Energiezukunft lokal gestalten: Das Pilotprojekt „Nachhaltige Stadt“ in Leutkirch
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG positioniert sich als Anbieter dezentraler Energielösungen. EnBW-Experte Andreas Renner erklärt, was hinter dem Projekt "Nachhaltige Stadt" steckt.
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG positioniert sich als Anbieter dezentraler Energielösungen. EnBW-Experte Andreas Renner erklärt, was hinter dem Projekt „Nachhaltige Stadt“ steckt.
Andreas Renner ist Leiter der EnBW-Repräsentanzen Berlin und Brüssel. Weitere Informationen: www.enbw.com; www.nachhaltige-stadt-leutkirch.de
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Kaum ein Wirtschaftssektor ist in den letzten Jahren von so starker Dynamik gekennzeichnet wie die Energiebranche. Seit der Liberalisierung des deutschen Strommarktes im Jahre 1998 haben sich die Rahmenbedingungen für alle Marktakteure stark verschoben. Staatliche Regulierung greift zunehmend in die angestammten Geschäftsfelder der Energieversorger ein, beispielhaft sei nur die Entflechtung im Bereich der Übertragungsnetze genannt. Durch staatliche Förderung über das im Jahr 2000 eingeführte Erneuerbare–Energien-Gesetz (EEG) entwickelt sich die Erzeugungsstruktur zudem immer stärker in Richtung regenerativer Quellen. Beschleunigt wird diese Entwicklung noch durch den Reaktorunfall von Fukushima, der die nationale "Energiewende" zu einer Art gesellschaftlichem Leitbild gemacht hat.
Haushalte produzieren Energie
Die starke Ausrichtung auf erneuerbare Energien bewirkt zudem eine wachsende Dezentralisierung der Energieerzeugung: Verwiesen sei hier nur auf die unzähligen Dächer, die inzwischen mit Solaranlagen ausgestattet sind. Der technische Fortschritt ermöglicht es nun einzelnen Haushalten, zum Energie-Produzenten und Selbstversorger zu werden. Dies geschieht auch über lukrative bürgerschaftliche Beteiligungsmodelle (z. B. in "BürgerEnergiegenossenschaften"), die bei Investitionen in Windenergie- oder Biomasseanlagen in Städten und Gemeinden zur Anwendung kommen. Diese Entwicklung umfasst jedoch nicht nur rein finanzielle Aspekte: Sie korrespondiert auch mit dem zunehmenden Wunsch von Kommunen und Bürgern nach Transparenz, Information und Beteiligung im Zuge der Planung und Umsetzung von großen Infrastrukturprojekten.
Pilotprojekt Leutkirch im Allgäu
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG entwickelt als regional ausgerichtetes Energieversorgungsunternehmen ihr Geschäftsmodell dahingehend weiter und will sich neben der Positionierung als CO2-armer Erzeuger als Anbieter gesamthafter dezentraler Energielösungen etablieren. Seit Jahren bestehende erfolgreiche Partnerschaften mit Kommunen werden nun in einem beispielhaften Pilotprojekt in Leutkirch im Allgäu (22.000 Einwohner) weiterentwickelt: Das Konzept "Nachhaltige Stadt", das im April 2011 gestartet wurde, soll die Grundidee einer energieeffizienten, emissionsgeminderten und dezentral versorgten Kommune in die Praxis umsetzen. Es setzt auf die Unterstützung und Akzeptanz durch die Bürgerschaft und soll möglichst viele Menschen, Firmen und Gruppierungen aus der Region beteiligen, was die lokale Wertschöpfung in besonderem Maße fördert.
Bürger gestalten ihre Energiezukunft
Das gemeinsame Projekt der Stadt Leutkirch, der EnBW, den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) sowie der Hochschule Biberach soll in sechs Phasen umgesetzt werden. Als erstes wichtiges Element des Konzepts hat der Gemeinderat bereits den umfangreichen Bürgerbeteiligungsprozess genehmigt. Parallel werden Konzepte im Bereich Energieeffizienz und E-Mobilität erarbeitet. Die Bürgerbeteiligung wird in sogenannten "Zukunftswerkstätten" organisiert, in denen sich die Bevölkerung im Rahmen eines moderierten Leitbildprozesses an der Gestaltung ihrer Energiezukunft beteiligen kann. Die ganzheitliche Betrachtung richtet sich dabei auf vorhandene Energieressourcen, die Hebung von Effizienzpotenzialen, den örtlichen Energiebedarf, den Bau dezentraler Erzeugungsanlagen und Veränderungen des Landschaftsbildes. Das zu erarbeitende Leitbild soll durch den Gemeinderat im Juli 2012 auf den Weg gebracht werden. Die Bürger können sich dabei finanziell einbringen und Anteile an geplanten Projekten erwerben.
Ein Modell für Kommunen
Für die Kommune ist im Projekt "Nachhaltige Stadt" auch die Anwendung emissionsfreier Mobilitätskonzepte interessant. Die EnBW kann dabei auf umfangreiche Erfahrungen ihrer eigenen Testflotte zurückgreifen, die als Deutschlands größte Elektroflotte mit 500 E-Bikes gerade in die Zielgerade eingefahren ist. In 12 Monaten haben die Testfahrer in Stuttgart knapp eine Million Kilometer zurückgelegt und wichtige Daten über Nutzungs- und Ladeverhalten geliefert.
Durch das Leutkircher Pilotprojekt können neue Wege für die gemeinsame Energiezukunft entwickelt werden. Grundlage bildet die enge Partnerschaft zwischen Bürgern, Stadt, Hochschule und EnBW. Wenn das Projekt für alle Beteiligten zu einem Erfolg wird – also wirtschaftlich sinnvoll ist – soll das Modell auch anderen Kommunen angeboten werden, die daraus einen individuellen Ansatz entwickeln können.
Links
EnBW: Internetseite
Nachhaltige Stadt Leutkirch: Internetseite