"Die Kosovaren werden in Europa ankommen"
Über die serbische Weigerung, sich bei einer Westbalkankonferenz in Berlin mit dem Kosovo zusammenzusetzen, zeigt sich Vlora Citaku enttäuscht. Im Interview mit EURACTIV.de fordert die kosovarische Interims-Außenministerin von der EU einen Fahrplan und eine klare Perspektive für die europäische Integration ihres Landes.
Über die serbische Weigerung, sich bei einer Westbalkankonferenz in Berlin mit dem Kosovo zusammenzusetzen, zeigt sich Vlora Citaku enttäuscht. Im Interview mit EURACTIV.de fordert die kosovarische Interims-Außenministerin von der EU einen Fahrplan und eine klare Perspektive für die europäische Integration ihres Landes.
Zur Person
Vlora Citaku (30) ist seit Oktober 2010 Übergangs-Außenministerin des Kosovo. Die Spitzenfunktionärin der Demokratischen Partei (PDK) des bisherigen Premiers Hashim Thaçi war zuvor Vize-Außenministerin.
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EURACTIV.de: Sie nehmen an der internationalen Konferenz "Perspektiven für Südosteuropa" in Berlin teil. Was erwarten Sie von dieser Veranstaltung und was sind Ihre Hoffnungen?
CITAKU: Als Land sowie als Region erwarten wir eine Bekräftigung der europäischen Integrationsagenda. Integration ist die einzige Gemeinsamkeit, die wir als Region teilen. Als Region mit einer Vergangenheit, die mit Problemen belastetet ist und mit vielen Fragen, die uns auseinanderreißen, haben wir eines gemeinsam: Wir teilen den Traum von einer Perspektive für die europäische Integration.
Daher brauchen wir diesen Prozess nicht nur in einem regionalen Kontext, sondern auch für die interne Kohäsion. Wir glauben, dass dies die zentrale Botschaft sein wird, die wir während der Konferenz verbreiten werden und die von den Politikern und Entscheidungsträgern in unseren jeweiligen Ländern weiterverfolgt wird.
"Verlierer ist derjenige, der nicht teilnimmt"
EURACTIV.de: Der serbische Außenminister Vuk Jeremi? sowie der Vizepremier Božidar ?eli? haben ihre Teilnahme an dieser Konferenz abgesagt. Sind Sie von der serbischen Beteiligung enttäuscht?
CITAKU: Ich muss sagen, dass ich darüber enttäuscht bin, dass sie sich weigern, eine Gelegenheit zu nutzen, um sich zusammenzusetzen und zu sprechen. Wir können die Geschichte nicht ändern, wir können die Geographie nicht ändern, aber wir können unsere Zukunft ändern, indem wir uns zusammensetzen und miteinander sprechen. Es gibt eine Redensart nach der der Verlierer nicht derjenige ist, der nicht gewonnen hat, sondern derjenige, der nicht teilnimmt.
Alle Kriterien der EU-Kommission erfüllt
EURACTIV.de: In wenigen Tagen ist Kosovo das einzige Land im Westbalkan, dessen Einwohner sich im Schengenraum nicht frei bewegen dürfen. Was wird seitens der EU nicht getan und aus welchen Gründen?
CITAKU: Das ist eine gute Frage, die man in Brüssel stellen sollte. Wir haben alle Kriterien der EU-Kommission erfüllt. Von uns wurde sogar wesentlich mehr verlangt als von jedem anderem aufstrebenden Land. Wir mussten einen Aktionsplan und eine Strategie zur Rücküberführung abliefern. Wir hatten dazu sogar einen Haushalt im Parlament angenommen. Trotzdem haben wir keine Road-Map bekommen – obwohl uns dies öffentlich von der Europäischen Kommission versprochen worden war.
Ich weiß wirklich nicht, warum dies bislang nicht geschehen ist. Ich hoffe, dass sich das in naher Zukunft ändert. Die Kosovaren sind die jüngsten Europäer. Dies ist sogar unser Motto: Wir sind die jungen Europäer. Wir sind Europäer in unserem Lebensstil, in unserem Wertesystem, in unseren Hoffnungen. Wir sind das Land mit der proeuropäischsten Haltung in der Region. Jede Meinungsumfrage des letzten Jahres im Kosovo hat gezeigt, dass die Zustimmungsrate für die EU bei über 80 Prozent liegt. Wir werden in Europa ankommen.
Kosovo – keine Priorität für die EU?
EURACTIV.de: Ist das Kosovo derzeit einfach nicht auf der Prioriätenliste der EU?
CITAKU: Hierzu würde ich keinen Kommentar abgeben wollen. Aber ich muss sagen, dass die Kosovaren eine Road-Map und eine klare Perspektive für die europäische Integration erwarten.
Interview: Michael Kaczmarek, Daniel Tost
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