Die EU-Kommunikationspolitik und die Medien – Verbündete oder Widersacher? [DE]
Nachrichtenredakteure und Experten aus europäischen, nationalen und regionalen Medien werden bei einer Stakeholder-Konferenz in Helsinki kommende Woche ihre Meinung zur Kommunikationsstrategie von Kommissions-Vizepräsidentin Margot Wallström äußern.
Nachrichtenredakteure und Experten aus europäischen, nationalen und regionalen Medien werden bei einer Stakeholder-Konferenz in Helsinki kommende Woche ihre Meinung zur Kommunikationsstrategie von Kommissions-Vizepräsidentin Margot Wallström äußern.
Als die Vizepräsidentin der Kommission Margot Wallström im Februar 2006 ihr Weißbuch vorstellte, ging ein Aufschrei durch die Brüsseler Korrespondentenwelt, weil ein in Umlauf geratener Entwurf die Idee beinhaltete, die EU solle ihre eigene Presseagentur durch eine Aufwertung des Services „Europe By Satellite“ einrichten. Auch wenn Wallström mehrmals öffentlich betont hat, es gäbe keine Pläne zur Einrichtung einer EU-eigenen Presseagentur, zweifeln einige Medienvertreter an dieser Aussage, da bei verschiedenen Debatten in Brüssel (so wie auch bei der kürzlich vom Wirtschafts- und Sozialausschuss organisierten Konferenz) die Idee wieder auf der Tagesordnung stand.
Was ist der Inhalt des Weißbuches zum Thema Medien?
Zunächst bedauert die Kommission, dass die Medien europäische Themen nur begrenzt und vereinzelt abdecken. Zwar hebt die Kommission hervor, dass die neuen „interaktiven Medien“ den Zugang zu Informationen verbessert haben, jedoch ist sie der Auffassung, dass es noch lange dauern werde, bis das volle Informationspotential ausgeschöpft und die Informationslücken geschlossen werden könnten.
Das Weißbuch schlägt konkrete Maßnahmen zur verbesserten Berichterstattung zu europäischen Themen durch die Medien vor:
- Europa ein menschliches Gesicht geben
- Die nationale, regionale und lokale Dimension berücksichtigen
- Neue Technologien nutzen
- Die EU-Institutionen sollten über bessere Kommunikationsinstrumente und -kapazitäten verfügen, beispielsweise durch den Ausbau von Europe by Satellite mit dem vorrangigen Ziel, hochwertige audiovisuelle Inhalte anzubieten, die von den Medien problemlos verarbeitet werden können und für die Bürger relevant sind
- Ausarbeitung eines Europäischen Fortbildungsprogramms für öffentliche
Kommunikation - Die EU-Institutionen sollten mit einem breiten Kreis von Medienvertretern prüfen, wie die Medien besser mit für sie relevantem Material versorgt werden können, das inhaltlich an die Bedürfnisse der einzelnen Länder und Bevölkerungsgruppen angepasst werden kann.
Die Helsinki-Konferenz, wo Kommissionsbeamte auf Vertreter der europäischen, nationalen, regionalen und lokalen Medien treffen werden, wird diese Themen ansprechen. Die in der Einladung zur Konferenz formulierten Fragen geben einen Hinweis darauf, was die wichtigsten Themen der Debatte sein werden:
- Wie können wir sicherstellen, dass die europäischen Bürger die Informationen erhalten, die sie wollen und benötigen?
- Wie können die audiovisuellen Medien eine größere Rolle in der europäischen Öffentlichkeit spielen?
- Wird ein europaweiter TV-Sender benötigt?
- Was ist unter kulturübergreifender Übertragung zu verstehen?
- Könnten die interaktiven Medien und der Journalismus der Bürger (Anmerkung des Redakteurs: gemeint sind Blogs und Wikis) den Informationsmarkt und die Debatte über Europa verändern?