EU-Importe von russischem Gas übertreffen US-Lieferungen

Die EU-Länder haben im zweiten Quartal 2024 mehr Gas aus Russland importiert als aus den USA. Dies war vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht der Fall.

Euractiv.com
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Russland war einst der größte Gaslieferant Europas. [Shutterstock/Baloncici]

Die EU-Länder haben im zweiten Quartal 2024 mehr Gas aus Russland importiert als aus den USA. Dies war vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht der Fall.

Russland war einst Europas größter Gaslieferant. Doch als der Kreml nach dem Einmarsch in die Ukraine seine Gaslieferungen einstellte, übernahm Norwegen den ersten Platz als Gaslieferant. Danach folgten die USA, die ihre Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) erhöhten, um die Versorgung der EU sicherzustellen.

Dennoch „importierte die EU im zweiten Quartal 2024 12,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland, was größer war als die gesamten Importe aus Amerika (12,2 Milliarden Kubikmeter)“, erklärte Ben McWilliams, Affiliate Fellow beim Brüsseler Think-Tank Bruegel, gegenüber Euractiv.

„Dies war das erste Mal seit fast zwei Jahren, dass die Importe aus Russland größer waren als die aus Amerika“, fügte er hinzu. Die Welt berichtete erstmals am Sonntag (1. September) über diese Entwicklung.

Der Experte erklärte, dass „die Verschiebung größtenteils auf einen Rückgang der amerikanischen LNG-Importe in den letzten Monaten zurückzuführen ist.“ Eine Kombination aus vollen Gasspeichern – die Anlagen in der EU sind durchschnittlich zu 92,4 Prozent gefüllt – und einer geringen Nachfrage im Sommer habe zu einem „geringeren ‚Spot‘-Käufen von amerikanischem Gas“ geführt.

Länder wie Österreich, Ungarn und die Slowakei sind durch langfristige, unflexible Verträge an russische Gaslieferungen gebunden. Bei den amerikanischen LNG-Lieferanten besteht keine vergleichbare Verflechtung, so dass die Nachfrage eine größere Rolle spielt.

Zwei Drittel der russischen Gasimporte fließen durch die Transitgasleitung durch die Ukraine und die Turkstream-Pipeline. Über diese Pipelines wird das Gas direkt zu den Abnehmern in den EU-Staaten gepumpt. Das letzte Drittel der 12,8 Milliarden Kubikmeter wird als supergekühltes Flüssiggas vor allem zu spanischen, belgischen und französischen Häfen transportiert.

„Russisches Gas zu importieren ist gleichbedeutend mit der Unterstützung der russischen Kriegswirtschaft und ihres Krieges gegen die Ukraine“, sagte Ville Niinistö, ein finnischer Europaabgeordneter der Grünen, der sich bei diesem Thema sehr stark engagiert hat.

„Wir müssen uns weiterhin für ein totales Verbot von russischem Gas auf den EU-Märkten einsetzen und seine Märkte in anderen Teilen der Welt so weit wie möglich begrenzen“, erklärte er gegenüber Euractiv.

Ein EU-weites Verbot für russisches Gas hat sich seit 2022 als politisch nicht durchsetzbar erwiesen, da mehrere Mitgliedstaaten mit einem Veto gegen einen solchen Schritt gedroht haben. Dank einer Überarbeitung der EU-Gasmarktregeln im Jahr 2023 können die EU-Staaten nun russisches Gas auf individueller Basis verbieten.

Österreich, das nach wie vor stark von russischen Gaslieferungen abhängig ist, hat sich beispielsweise Ende August in einer Aktualisierung seiner nationalen Sicherheitsstrategie unverbindlich dazu verpflichtet, „die russischen Erdgaslieferungen bis 2027 schrittweise auslaufen zu lassen.“

[Bearbeitet von Donagh Cagney/Martina Monti/Daniel Eck]