Die Ukraine versucht massive Fahnenflucht in den Griff zu bekommen
Viele von Frankreich ausgebildete ukrainische Soldaten sind desertiert. Das wirft Fragen nach Missmanagement auf - zu einer Zeit, in der es wichtiger denn je ist, im Krieg gegen Russland Boden gutzumachen.
Viele von Frankreich ausgebildete ukrainische Soldaten sind desertiert. Das wirft Fragen nach Missmanagement auf – zu einer Zeit, in der es wichtiger denn je ist, im Krieg gegen Russland Boden gutzumachen.
Derzeit gelten 1.700 Soldaten der 155. Brigade „Anna von Kyjiw“ als fahnenflüchtig. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, mehr militärische Unterstützung und Geld für die Ukraine zu beschaffen. Einige europäische Partner sehen im Dialog oder sogar Kompromissen den richtigen Weg.
Laut Medienrecherchen hatten ausgebildete Truppen die Brigade wegen schlechter Führung und fehlender Ausrüstung verlassen, bevor sie überhaupt das Schlachtfeld erreichten. Das wiederum gefährdet die Kampffähigkeit der Brigade im Einsatz.
Diese Art von Fahnenflucht sei „systemisch für andere Brigaden“ in der Ukraine, einem Land, das historisch korrupt sei, sagte General Mykhailo Drapatyi, der Chef der ukrainischen Bodentruppen, gegenüber AFP.
Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte kündigte nach dem Skandal eine Untersuchung einer anderen Brigade an – mit dem Ziel Ausbildungsfortschritte zu überprüfen sowie umfassend bei der Organisation und Vorbereitung auf den Kampf zu unterstützen.
Weiterhin wurde eine praxisorientierte Ausbildung basierend auf Erfahrungen aus Kampfeinsätzen angekündigt und ein neuer Kommandeur mit praktischer Kampf- und Führungserfahrung ernannt.
Die Nachricht von schlecht ausgebildeten Truppen und schlechter Führung könnte in der ukrainischen Armee für Aufruhr sorgen. Es gibt Forderungen nach einer Reform der militärischen Führung, doch Kyjiw setzt bei der Ausbildung der Soldaten vor ihrem Fronteinsatz stark auf die Unterstützung seiner Partner.
All das kommt zu einer kritischen Zeit: Kyjiw kämpft derzeit darum, die russischen Streitkräfte auf Distanz zu halten. Auch die Kontrolle der Ukraine über die russische Region Kursk ist alles andere als sicher.
Aber die Angelegenheit ist auch eine Blamage für Frankreich. Die vermeintliche Vorzeige-Brigade „Anna von Kyjiw“, benannt nach einer ukrainischen Prinzessin, die in das französische Königshaus eingeheiratet hat, wurde vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron stark unterstützt.
Fehler wurden zur Kenntnis genommen, Besserung soll folgen
Seit der Enthüllung des Skandals sind die Ukrainer bestrebt, ihre Maßnahmen zur Problembewältigung öffentlich zu machen.
Der Chef der ukrainischen Bodentruppen, Drapatyi, räumte Probleme mit „unzureichendem Management“, „Rekrutierungsfehlern“ und „unperfekter Ausbildungsplanung“ bei der „Anna von Kyjiw“-Brigade ein.
Er wies auch auf Probleme mit der „geringen Effizienz und Motivation der Kommandeure auf mittleren Rängen, die direkte Führungsverantwortung tragen“ hin, und erklärte, dass Soldaten der Brigade eine zusätzliche Ausbildung bekämen.
Diese Mängel und Fehler seien zur Kenntnis genommen worden und würden in Zukunft vermieden werden.
Die Massendesertionen schaden aber nicht nur den nationalen Kriegsanstrengungen und der Meinung der Verbündeten, sondern auch den NATO-Bestrebungen der Ukraine. Eine vernünftige Ausbildung von Soldaten und Kommandeuren aller Ränge, die Bekämpfung von Korruption und das Sicherstellen einer effektiven Befehlskette sind ausschlaggebend für den Beitritt zum Militärbündnis.
Nur eine ausreichende Ausbildung und Ausrüstung können die Ukraine in eine starke Position gegenüber Russland bringen und ihr einen Vorteil am Verhandlungstisch verschaffen, haben westliche Beamte in den letzten drei Jahren gesagt.
Derzeit „kann die Ukraine nicht aus einer Position der Stärke heraus verhandeln“, sagte NATO-Generalsekretär Mark Rutte letzte Woche.
„Wir müssen mehr tun, um sicherzustellen, dass sie durch eine Änderung des Konfliktverlaufs in diese Position der Stärke gelangen können.“
[ATB/VB]