Erneuerbare Energien - Übertrifft Deutschland das EU-Ziel?

Berlin will das verbindliche EU-Ziel zum Ausbau der Erneuerbaren Energien übertreffen. Akzente setzt Deutschland bei der Offshore-Windenergie und den Speicherkapazitäten, kündigt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) an.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor der Röhre eines Windkraftturms. Foto: dpa.
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) vor der Röhre eines Windkraftturms. Foto: dpa.

Berlin will das verbindliche EU-Ziel zum Ausbau der Erneuerbaren Energien übertreffen. Akzente setzt Deutschland bei der Offshore-Windenergie und den Speicherkapazitäten, kündigt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) an.

"Um unsere Ziele zu erreichen, muss auch die Energieeffizienz deutlich steigen", erklärte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) zur Verabschiedung des deutschen Energieaktionsplans. Dazu müsse es auch einen Ausbau der Offshore-Windenergie sowie der Speicherkapazitäten geben. "Hier wird das Energiekonzept der Bundesregierung deutliche Akzente setzen".

Der Nationale Aktionsplan für erneuerbare Energie ist die zentrale Berichtspflicht der EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (Richtlinie 2009/28/EG). Die EU-Mitgliedstaaten müssen anhand eines vorgegebenen Musters einen Nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energie mit Maßnahmen und Ausbaupfaden zur Erreichung des verbindlichen nationalen Ziels vorlegen.

Derzeit wird in der EU eine europäische Energiestrategie von 2011 bis 2020 beraten. Diese soll auf dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs im März 2011 beschlossen werden. EU-Energiekommissar Günther Oettinger bereitet bis November eine entsprechende Vorlage vor, die er jüngst in einer Rede skizzierte.

Röttgen fordert Bürgschaften für Offshore-Windparks

Röttgen sagte, der im Plan vorgesehene Anteil von 18 Prozent im Jahre 2020 könne "nicht nur erreicht, sondern mit einem erwarteten Anteil von knapp 20 Prozent sogar übertroffen" werden. Deutschland hat sich gegenüber der EU auf 18 Prozent verpflichtet. Heute liegt der Anteil bei zehn Prozent.

Offshore-Windenergie-Unternehmen will Röttgen künftig mit Bürgschaften unterstützen. "So können wir bis Ende 2011 feste Investitionsentscheidungen für zehn Windparks in Nord- und Ostsee erreichen", sagte Röttgen dem Hamburger Abendblatt. "Das wird bei der Offshore-Energie eine richtige Eigendynamik auslösen". Man halte an dem Ziel fest, in zehn Jahren über 10 000 Megawatt und in 20 Jahren über 25 000 Megawatt Offshore-Windenergie zu verfügen.

Für die einzelnen Sektoren ergeben sich im Aktionsplan für 2020 ein Anteil von 15,5 Prozent erneuerbaren Energien im Bereich Wärme/Kälte, ein Anteil von 38,6 Prozent am Strom und ein Anteil von 13,2 Prozent im Verkehr. Bei diesen Ausbauzahlen wie auch bei dem Gesamtwert von 19,6 Prozent handelt es sich nicht um neue Ziele der Bundesregierung, sondern um derzeitige Schätzungen und Erwartungen.

Informationen zur Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung Erneuerbarer Energien zur Berichtspflicht finden sich auf der entsprechenden Transparenzplattform der EU-Kommission.

Oettinger will Schwerpunkt Energieforschung

EU-Energiekommissar Günther Oettinger erläuterte im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" die kommenden Schritte auf EU-Ebene: "Neben Infrastrukturfragen und erneuerbaren Energien wird ein besonderer Schwerpunkt des Aktionsplans auf der Energieforschung liegen." Man werde auch auf Public Private Partnership setzen, kündigte Oettinger an.

Im Bereich Energieeffizienz sollen Programme für energetische Gebäudesanierungen Teil des Aktionsplanes sein, so der EU-Kommissar. Über den Aktionsplan hinaus kündigte Oettinger Maßnahmen in der Infrastruktur der Energieversorgung an. "Wir stehen vor weit reichenden Entscheidungen der Gasinfrastruktur und Strominfrastruktur. Die Leitungsnetze müssen erweitert werden und effizienter werden."

Bis zum Jahr 2050 will ein neues europaweites Netzwerk aus Hochschulen, Unternehmen und Wissenschaftlern ein nachhaltiges Energiesystem für Europa schaffen. Auf der Agenda stehen 65 Energie-Patente, 50 Unternehmensgründungen und 90 neue Produkte (EURACTIV.de vom 8. Juli 2010)

In den vergangenen Monaten belegten mehrere Studien, dass ein vollständiger Umstieg auf Ökostrom möglich ist – unter anderem die Untersuchungen des Umweltbundesamtes (EURACTIV.de vom 7. Juli 2010) und des deutschen Umweltrates (EURACTIV.de vom 5. Mai 2010)

awr

Presse

Hamburger Abendblatt: Röttgen: "Ich werde mich für Bürgschaften einsetzen" (28. Juli 2010)

Hamburger Abendblatt: EU-Kommissar Oettinger kündigt Energie-Aktionsplan an (20. Mai 2010)

Links

Bundesregierung: Nationaler Energieaktionsplan 2010-2020 (4. August 2010)

EU-Kommission: Transparenzplattform zu den Nationalen Energieaktionsplänen 

EU: Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung Erneuerbarer Energien

EU-Kommission: Die Europäische Energiestrategie 2011 bis 2020. Rede von Energiekommissar Günther Oettinger (30. Juni 2010)

Energieforschung


KIC InnoEnergy:
Internetseite

KIC InnoEnergy: Projekt-Vorstellung

Karlsruher Institut für Technologie: Europas Energie-Zukunft gestalten. Pressemitteilung (30. Juni 2010)

Umweltbundesamt (UBA):  "Energieziel 2050: 100% Strom aus erneuerbaren Quellen". Szenario "Regionenverbund". (7. Juli 2010

Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU): Klimaverträglich, sicher, bezahlbar: 100% erneuerbare Stromversorgung bis 2050 (5. Mai 2010),

Knowledge and Innovation Communities (KICs):
Übersicht

European Institute of Innovation and Technology (EIT): Internetseite

EU-Kommission: Anteil erneuerbarer Energien an neu installierten Stromerzeugungskapazitäten in der EU 2009 auf 62 Prozent gestiegen (5. Juli 2010)

EU-Kommission: "Momentaufnahmen zu den erneuerbaren Energien". Jahresbericht 2010 (5. Juli 2010)

EU-Kommission: Webseite zum SET-Plan

EU-Kommission: Presseerklärung zum SET-Plan (7. Oktober 2009)

EU-Kommission: Fragen und Antworten zum SET-Plan (7.Oktober 2009)" /