E-Book-Anbieter unter Kartellverdacht

Die EU-Kommission vermutet, dass Anbieter von E-Books ihre Preise absprechen. Verlage in mehreren EU-Staaten wurden durchsucht. Im Vergleich zu den USA haben die elektronischen Bücher in Europa einen schweren Stand.

Elektronische Bücher könnten die Originale aus Papier immer öfter ersetzen. Die EU-Kommission prüft, ob Verleger die Preise absprechen. Foto: Hans-Walter Spille / pixelio.de.
Elektronische Bücher könnten die Originale aus Papier immer öfter ersetzen. Die EU-Kommission prüft, ob Verleger die Preise absprechen. Foto: Hans-Walter Spille / pixelio.de.

Die EU-Kommission vermutet, dass Anbieter von E-Books ihre Preise absprechen. Verlage in mehreren EU-Staaten wurden durchsucht. Im Vergleich zu den USA haben die elektronischen Bücher in Europa einen schweren Stand.

Ermittlungsbeamte haben in mehreren Mitgliedsländern die Geschäftsräume von e-Book-Anbietern durchsucht. Das gab die EU-Kommission am Mittwoch bekannt. Untersucht wird, ob es illegale Preisabsprachen zwischen den Verlagen gegeben hat.

"Die Kommission hat Grund zu der Annahme, dass die betroffenen Unternehmen das EU- Wettbewerbsrecht verletzt haben könnten", heißt es in einer Erklärung. Die EU-Kartellregeln sehen heimliche Preisabsprachen und die Marktaufteilung als einen klaren Verstoß gegen den Verbraucher- und Wettbewerbsschutz. Die Strafen der Kommission sind berüchtigt. Zwischen 2006 und 2009 zahlten allein deutsche Firmen Geldbußen in Höhe von 2,58 Milliarden Euro (EURACTIV.de vom 30. Dezember 2009)

Die Kommission veröffentlichte keine Namen der betreffenden Unternehmen. Die Ermittlungen würden auch nicht bedeuten, "dass die Unternehmen schuldig sind".

Das Internetportal "Buchreport" berichtet, mehrere französische Verlage seien betroffen, darunter "Albin Michel". Albin Michel-Chef Francis Esménard vermute, der Online-Händler Amazon stecke hinter den Ermittlungen. Firmen können Untersuchungen der EU-Wettbewerbshüter mit vertraulichen Beschwerden anstoßen.

Unangekündigte Durchsuchungen sind oftmals der erste Schritt bei wettbewerbswidrigem Verhalten. Die Ermittlungsdauer hängt auch von der Kooperationsbereitschaft der verdächtigten Unternehmen ab.

Elektronische Bücher in den USA beliebter

In Europa geht die Markteinführung von e-Books langsam voran. Nur zwei Prozent der Deutschen kauften zwischen 2009 und 2010 ein Buch in digitaler Form, was im EU-Durchschnitt liegt. Das ergab im Januar 2011 eine Studie der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Neun Prozent der Befragten gaben an, noch nie von e-Books gehört zu haben.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels kommt in einer "Zukunftsstudie" über das Kaufverhalten der deutschen Verbraucher zu dem Schluss: "E-Book-Downloads (…) spielen derzeit keine große Rolle für die befragten Buchhandelskunden". Dies könne sich allerdings bei nachrückenden Generationen ändern.

In den USA sind elektronische Bücher laut PwC beliebter als in Europa. Von 2009 bis Ende 2010 kauften sieben Prozent der befragten US-Amerikaner ein e-Book.

mtr

Links

EU-Kommission: Antitrust: Commission confirms unannounced inspections in the e-book publishing sector (2. März 2011)

Buchreport: EU-Kommission durchsucht Verlage
"Amazon will freie Preise durchsetzen
" (2. März 2011)

PwC: Turning the Page The Future of eBooks. Studie (Januar 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

EU-Kartelle – Deutsche packen gerne aus (30. Dezember 2009)