt. Die Freisetzung von Methan (beispielsweise im Zusammenhang mit dem Fleischverzehr) und Kältemitteln (FCKW und HFKW, zum Beispiel in Hotels) bleibe hingegen unberücksichtigt.
Alle Treibhausgase und Emissionen berücksichtigen
In einem neuen Bericht, der am 7. Mai im Fachjournal Nature Climate Change veröffentlicht wurde, berechneten der australische Forscher und seine Kollegen daher nicht nur die Emissionen, die Milliarden von Touristen mit ihren Flug-, Bahn- oder Schiffsreisen verursachen, sondern auch die Treibhausgasemissionen aufgrund ihres Aufenthaltsortes (Klimaanlage oder Heizung), was sie aßen (Viehhaltung, die zur Entwaldung beiträgt) sowie die während des Urlaubs getätigten Käufe.
Die Autoren arbeiteten somit mit einem deutlich umfangreicheren Datensatz als die UNWTO. Sie schlossen Methan- und Lachgasemissionen sowie synthetische Gase ein. Diese drei Gas-Gruppen haben ein besonders hohes Treibhauspotenzial (global warming potential, GWP).
So hat eine Tonne des Kühlmittels Fluorkohlenwasserstoff 23 (HFC-23) die gleiche Klimawirkung wie 14.800 Tonnen Kohlendioxid.
Ein Problem: Inlandsflüge
Infolgedessen wurden im Jahr 2013 rund 4,5 Milliarden Tonnen CO2 (GtCO2e/Jahr) durch den Tourismus freigesetzt (gegenüber 3,9 GtCO2e/Jahr in 2009). Das sind acht Prozent aller menschengemachten Treibhausgasemissionen.
Der Studie zufolge tragen US-Amerikaner mit 23 Prozent am meisten zu den durch den Tourismus verursachten Emissionen bei, gefolgt von chinesischen (11 Prozent), deutschen (6 Prozent) und indischen (5,9 Prozent) Reisenden. „Ein großer Teil der CO2-Bilanz und der Emissionen ist auf Inlandsflüge zurückzuführen,“ betonten die Studienautoren.
Sie stellten weiter fest, dass Touristen aus Kanada, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark und Norwegen deutlich mehr im Ausland als beim Urlaub in der Heimat verschmutzen.
Die Studie zeigt außerdem, dass die von Touristen verursachten Emissionen insbesondere den CO2-Fußabdruck einiger entlegener, aber beliebter Reiseländer deutlich erhöhen. So macht der Tourismus auf Mauritius oder auf den Seychellen 30 bis 80 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen aus – eine beunruhigende Tatsache für diese Inselgruppen, die für ihre wirtschaftliche Entwicklung stark vom Tourismus abhängig sind, aber auch die ersten sein werden, die vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sind.
Tourismus – die unendliche Wachstumsgeschichte
Laut der Studie gibt vor allem die Dynamik der Tourismusbranche Anlass zu Besorgnis. In den vergangenen Jahren ist der weltweite Umsatz des Sektors jährlich um vier Prozent gestiegen; ein Tempo, das sich laut Experten vor 2025 auch nicht verlangsamen wird.
Ohne Regulierung (wie z.B. einer Kohlenstoffsteuer) könnten Wirtschaftsaktivitäten im Zusammenhang mit Tourismus und der CO2-Fußabdruck des Sektors in den kommenden sieben Jahren um 30 Prozent zunehmen.