Ethanol als Rettung für den Verbrennungsmotor im Straßenverkehr?
Eine neue französische Studie hat ergeben, dass Hybridfahrzeuge, die mit bis zu 85 Prozent erneuerbarem Ethanol (E85) betrieben werden, genauso klimafreundlich sind wie Elektrofahrzeuge, wenn man den "gesamten Lebenszyklus" berücksichtigt.
Eine französische Studie besagt, dass Hybridfahrzeuge, die mit bis zu 85 Prozent Bioethanol (E85) betrieben werden, genauso klimafreundlich sind wie Elektrofahrzeuge, wenn man den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt.
Nach Ansicht von Biokraftstoff-Herstellern sind diese Ergebnisse von entscheidender Bedeutung für die derzeitige Debatte auf EU-Ebene über ein Verbot von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor ab 2035.
In der vom französischen Forschungsinstitut IFPEN durchgeführten Studie wurden die Treibhausgasemissionen von reinen Benzinern, Plug-in-Hybriden mit E85-Antrieb und von reinen Elektroautos auf der Grundlage einer Lebenszyklusanalyse gemessen und verglichen.
E85 bedeutet, dass ein Fahrzeug mit 85 Prozent Bioethanol und 15 Prozent fossilem Benzin betrieben wird.
Die Lebenszyklusanalyse berücksichtigt alle Treibhausgasemissionen im Zusammenhang mit dem Fahrzeug und seiner Batterie (von der Herstellung bis zum Recycling) sowie die verbrauchte Energie (Herstellung, Raffinerie, Transport, Vertrieb und Verbrennung). Für die Ergebnisse wurden zudem der französische und der gesamteuropäische Strommix vergleichen.
„Dieser Vergleich, der sich auf das Jahr 2022 und Prognosen für das Jahr 2040 bezieht, zeigt, dass Plug-in-Hybride, die mit E85 betrieben werden und 40 Prozent der Fahrstrecke eines Elektrofahrzeugs zurücklegen, mindestens so klimafreundlich sind wie vollelektrische Fahrzeuge, und zwar mit dem französischen Strommix, der bereits CO2-arm ist, und noch mehr mit dem durchschnittlichen europäischen Mix, der einen höheren CO2-Fußabdruck aufweist“, heißt es in der Studie.
Die Studie stellt auch fest, dass Plug-in-Hybride, die mit E85 betrieben werden, Vorteile gegenüber reinen Elektroautos haben. Auch wenn alle Ladestationen belegt sind, können die Fahrer lange Strecken zurücklegen, ohne ihre Batterie aufladen zu müssen, indem sie E85 tanken, heißt es in der Studie.
Darüber hinaus betont die Studie, dass die Batterien kleiner sind und daher „weniger außerhalb der EU produzierte mineralische Ressourcen und weniger Energie bei der Herstellung“ verbrauchen.
Entgegen dem weltweiten Trend hat Europa beschlossen, Biokraftstoffe auf Pflanzenbasis wie Ethanol schrittweise zu reduzieren.
Der Verkehrssektor ist für 27 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich, und trotz verschiedener Gesetze ist es bisher nicht gelungen, wesentliche Änderungen herbeizuführen.
Umweltorganisationen argumentieren seit langem, dass die Verwendung von Biokraftstoffen auf Pflanzenbasis zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise führt, da die Pflanzen wie Weizen, Mais und Raps eher dazu verwendet werden, die Tanks der Autos zu füllen, als die Menschen zu ernähren.
Die Industrie vertritt dagegen die Ansicht, dass pflanzliche Biokraftstoffe wie Ethanol für die Dekarbonisierung des Verkehrs von entscheidender Bedeutung sind, da die Einführung von Elektroautos aufgrund der hohen Kosten und der noch unzureichenden Ladeinfrastruktur viele Jahre dauern wird.
Derzeit wird die EU-Richtlinie über erneuerbare Energien überarbeitet, und die EU-Institutionen planen, die Nutzung konventioneller Biokraftstoffe weiter einzuschränken.
Hersteller von Biokraftstoffen haben die EU aufgefordert, einen „Realitätscheck“ vorzunehmen, da die EU-Kommission zugegeben hat, dass trotz der Dekarbonisierungsbemühungen bis 2030 noch immer Öl die Autos in Europa antreiben wird.
Ein „realistischer“ Ansatz
In Bezug auf die laufende Debatte über das Verbrenner-Aus und über mögliche alternative Kraftstoffe kommentierte die European Renewable Ethanol Association (ePURE): „Es ist klar, dass die EU-Mitgliedsstaaten jetzt nach einem realistischeren Ansatz für die Dekarbonisierung des Verkehrs suchen, der sich nicht nur auf eine Technologie stützt.“
ePURE betonte, dass erneuerbare Flüssigkraftstoffe auch über das Jahr 2035 hinaus eine Rolle spielen sollten, und hob hervor, dass das europäische Bioethanol heute im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen im Durchschnitt 77 Prozent der Treibhausgasemissionen einspare.
Der Verband betonte, dass – angesichts noch teurerer E-Autos – erneuerbare Kraftstoffe dazu beitragen können, die Bezahlbarkeit von Fahrzeugen zu erhalten und gleichzeitig die Emissionen rasch zu senken.
Die von EURACTIV kontaktierte Umweltorganisation Transport and Environment (T&E) bezeichnete die Ergebnisse der Studie dagegen als „absurd.“
„Die Behauptung, dass Plug-in-Hybride, die mit einer Kombination aus fossilem Kraftstoff und Biokraftstoff betrieben werden, genauso gut für das Klima sind wie Elektrofahrzeuge, ist absurd“, sagte Anna Krajinska, Managerin für Fahrzeugemissionen und Luftqualität bei T&E.
„Dies ist ein schamloser Versuch der Ölindustrie, weiterhin fossile Brennstoffe auf Kosten des Klimas und durch kolossale Umweltschäden beim Anbau von Biokraftstoffen zu verkaufen“, so Krajinska weiter.
Sie fügte hinzu, dass die Festlegung von CO2-Zielen auf der Grundlage von Auspuffemissionen der einzige Weg sei, um sicherzustellen, dass Europas Autoflotte keine Schadstoffe mehr ausstoße.
„Die politischen Entscheidungsträger müssen das vereinbarte Datum 2035 für die Abschaffung der [Verbrenner-]Motoren einhalten. Alles andere birgt die Gefahr, dass Europas Klimaziele aus dem Ruder laufen und den fossilen Brennstoffen Tür und Tor geöffnet werden“, so Krajinska.
In seiner Antwort wies T&E auch darauf hin, dass die Studie Verbesserungen bei der CO2-Bilanz der Batterieproduktion in Europa nicht berücksichtige und auch die CO2-Intensität des Stromnetzes in Frankreich und der EU überbewerte.
Außerdem gebe es keine Garantie dafür, dass die Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge (PHEV) zu 40 Prozent elektrisch betrieben werden, da „viele PHEVs in Europa selten, wenn überhaupt, elektrisch aufgeladen und gefahren werden, insbesondere Firmenwagen.“
Die Europäische Kommission wollte sich trotz mehrmaliger Anfragen nicht zu der Thematik äußern.
[Bearbeitet von Sean Goulding Carroll]