EU-Fischereisektor hofft auf neue Beziehungen mit Vereinigten Königreich

Der Sieg der Labour-Partei bei den britischen Parlamentswahlen hat nach Ansicht der europäischen Fischereiindustrie die Aussicht auf eine Harmonisierung und Zusammenarbeit mit der EU geschaffen. Allerdings bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Verbote in Meeresschutzgebieten.

Euractiv.com
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Seit dem Brexit hat die EU-Flotte neue Fischereirechte in britischen Gewässern erhalten. Gemäß dem Abkommen muss sie jedoch bis Juni 2026 25 Prozent ihrer Fangquoten zurückgeben. [James Pearce / Shutterstock]

Der Sieg der Labour-Partei bei den britischen Parlamentswahlen hat nach Ansicht der europäischen Fischereiindustrie die Aussicht auf eine Harmonisierung und Zusammenarbeit mit der EU geschaffen. Allerdings bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der Verbote in Meeresschutzgebieten.

Wir „begrüßen den Wunsch der neuen britischen Regierung nach einer engeren Beziehung zur EU, da das Vereinigte Königreich ein wichtiger und strategischer Partner bleibt“, erklärte Europêche, Europas führendes industrielles Fischereiunternehmen, gegenüber Euractiv.

Die Labour-Partei hatte im Wahlkampf eine Angleichung der Rechtsvorschriften und eine „vernünftige“ Beziehung zur EU versprochen. Nach ihrem Sieg bei den jüngsten britischen Wahlen hat die europäische Fischereiindustrie hohe Erwartungen an die neuen Beziehungen zum Vereinigten Königreich.

Das Handels- und Kooperationsabkommen (TCA) zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich steht 2026 zur Erneuerung an. Der Fischereisektor der EU hofft, dass die anstehenden Verhandlungen es ihm ermöglichen werden, den gegenseitigen Zugang zu den britischen Märkten und Gewässern zu erhalten.

Seit dem Brexit hat die EU-Flotte neue Fischereirechte in britischen Gewässern erhalten. Gemäß dem Abkommen muss sie jedoch bis Juni 2026 25 Prozent ihrer Fangquoten zurückgeben.

Druck von Umwelt-NGOs

Auch Umweltgruppen haben den Regierungsantritt der Labour-Partei begrüßt. Sie werden darauf drängen, dass die von ihr gemachten Umweltzusagen eingehalten werden.

Sie fordern vor allem ein Ende der Grundschleppnetzfischerei, der Überfischung in britischen Gewässern und Reformen der sozialen Ungleichheiten in diesem Sektor.

„Wir brauchen dringend einen klaren, langfristigen Plan, um die Überfischung in unseren Gewässern zu beenden“, erklärte Hugo Tagholm, Exekutivdirektor von Oceana UK, gegenüber Euractiv.

Im vergangenen März kündigte die konservative britische Regierung ein Verbot dieser Praxis in 13 der 178 Meeresschutzgebiete an, die insgesamt 4.000 Quadratkilometer umfassen.

„Wir müssen nun die Details dieser Zusagen kennen und wir sind bereit, die Regierung bei dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen.“

Die Umwelt steht im Mittelpunkt des Labour-Programms. So sollen die Produktion von Rohstoffen, die Landwirtschaft und die Fischerei dekarbonisiert werden. Zudem soll Energie eingespart und die Verabschiedung des von den Vereinten Nationen vorgelegten Hochseeabkommens im Jahr 2023 ratifiziert werden.

Dieses Abkommen zielt darauf ab, bis 2030 30 Prozent der Ozeane zu schützen, insbesondere auf hoher See außerhalb nationaler Gerichtsbarkeiten. Dazu sollen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden, zu denen auch die Einrichtung von Meeresschutzgebieten (MPA) gehört.

Zusammenarbeit und Harmonisierung

Die europäische Fischereiindustrie möchte den möglichen Beginn einer neuen Phase des Dialogs zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich nutzen, um die Harmonisierung der Umweltstandards zu intensivieren. Damit sollen „fairer Wettbewerb und nachhaltige Praktiken“ auf beiden Seiten des Ärmelkanals gewährleistet werden.

Die neue Regierung in London sollte nach Ansicht der Fischereiindustrie mit der EU zusammenarbeiten, um eine „gemeinsame Verwaltung“ der Fischbestände einzurichten.

Initiativen wie die Ankündigung des Vereinigten Königreichs, die Zahl der Meeresschutzgebiete zu erhöhen, und das vorgeschlagene Verbot der Grundschleppnetzfischerei in allen Meeresschutzgebieten, die sich auf die EU-Flotten auswirken, gingen laut Europêche „nicht in diese Richtung.“

Derzeit läuft ein diplomatischer Kampf zwischen den EU-Mitgliedstaaten und dem Vereinigten Königreich über das Fischereiverbot in britischen Meeresschutzgebieten.

Europêche forderte die neue britische Regierung auf, „diesen pauschalen Ansatz zu überdenken und stattdessen Fischereibeschränkungen von Fall zu Fall zu unterstützen, die sich an den ökologischen Erfordernissen des Schutzgebiets orientieren, wie vom Rat der EU und dem Europäischen Parlament vorgeschlagen.“

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Rajnish Singh/Kjeld Neubert]