EU-Agentur empfiehlt Ausweitung des Corona-Impftrackers auf 40 weitere Impfstoffe

Die digitale Gesundheit kann in dieser Phase der Pandemie nützlich sein, da die Mitgliedsstaaten weitere Monitoring-Tools entwickeln müssen, um die Impfquoten zu kontrollieren, so die Chefin der ECDC.

EURACTIV.com
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Die Covidtracker-Plattform verfolgt die Daten über den Ausbruch der Pandemie seit dem Frühjahr 2020. [[Vasin Lee/Shutterstock]]

Die EU-Länder müssen Tracking-Instrumente zur Überwachung der Impfraten weiterentwickeln, sagte die Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention von Infektionskrankheiten (ECDC). Gleichzeitig müsse die Rolle digitaler Andwendungen in der Gesundheitsvorsorge gestärkt werden.

„Ein gutes Beispiel für den Nutzen von Daten im Gesundheitswesen ist der Covidtracker“, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon auf einer Konferenz über die Bedeutung der Prävention in nachhaltigen Gesundheitssystemen.

Die Pandemie sei eine gute Gelegenheit gewesen, die Vorteile der digitalen Gesundheit hervorzuheben. Dies gelte insbesondere für Online-Plattformen, die Daten über das Coronavirus sammeln, wie die Covidtracker-Website, so Aylin Tüzel, Vorsitzende der deutschen Geschäftsführung von Pfizer.

„Was die Impfquote angeht, wissen wir zum Beispiel, wie viele Menschen in jeder Altersgruppe tatsächlich geimpft sind“, sagte Ammon. Bei anderen Impfungen hingegen sei dies nur sehr schwierig zu ermitteln.

Beide Gesundheitsexpertinnen sahen in der Erfahrung mit dem Covidtracker eine Möglichkeit, zukünftige Impfkampagnen zu verbessern. Laut Tüzel könnte die digitale Gesundheit eine wichtigere Rolle bei Impfkampagnen spielen, zum Beispiel durch das Versenden von Erinnerungsmeldungen an Nutzer:innen, sich impfen zu lassen.

„Bei anderen Beispielen, wie der Grippeimpfung, sind die Impfraten sehr niedrig. Jetzt geht es darum, das auf die 40 anderen Impfstoffe zu übertragen“, sagte Ammon.

„Das Impfdaten-Register wäre so wertvoll und nützlich. Es ist notwendig, um den Menschen die Impfung nahe zu bringen“, stimmte Tüzel zu.

Impf-Tracker hätten die Impfkampagnen in Europa beschleunigen können, wo seit dem 9. Januar fast 70 Prozent der Bevölkerung ihre Impfungen erhalten haben.

Zum digitalen Corona-Zertifikat sagte Ammon, es sei ein wichtiger Schritt, „nicht unbedingt fürs Reisen, sondern auch dafür, dass die Menschen wissen, wie es mit ihrer Gesundheit in Bezug auf den Impfschutz steht“.

Digitale Gesundheit auch auf Brüssels Tagesordnung

In Brüssel stehen Gesundheitsdaten ebenfalls im Mittelpunkt der politischen Agenda. Die europäischen Gesundheitsminister:innen und Sandra Gallina, die Generaldirektorin der Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission, trafen sich am Mittwoch (2. Februar), um ethische Grundsätze für die digitale Gesundheit aufzustellen.

Das Treffen wurde im Rahmen der französischen EU-Ratspräsidentschaft organisiert. Dort präsentierte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran eine Reihe von Maßnahmen zur Regulierung der Gesundheitsdaten der europäischen Bürger:innen.

Diese Maßnahmen wurden im Vorfeld vom E-Health-Network validiert, das im Rahmen der europäischen Richtlinie über grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung geschaffen wurde. Das digitale Corona-Zertifikat ist eines der konkreten Beispiele dieser Einrichtung, deren Ziel die Digitalisierung von Gesundheitsdaten in Europa ist.

Am Ende des informellen Treffens erklärte Gallina, der Europäische Gesundheitsdatenraum markiere „eine neue Ära“, die „die Rechte der Menschen an ihren Gesundheitsdaten stärken“ und „die Weiterverwendung von Gesundheitsdaten auf sichere und vertrauenswürdige Weise unterstützen“ werde.

Schwerpunkt auf Prävention

Neben der digitalen Gesundheit erörterten Tüzel und Ammon auch die Prävention von Krankheiten, künftige Epidemien und die Lehren, die aus der Corona-Pandemie zu ziehen sind. 

Tüzel verwies auf einen Rückgang der Impfraten seit März 2020. „In Deutschland wurden im Jahr 2021 30 Prozent weniger Impfungen durchgeführt“, so Tüzel. Dies sei auf den erschwerten Zugang zu den Gesundheitsdiensten zurückzuführen, der für die Patient:innen eine echte „Belastung“ darstelle. 

Die Situation sei fast überall in Europa ähnlich und die Staaten hätten noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen, berichtete Ammon berichtete. „Sinkende Impfraten, aber auch bei Krankheiten wie Tuberkulose und HIV mussten die Behandlungszentren teilweise schließen, weil das Personal mit COVID beschäftigt war“, sagte sie. 

In Deutschland werden 97 Prozent des Gesundheitsbudgets für Behandlungen ausgegeben und nur ein sehr geringer Teil für die Prävention, so Tüzel. 

„Wenn wir in die Prävention von Krankheiten investieren, könnten wir verhindern, dass Menschen krank werden. Logischerweise würde dies die Regierungen vor anderen Gesundheitskosten wie zum Beispiel Pflegekosten bewahren“, fügte sie hinzu.

Zur Veranschaulichung erklärte die ECDC-Direktorin, dass Händewaschen eine grundlegende Geste im täglichen Leben sei, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Prävention müsse also nicht mit großen finanziellen Belastungen verbunden sein.

Sie fügte hinzu, dass jeder seinen Teil zur Vorbeugung beitragen sollte, wobei sie die Verantwortung von Schulen und Arbeitgeber:innen hervorhob. 

„Die Pandemie hat uns viele Instrumente und Erkenntnisse gebracht, da wir täglich die Daten zu COVID-19 verfolgen. Diese Instrumente werden für bestimmte Krankheitsbereiche zur Prävention nützlich werden. Wir müssen sie auf das nächste Level bringen“, schloss Aylin Tüzel. 

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna and Nathalie Weatherald]