EU-Investitionsbank warnt: BRICS ist Alternative für Entwicklungsländer
Der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Werner Hoyer, hat davor gewarnt, dass der Westen Gefahr läuft, das Vertrauen des globalen Südens zu verlieren. Andere Länder könnten einspringen, wenn der Westen nicht dringend seine eigenen Unterstützungsbemühungen intensiviert.
Der Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB), Werner Hoyer, hat davor gewarnt, dass der Westen Gefahr läuft, das Vertrauen des globalen Südens zu verlieren. Andere Länder könnten einspringen, wenn der Westen nicht dringend seine eigenen Unterstützungsbemühungen intensiviert.
Der Vorsitzende des wichtigsten Geldgebers der Europäischen Union, forderte die Kreditvergabe deutlich zu erhöhen. Er erklärte, dass der BRICS-Gipfel in dieser Woche in Südafrika und die neue Entwicklungsbank der Gruppe – die so genannte BRICS-Bank – eine Bestrebung darstellt, diese zu einer Alternative zu den etablierten westlichen multilateralen Kreditgebern zu machen.
„Es sollte Anlass zur Sorge geben, dass eine wachsende Zahl kleinerer Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika, sich an Länder wie China und andere Schwellenländer wenden, um Unterstützung zu erhalten, und nicht an die traditionellen westlichen Institutionen“, sagte Hoyer gegenüber Reuters.
Mit der finanziellen Unterstützung der 27 EU-Mitgliedsländer im Rücken, verfügt die EIB über die größte Schlagkraft unter den multilateralen Entwicklungsbanken der Welt. Über ihre Tochtergesellschaft EIB Global investiert sie jährlich rund 10 Milliarden Euro in Entwicklungsländer.
Hoyers Äußerungen sind die bisher deutlichsten eines hochrangigen EU-Beamten über die Bemühungen der BRICS-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), deren Union zu erweitern und sie zu einem globalen Gegengewicht zum Westen zu machen.
Er sagte, die Zahl der Entwicklungsländer, die eine neutrale Haltung zu Russlands Einmarsch in der Ukraine im vergangenen Jahr eingenommen hätten, zeige auch, wie schwierig es für den Westen sei, das Vertrauen dieser Länder zu behalten.
„Die jüngsten Abstimmungen in der Generalversammlung der Vereinten Nationen haben bereits deutlich gemacht, dass wir Gefahr laufen, das Vertrauen des globalen Südens zu verlieren, wenn wir nicht mehr tun und dort sichtbarer werden“, sagte Hoyer.
Die Treffen der Vereinten Nationen im nächsten Monat, einschließlich eines Gipfeltreffens zur nachhaltigen Entwicklung, böten den westlichen Institutionen die Gelegenheit, sich zu zeigen. Sie müssten demonstrieren, dass sie willens und in der Lage seien, den ärmeren Ländern mehr Unterstützung zukommen zu lassen, so Hoyer.
Der verstärkte Fokus auf die Erweiterung der BRICS-Gruppe und ihrer Bank kommt daher, dass sich viele Entwicklungsländer in ihrem Kampf gegen die COVID-19-Pandemie, Schulden, Energiekosten und den Klimawandel vom Westen „im Stich gelassen fühlen“, fügte er hinzu.
Die ‚Neue Entwicklungsbank‘ mit Hauptsitz in Shanghai wurde 2015 von den BRICS-Mitgliedern gegründet. Bangladesch, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten sind seither beigetreten. Algerien, Argentinien, Äthiopien, Honduras, Iran, Marokko, Saudi-Arabien, Uruguay und Simbabwe befinden sich in Gesprächen, um Mitglieder zu werden.
„Dies ist ein Zeichen für etwas, dem sich Europa und die westlichen Institutionen dringend stellen müssen“, sagte Hoyer über die wachsende Bedeutung der Bank.
„Wenn wir keine echte Partnerschaft anbieten und keine überzeugenderen Wege finden, um die Herausforderungen des globalen Südens anzugehen – sei es bei der Energiewende, dem Problem der Verschuldung oder der Bekämpfung der eklatanten Ungleichheit im Gesundheitsbereich -, dann steuern wir auf Schwierigkeiten zu.“
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]