EU-Gesundheitsminister wollen koordiniertes Vorgehen bei zweitem Booster

Eine Gruppe von EU-Staaten hat die EU-Kommission aufgefordert, einen koordinierten Ansatz bei der Verabreichung einer vierten Impfstoffdosis zu verfolgen, da sich bereits jetzt große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten abzeichnen.

EURACTIV.com
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Am Dienstag (29. März) trafen sich die EU-Gesundheitsminister:innen in Brüssel, um über die nächsten Schritte der EU-Impfstoffstrategie sowie über die Gesundheitskrise in der Ukraine zu diskutieren. [<a href="https://newsroomcdnakamai.azureedge.net/photo-files/md/ae769d49-b985-4231-a78d-8181e997d73b.jpg" target="_blank" rel="noopener">[EU Council]</a>]

Eine Gruppe von EU-Staaten hat die Europäische Kommission aufgefordert, einen koordinierten Ansatz bei der Verabreichung einer vierten Corona-Impfstoffdosis zu verfolgen. Bereits jetzt zeichnen sich große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten ab.

Während des Treffens der EU-Gesundheitsminister:innen am Dienstag (29. März) in Brüssel setzten sich Deutschland und Italien für eine einheitliche Position ein, sowohl was den Zeitpunkt als auch was die Bevölkerungsgruppen betrifft, denen die vierte Dosis verabreicht werden soll.

„Uneinheitliche Entscheidungen in den verschiedenen europäischen Ländern verwirren die Menschen und sind nicht hilfreich für die Impfkampagnen“, sagte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza nach dem Treffen.

Die EU-Staaten sind in Bezug auf eine zweite Auffrischungsimpfung besonders uneins. Einige Mitgliedstaaten verabreichen bereits die vierte Dosis für immunsupprimierte Personen, während andere die Möglichkeit einer solchen Impfung für Personen über 60 oder 75 Jahre diskutieren.

Es gibt auch EU-Länder, die die zweite Auffrischungsimpfung noch nicht eingeführt haben, da die EU-Arzneimittelagentur (EMA) derzeit noch an einer Einschätzung arbeitet.

Impfstoffentwickler, darunter das deutsche Unternehmen BioNTech und der US-Pharmariese Pfizer, sind davon überzeugt, dass eine vierte Dosis erforderlich ist. Die US-Behörden haben am Dienstag (29. März) bereits eine zweite Corona-Auffrischungsimpfung beider Unternehmen für über 50-Jährige zugelassen.

Schnelle Einigung erwartet

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides antwortete den Minister:innen, dass die EU-Gesundheitsbehörden derzeit alle Daten prüfen und sehr bald zeitnahe Empfehlungen vorlegen werden.

„In den nächsten Tagen, nächste Woche wäre großartig. Wir werden hoffentlich in der Lage sein, eine koordinierte, harmonisierte Position zu haben“, sagte der französische Gesundheitsminister Oliver Véran, der die rotierende Präsidentschaft des EU-Gesundheitsrates innehat.

Kyriakides schloss sich Vérans Worten an und betonte, dass die Zeit dränge. „Es ist sehr wichtig, dass wir eine gemeinsame und rechtzeitige Strategie haben, insbesondere in Vorbereitung auf den kommenden Winter“, fügte sie hinzu.

Sie verwies auf neue Daten aus Israel, die zeigen, dass die vierte Dosis den Schutz in der älteren Bevölkerung und bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem verbessern könnte.

Véran verwies auf weitere Studien über den zweiten Booster, die derzeit in Frankreich und Deutschland durchgeführt werden und die wissenschaftliche Debatte bereichern könnten. „Wir denken, dass wir einen Konsens finden können“, sagte er.

„Unsere Impfstoffversorgung ist auf jeden Fall gesichert“, versicherte Kyriakides. Es sei wichtig, in dieser Situation klare, kohärente Botschaften zu senden.

Ukraine schafft eine „weitere Ebene der Dringlichkeit“

Kyriakides forderte die EU-Länder auf, wachsam zu bleiben. Die Impfkampagne solle umbedingt fortgesetzt werden, da die COVID-19-Pandemie noch nicht überstanden sei und „die Impfung heute genauso wichtig ist wie vor einigen Monaten“.

„Bedauerlicherweise stagniert die Zahl der Impfungen jetzt, wo die Beschränkungen aufgehoben werden“, so Kyriakides weiter. „Und das ist verständlich. Die Menschen sind müde, die Wirtschaft erschöpft.“

Sie wies jedoch darauf hin, dass bereits 72 Prozent der EU-Bevölkerung die erste Impfung und mehr als 52 Prozent die Auffrischungsdosis erhalten haben. Dennoch gebe es immer noch mehr als 100 Millionen ungeimpfte oder nur teilweise geimpfte Menschen in Europa.

„Die Impfung ist nach wie vor unser bestes Mittel im Kampf gegen die Pandemie, und wir müssen für die Herbst- und Wintermonate gerüstet sein“, so die EU-Gesundheitskommissarin.

Kyriakides betonte auch, dass die Ankunft von Millionen von Menschen aus der Ukraine „unsere Arbeit noch dringlicher macht.“ Dabei geht es nicht nur um COVID-19. So müsse beispielsweise die niedrige Impfrate bei vermeidbaren Krankheiten wie Tuberkulose, Polio und Masern, insbesondere bei Kindern, angegangen werden.

Die Kommission hat ein System eingerichtet, um Spenden, die auch aus dem privaten Sektor kommen, direkt in die Ukraine und ihre Nachbarländer zu leiten.

Kyriakides kündigte an, dass die neue Dienststelle der GD HERA der Kommission für Gesundheitsvorsorge 200.000 Diphtherie- und Tetanusimpfstoffe des französischen Unternehmens Sanofi für die Ukraine beschafft hat. Gleichzeitig werden weitere 70.000 Impfstoffe über das EU-Katastrophenschutzverfahren an die Tschechische Republik, die Slowakei und Moldawien geliefert.

[Bearbeitet von Alice Taylor]