Estland wird 17. Eurozonenmitglied

Reibungslos wechselte Estland am 1. Januar zum Euro und wies Bedenken über eine Krise in der Eurozone zurück. Diese könnte den Eurobeitritt größerer osteuropäischer Nationen um bis zu zehn Jahre verschieben.

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Reibungslos wechselte Estland am 1. Januar zum Euro und wies Bedenken über eine Krise in der Eurozone zurück. Diese könnte den Eurobeitritt größerer osteuropäischer Nationen um bis zu zehn Jahre verschieben.

Der baltische Staat mit 1,3 Millionen Einwohnern wurde um Mitternacht in der Nacht auf das neue Jahr das 17. Mitglied der Eurozone und war der erste ehemalige sowjetische Staat, der den Euro übernahm – die Krönung von 20 Jahren Integration mit dem Westen.

Estland betrachtet die Änderung als das Zeichen, dass seine Anstrengungen zu Ende sind, nachdem eine Rezession 2009 14 Prozent seiner Produktion abgeschnitten hatte. Das Land hofft, dass es Investoren wird locken können, indem es Befürchtungen um eine Abwertung beseitigt und die Kreditaufnahme für seine Bürger, von denen viele Hypotheken von großen nordischen Banken schon in Euro sind, sicherer macht.

Es sei ein kleiner Schritt  für die Eurozone, aber ein Riesenschritt für Estland, sagte der Premierminister, Andrus Ansip, der als erster aus einem speziell errichteten Bankautomaten Euro abhob.

„Wir sind stolz darauf, ein Eurozonenmitglied zu sein“.

Die Zentralbank, deren Gouverneur die Eurozinssätze nun mitentscheiden wird, sagte, dass der Übergang reibungslos laufe.

Das Geld habe Bankautomaten und Geschäfte am Ende des Jahres rechtzeitig erreicht, sagte der Vizechef der Zentralbank, Rein Minka.

Estland wird das ärmste Mitglied der Eurozone sein aber das Niveau seiner Schulden und Defizite – die für manche Mitgliedsstaaten der Auslöser der Krise waren – sind unter den niedrigsten in der Union.

Wirtschaftlich gesehen wird die Gruppe der einheitlichen Währung die Neuaufnahme kaum merken – das BIP Estlands stellt 0,2 Prozent der 8,9 Milliarden Euro der Eurozone dar.

Skeptiker im Osten

Polen, Ungarn und andere osteuropäische EU-Staaten sind einem Beitritt zur Eurozone gegenüber skeptisch. Alle haben sich dem verschrieben, eines Tages beizutreten, aber sie wollen sehen, wie die Probleme Irlands, Griechenlands, Spaniens und Portugals gelöst werden.

Sie fürchten auch, dass der Verlust flexibler Wechselkurse sie weniger wettbewerbsfähig und weniger fähig, die Krise zu bekämpfen, machen wird.

Der Gouverneur der polnischen Zentralbank, Marek Belka, erklärte der Zeitung „Super Express“, dass Polen beitreten werde, wenn es in der Eurozone „Ordnung“ gebe. In der Eurozone gebe es dramatische Entwicklungen, also warum sollte man sich beeilen, fragte er.

Der tschechische Premierminister, Petr Ne?as, hat gesagt, der Euro würde für eine längere Zeit seinem Land keinen Vorteil bieten. Ökonomen sagen, dass die größeren östlichen EU-Nationen nicht vor 2019-2020 beitreten könnten.

Die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, und der französische Präsident, Nicolas Sarkozy, haben die Neujahrsansprache genutzt, um ihre Unterstützung des Euros zu zeigen (siehe „Positions“).

Der Euro sei die Grundlage des Wohlstandes, sagte Merkel.Deutschland braucht Europa und unsere gemeinsame Währung […] Wir Deutsche nehmen unsere Verantwortung wahr, auch wenn sie manchmal sehr schwer ist“.

Mit einer gleichen Geschichte der Nazi- und sowjetischen Besatzung haben sich alle drei baltischen Staaten zum Ziel gesetzt, den westlichen Strukturen beizutreten. Sie traten der NATO und der Europäischen Union 2004 bei.

Lettland und Litauen hoffen, dass sie den Euro 2014 übernehmen werden. Ihre Währungen sind seit Jahren an den Euro gekoppelt.

Die estnische Krone wird zu einem Satz von 15.6466 umgerechnet – dem Satz, zu dem die Währung an den Euro gekoppelt war. Die beiden Währungen werden zwei Wochen lang gemeinsam als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.

(EURACTIV mit Reuters. Von EURACTIV aus dem Englischen übersetzt.)