Deutschlands Wirtschaftsboom steigert CO2-Emissionen

Mit der wirtschaftlichen Erholung steigen in Deutschland die klimaschädlichen CO2-Emissionen. Der Jahresbericht der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) zeigt, welches Unternehmen Deutschlands größter "Kohlendioxid-Sünder" ist.

Windräder drehen sich vor dem RWE Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa.
Windräder drehen sich vor dem RWE Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa.

Mit der wirtschaftlichen Erholung steigen in Deutschland die klimaschädlichen CO2-Emissionen. Der Jahresbericht der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) zeigt, welches Unternehmen Deutschlands größter „Kohlendioxid-Sünder“ ist.

Deutschlands emissionshandelspflichtige Anlagen in den Sektoren Industrie und Energieversorgung stießen 2010 rund 454 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus. Das sind sechs Prozent mehr als 2009, also im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht 2010 der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) hervor, die beim Umweltbundesamt angesiedelt ist. Allerdings blieben die Emissionen 2010 noch rund 20 Millionen Tonnen oder vier Prozent unter dem Niveau des Vorkrisen-Jahres 2008. 

‚Spitzenreiter‘ RWE

Die meisten Anlagen und die höchsten Emissionen entfallen auf energiewirtschaftliche Tätigkeiten. Mit durchschnittlich 306.000 Tonnen pro Anlage und Jahr sind die Emissionen in der Energiewirtschaft deutlich höher als in der Industrie (162.000 Tonnen). Insgesamt nimmt der Energiesektor einen Anteil von 79 Prozent der Kohlendioxidemissionen im deutschen Emissionshandel ein.

Der Energieversorger RWE weist mit rund 104 Millionen Tonnen Kohlendioxid die höchsten Gesamtemissionen aller Unternehmen in Deutschland auf, heißt es im sogenannten VET-Bericht ("Verified Emission Table"). Knapp zwei Drittel davon kann RWE gratis ausstoßen, aufgrund kostenlos zugeteilter Emissionsberechtigungen. Die größten Mengen stammen aus den rheinländischen Braunkohlekraftwerken.

Der Energieversoger Vattenfall ist als Betreiber mehrerer großer Braukohlenkraftwerke mit 73 Millionen Tonnen Kohlendioxid der zweitgrößte Emittent.

Rechte bleiben weitgehend kostenlos

Das deutsche Budget umfasst jährlich rund 452 Millionen Emissionsberechtigungen. Davon wurden im Jahr 2010 rund 396 Millionen kostenlos an die Betreiber emissionshandelspflichtiger Anlagen ausgegeben. Weitere 41,1 Millionen Berechtigungen wurden an der Leipziger Energiebörse EEX versteigert.

UBA: Schneller Atomausstieg schadet dem Klima nicht

Ein schneller Atomausstieg schadet nicht dem Klimaschutz, meint der Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth.

Zwar werde in Deutschland mit dem Atommoratorium derzeit mehr Kohle verbrannt, aber das ändere nichts an der europaweiten CO-Obergrenze, sagte Flasbarth Ende April der "Financial Times Deutschland". Die zusätzlichen Emissionen aus deutschen Kraftwerken würden durch den Emissionshandel anderswo ausgeglichen. "Der Atomausstieg schadet dem Klima nicht", sagte Flasbarth.

Zugleich sprach sich der Chef des Umweltbundesamtes dagegen aus, über die im Bau befindlichen Kohlekraftwerke weitere Anlagen dieser Art zu errichten. Nach dem Atomkonsens müsse man damit beginnen, auch den längerfristigen Ausstieg aus der Kohle zu organisieren. Trotz höherer Effizienz stießen neue Kohlekraftwerke noch zu viel CO2 aus. "Und wenn sie erst einmal gebaut sind, werden sie zur politischen Last für die Jahre 2030 bis 2050." Dann müsse man möglicherweise Anlagen vom Markt drängen, die noch nicht amortisiert seien.

Die EU-Kommission hat Anfang März den Fahrplan für eine kohlenstoffarme Wirtschaft bis 2050 vorgelegt. Die Agenda beschreibt den kostengünstigsten Weg zur Verwirklichung des unverbindlichen EU-Ziels, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80-95 Prozent gegenüber 1990 zu senken (EURACTIV.de vom 9. März 2011).

awr mit EURACTIV/rtr

Links

DEHSt: Kohlendioxidemissionen der emissionshandelspflichtigen Anlagen 2010. DEHSt veröffentlicht aktuellen VET-Bericht. (16. Mai 2011)

EU-Kommission: Klimawandel: Kommission legt Fahrplan für die Schaffung eines wettbewerbsfähigen CO2-armen Europa bis 2050 vor (8. März 2011)

EU-Kommission: Roadmap for moving to a low-carbon economy in 2050 (8. März 2011)

EU-Kommission: Climate change: Questions and Answers on a Roadmap for moving to a low carbon economy in 2050 (8. März 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

Fahrplan für CO2-armes Europa bis 2050 (9. März 2011)