EU-Gesundheitskommissar fordert Etikettierung aller Alkoholika

Die Kommission fordert, dass eine von der Getränkeindustrie vorgeschlagene Selbstregulierung alle erhältlichen alkoholischen Getränke umfassen muss.

EURACTIV.com
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Die Gesundheitsorganisation Eurocare ist sich sicher: „Gerade auf Weinflaschen gibt es mehr als genug Platz, um Informationen für die Konsumenten bereitzustellen.“

Die Europäische Kommission stellt Forderungen an die Getränkeindustrie: Deren vorgeschlagene Selbstregulierung und Kennzeichnung von Alkoholprodukten müsse alle alkoholischen Getränke umfassen, um Verwirrung der Konsumenten zu vermeiden.

Unter der derzeitigen Gesetzgebung müssen auf alkoholhaltigen Getränken keine Angaben zu Zutaten und Nährwerten angezeigt werden, wie es bei vielen anderen Lebensmittelprodukten der Fall ist.

Am 13. März hatte die Europäische Kommission der Alkoholindustrie ein weiteres Jahr Zeit gegeben, um freiwillig ein eigenes System zu etablieren, unter dem diese Angaben gemacht werden.

Die Organisation European Alcohol Policy Alliance (Eurocare) äußerte gegenüber EURACTIV.com allerdings Bedenken: Eine solche Selbstregulierung könne nur innerhalb eines bestehenden Gesetzesrahmens funktionieren. „Wir sind sehr enttäuscht von der Reaktion einiger Getränkeproduzenten, beispielsweise der Weinerzeuger. Sie wenden Verzögerungs- und Ablenkungstaktiken an, die an das Verhalten der Tabakindustrie erinnern“, sagte Eurocare-Generalsekretärin Mariann Skar.

Alle Getränke müssen berücksichtigt werden

In Reaktion auf eine schriftliche Anfrage der kroatischen EU-Parlamentarierin Biljana Borzan (S&D) machte der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Vytenis Andriukaitis deutlich, dass sich die Vorschläge für Selbstregulierung und Kennzeichnung auf den gesamten Alkoholmarkt beziehen müssen: „Die Kommission verlangt, dass alle Arten alkoholischer Getränke in diesem Ansatz berücksichtigt werden, um Missverständnisse oder Verwirrung bei den Konsumenten zu vermeiden, und um Vergleiche zwischen den verschiedenen Getränken möglich zu machen“, erklärte der litauische Kommissar.

EU-Quellen erklärten gegenüber EURACTIV kürzlich, dass die Kommission eine Folgenabschätzung starten werde, falls die Industrie keinen ausreichenden Vorschlag macht. In dieser Abschätzung würden Gesetzesänderungen sowie nicht-regulierende Optionen untersucht.

Physische und Online-Label

Die Getränkeindustrie hat bereits vorgeschlagen, Informationen über Zutaten und Nährwerte online zugänglich zu machen – und nicht auf Flaschen. Dies würde den Verbrauchern Zugang zu weiterreichenden Informationen ermöglichen.

Eurocare hält reine Online-Informationen aber für nicht ausreichend: „Das Argument, auf den Flaschenetiketten sei nicht genug Platz, ist nicht haltbar. Gerade auf Weinflaschen gibt es mehr als genug Platz, um Informationen für die Konsumenten bereitzustellen,” teilte Eurocare mit. Auch die erhöhten Druckkosten für die Etiketten seien kein hinnehmbarer Grund.

Dr. Ignacio Sánchez Recarte, Generalsekretär der Vereinigung europäischer Weinerzeuger (CEEV – Comité Européen des Entreprises Vins), sagte EURACTIV, der Weinsektor unterstütze eine Anpassung der Kennzeichnungen und einen „maßgeschneiderten, innovationsbasierten“ Ansatz.

„Wir sehen die Notwendigkeit, die Informationsweitergabe an die Verbraucher anzupassen. Die Kennzeichnung muss aber den spezifischen Charakteristiken unserer Produkte entsprechen“, so Recarte. Er verwies darauf, dass es nicht „das eine Rezept für Wein” gebe und dass es je nach Erntejahrgang zu Unterschieden beim Endprodukt kommen kann.

Er erinnerte außerdem daran, dass es gerade im Weinsektor eine große Zahl Klein- und Kleinstbetriebe gibt. Daher sollte eine Online-Kennzeichnung statt individueller Informationen auf den Flaschen „nicht ausgeschlossen und eher als Teil der Lösung angesehen werden.“