Digitaler Produktpass: EU-Ökodesignverordnung tritt in Kraft

Die EU-Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products, ESPR) tritt heute in Kraft. Bis 2030 müssen sektorübergreifend digitale Produktpässe (DPP) eingeführt werden, was eine massive Umstrukturierung des Datenmanagements in den Lieferketten bedeutet.

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Der digitale Produktpass muss die wichtigsten Datensätze für Verbraucher, Hersteller und Abfallentsorgungsdienste vereinheitlichen. [[Shutterstock/Marina Santiaga]]

Die EU-Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products, ESPR) tritt heute in Kraft. Bis 2030 müssen sektorübergreifend digitale Produktpässe (DPP) eingeführt werden, was eine massive Umstrukturierung des Datenmanagements in den Lieferketten bedeutet.

Gemäß den Anforderungen müssen alle in der EU verkauften Produkte, mit Ausnahme von Lebensmitteln und Arzneimitteln, mit einer eindeutigen Kennung versehen werden. Diese Kennung wird über einen maschinell lesbaren Mechanismus verfügen. Das ermöglicht die Rückverfolgung des Produkts während seiner gesamten Lebensdauer und gibt den Verbrauchern Hinweise auf optimale Recyclingverfahren.

Durch die Verbesserung des Informationsaustauschs über diese Daten soll das Recycling gefördert und das Vertrauen zwischen Verbrauchern und Unternehmen gestärkt werden.

Nach dem Inkrafttreten der EU-Ökodesignverordnung wird voraussichtlich Ende 2024 oder Anfang 2025 ein Ökodesign-Forum stattfinden. Interessenvertreter aus den Mitgliedstaaten sollen dort einen Arbeitsplan für die Umsetzung bis März 2025 erstellen.

„Der [Digitale Produktpass] DPP ist eine Möglichkeit, die Zusammensetzung und die Funktion eines Produkts zu verstehen und herauszufinden, wo es als Nächstes hingeht, damit der Empfänger weiß, was er damit tun soll“, sagte Rik Bhattacharya, Leiter des Beirats und des digitalen Produktpasses bei Protokol, einem Netzwerk von Anbietern digitaler Lösungen.

Margaux Le Gallou, arbeitet als Programmmanagerin bei ECO Standard, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für den Umweltschutz einsetzt. Es werde eine schwierige Übergangszeit geben, aber „das allgemeine Gefühl der Initiative ist, dass es das wert ist“.

Die Hersteller können Informationen von den Unternehmen oder Verbrauchern, die ihre Produkte kaufen, einholen. Dadurch wird „ein genaueres Angebot an Reparaturprodukten geschaffen und die Lebensdauer der Produkte verbessert.“

Die erste Runde von Produkten, die dem digitalen Produktpass entsprechen müssen, umfasst Batterien. Bis 2027 wird jede Batterie auf dem EU-Markt einen DPP-Datenträger mit einem integrierten Weblink zu der entsprechenden Datenbank benötigen – und zwar für alle Produkte.

Laut Bhattacharya kann der Datenträger „ein QR-Code oder ein Barcode sein […] es gibt keinen Standard, der für alle gilt.“

Die Unternehmen werden die Daten des Passes auch speichern. Die Hoffnung, ist damit überfüllte Rechenzentren zu vermeiden, die bei zunehmender Verbreitung schwer zu warten sein werden.

Eine schwere Aufgabe

Die Fristen für die Einhaltung der Vorschriften scheinen in weiter Ferne zu liegen. Dennoch sind die erforderlichen Vorbereitungen und die IT-Infrastruktur enorm, um den Zeitplan der Kommission einzuhalten.

Der digitale Produktpass muss die wichtigsten Datensätze für Verbraucher, Hersteller und Abfallentsorgungsdienste vereinheitlichen. Außerdem muss er mit Herstellern außerhalb der EU kommunizieren, um sicherzustellen, dass alle in die EU eingeführten Produkte, mit dem Produktpass übereinstimmen.

Eine weitere große Aufgabe ist die Anpassung der Mitgliedstaaten an die neue Infrastruktur. Dazu wird das Funktionieren des digitalen Produktpasses in großem Maßstab mit seinen umfangreichen Datenanforderungen getestet.

„Dies wird ein kostspieliges Unterfangen für die gesamte Lieferkette sein, und wir müssen sicher sein, dass die Datensätze einen Mehrwert für die Wirtschaft und die Nachhaltigkeit schaffen“, sagte Cecilia Bonefeld-Dahl, Generaldirektorin vom Wirtschaftsverband Digital Europe.

Das Problem ist die Kompatibilität zwischen allen Teilen der Lieferkette. Eine nahtlose Reise für ein Produkt „von der Wiege bis zur Bahre“ erfordert eine große Menge an Informationserfassung. Einige Unternehmen, insbesondere solche, die in die EU importieren, zögern, Produktdaten zu übermitteln, so Le Gallou von ECO Standard.

Die Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihr digitaler Produktpass Dienstleister mit ihren IT-Systemen und ihrem Budget kompatibel ist. Damit dies für die Unternehmen erschwinglich ist, müssen die derzeitigen Datenspeichersysteme in der neuen Architektur des Passes berücksichtigt werden.

„Wir wollen sicherstellen, dass der DPP mit dem übereinstimmt, was die Branche bereits tut. Wenn wir das nicht tun, verursachen wir Kosten für Unternehmen, die ihre IT-Systeme umgestalten müssen, und verlangsamen die Aufnahme dieser Lösungen auf dem Markt“, erklärt Bonefeld-Dahl.

Die Verbraucherperspektive

Der digitale Produktpass soll den bewussten Konsum und das Recycling fördern, indem es Empfehlungen für die Entsorgung oder Reparatur eines Produkts gibt.

Die Einzelheiten der Funktionsweise stehen noch nicht fest. Doch der Verbraucher soll die Möglichkeit haben, den digitalen Pass zu scannen und herauszufinden können, ob es einen Grund für einen Produktausfall gibt. Zusätzlich sollen Verbraucher Zugang zu Informationen über Recycling, Reparatur oder Rückruf erhalten.

„Das Ethos hinter [DPP] ist die Förderung einer echten Kreislaufwirtschaft und die Schaffung besserer Geschäftsmodelle, bei denen der Abfall des einen der Rohstoff des anderen ist“, so Bhattacharya.

„Mehr Unternehmen werden Gründe haben, gute Rückkauf- oder Belohnungsprogramme mit Hilfe der DPP-Technologie durchzuführen, da neue Materialien schwieriger zu finden sein werden und höhere Steuern anfallen. Viele Unternehmen in der EU werden den Ansatz verfolgen, ihre Kunden mit Programmen wie dem Take-Back-Programm von Apple zu belohnen, um die Ressourceneffizienz zu steigern“, so Bhattacharya weiter.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]