EU-Behörde warnt vor Vergiftungen durch Botox zum Abnehmen

Die EU-Behörde für übertragbare Krankheiten hat Ausbrüche von Botulismus in ganz Europa auf ein umstrittenes Verfahren zur Gewichtsabnahme mittels Botox zurückgeführt, das in der Türkei praktiziert wird und von dem medizinische Experten dringend abraten.

Euractiv.com
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Botulinum-Neurotoxin (BoNT) - auch bekannt als Botox - wird gemeinhin mit ästhetischen Eingriffen wie der Reduzierung von Falten und Zornesfalten sowie dem Anheben der Augenbrauen in Verbindung gebracht. [<a href="https://www.shutterstock.com/it/image-photo/doctor-cosmetologist-makes-botox-injections-rejuvenation-1457597297" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die EU-Behörde für übertragbare Krankheiten hat Ausbrüche von Botulismus in ganz Europa auf ein umstrittenes Verfahren zur Gewichtsabnahme mittels Botox zurückgeführt, das in der Türkei praktiziert wird und von dem medizinische Experten dringend abraten.

Botulinum-Neurotoxin (BoNT) – auch bekannt als Botox – wird häufig für ästhetische Eingriffe wie die Reduzierung von Falten oder das Anheben der Augenbrauen genutzt. Zuletzt ist jedoch noch eine weitere, weniger bekannte Anwendung populär geworden: Botox zum Abnehmen.

Bei dem Verfahren wird Botox in die Magenmuskulatur injiziert, um die Verdauung zu verlangsamen und die Dauer des Sättigungsgefühls zu verlängern. Nach der Verabreichung soll die Wirkung etwa drei Monate lang anhalten.

Trotz der Versprechungen der Kliniken, die das Verfahren anbieten, gibt es keine dokumentierten Beweise für die Wirksamkeit von Magenbotox zur Gewichtsabnahme.

Die zuständige EU-Behörde hat das Verfahren nun zudem mit einem kürzlichen Ausbruch von Botulismus in Verbindung gebracht, einer Krankheit, die durch ein Toxin verursacht wird, das die Nerven des Körpers angreift und zu Atemnot, Muskellähmung und in einigen Fällen zum Tod führt.

Bis Ende März 2023 hat das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) 87 Fälle von Botulismus mit der intragastrischen Injektion von BoNT in Verbindung gebracht.

Alle bisher in Europa gemeldeten Fälle betrafen Menschen, die in die Türkei gereist waren und sich medizinischen Eingriffen unterzogen hatten, um Gewicht zu verlieren. Private Kliniken in der Türkei werben damit, dass die Behandlung im Vergleich zu anderen Ländern günstiger ist, mit einem Preisunterschied von 40 oder 50 Prozent.

Verfahren in der EU nicht zugelassen

Der Preisunterschied zwischen der Türkei und anderen Ländern ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sowohl die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) als auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Verwendung von BoNT zur Gewichtsabnahme nicht zulassen.

„Botulinumtoxin ist in der EU zur Behandlung verschiedener Krankheiten zugelassen, darunter Muskelschmerzen, bestimmte Muskelkrämpfe, übermäßiges Schwitzen in den Achselhöhlen, zu viel Speichel und bestimmte kosmetische Eingriffe. Es ist nicht für die Gewichtsabnahme zugelassen“, bestätigte ein EMA-Sprecher gegenüber EURACTIV.

Jede Verwendung von Botox für Behandlungen zur Gewichtsabnahme gilt damit als ‚Off-Label.‘

Von Ärzten verordnete Off-Label-Anwendungen sind legal, aber bei kosmetischen Eingriffen normalerweise nicht üblich. Gleichzeitig dürfen Pharmaunternehmen nicht für Off-Label-Anwendungen werben, und die Ärzte, die sie verschreiben, sind auch für mögliche Nebenwirkungen haftbar.

„[BoNT] ist in der Regel eine sichere Behandlung, aber in diesem Fall ist bei einer Reihe unglücklicher Patienten etwas schiefgelaufen“, erklärte Alexander Miras, Arzt und Berater für Endokrinologie am Imperial College of London gegenüber EURACTIV.

Ihm zufolge sollte diese Behandlung zur Gewichtsabnahme generell vermieden werden, wenn man bedenke, wie viel sicherer andere pharmakologische, chirurgische und endoskopische Behandlungen für Adipositas heutzutage seien.

Gefährliche Symptome

Botulismus ist zwar keine häufige Krankheit, kann aber dennoch sehr gefährlich sein.

Nach Angaben des ECDC ist die Rate der Botulismusfälle in der EU im Allgemeinen niedrig und liegt bei etwa 200 Fälle pro Jahr – 0,03 Fälle pro 100.000 Menschen.

Es gibt fünf verschiedene Arten von Botulismus, von denen einige natürlich vorkommen, wie zum Beispiel der lebensmittelbedingte Botulismus, der durch verunreinigte Lebensmittel verursacht wird, oder der Säuglingsbotulismus, bei dem die Sporen im Darm von Säuglingen unter einem Jahr auskeimen.

Die Art, die mit dem Ausbruch in Europa in Verbindung steht, wird als iatrogener Botulismus bezeichnet und ist nicht auf natürliche Weise entstanden, sondern durch die übermäßige Verabreichung von BoNT-Toxinen bei medizinischen oder kosmetischen Eingriffen.

Fälle dieser Art von Botulismus, die durch medizinische Eingriffe verursacht werden, sind zwar selten, können aber sehr schwerwiegend sein und Symptome wie Müdigkeit, Schwäche, verschwommenes Sehen sowie Schluck- und Atembeschwerden hervorrufen.

In einigen Fällen benötigen die Infizierten eine intensivmedizinische Behandlung und die Verabreichung von Botulinum-Antitoxin. Selbst wenn solche Behandlungen verfügbar sind, dauert die vollständige Genesung in der Regel Wochen bis Monate.

Das ECDC empfiehlt den Menschen in der EU, Behandlungen zur Gewichtsabnahme in der Türkei zu vermeiden und warnt vor den damit verbundenen Risiken, an Botulismus zu erkranken.

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]