EU-Klimaziele: Analysten erwarten CO2-Preis von 400 Euro

Der neue EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra hat sich dafür ausgesprochen, die Treibhausgasemissionen bis 2040 europaweit um 90 Prozent zu senken. Analysten erwarten, dass der CO2-Preis damit die 400-Euro-Marke überschreiten wird.

Euractiv.com
ENVI ITRE AFET DEVE – Hearing of Wopke HOEKSTRA, Commissioner-designate for Climate Action – Press point
"Wir werden eine Emissionsreduzierung von mindestens 90 Prozent bis 2040 anstreben", so der designierte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra (Bild) in einer schriftlichen Erklärung an die EU-Abgeordneten. [<a href="https://multimedia.europarl.europa.eu/en/photo/envi-itre-afet-deve-hearing-of-wopke-hoekstra-commissioner-designate-for-climate-action_20231002_EP-156387B_PHB_PST_810" target="_blank" rel="noopener">Copyright: © European Union 2023 - Source : EP</a>]

Der neue EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra hat sich dafür ausgesprochen, die Treibhausgasemissionen bis 2040 europaweit um 90 Prozent zu senken. Analysten erwarten, dass der CO2-Preis damit die 400-Euro-Marke überschreiten wird.

Hoekstra erhielt am Mittwoch (4. Oktober) die Unterstützung des Umweltausschusses des EU-Parlaments und wurde am Donnerstag in einer Plenarabstimmung in Straßburg vom Parlament offiziell in seinem neuen Amt bestätigt.

Während einer Parlamentsanhörung Anfang dieser Woche wurde der ehemalige niederländische Außenminister von Grünen und Sozialdemokraten unter Druck gesetzt. Er solle Einsatz für eine ehrgeizige EU-Klimapolitik zeigen, indem er bereits jetzt zum Klimaziel für 2040 Stellung nimmt, welches Anfang nächsten Jahres vorgelegt werden soll.

Seine Antwort folgte unmissverständlich: „Wir werden eine Emissionsreduzierung von mindestens 90 Prozent bis 2040 anstreben“, so Hoekstra in einer schriftlichen Erklärung an die EU-Abgeordneten.

Das Klimaziel für 2040 bestimmt auch die Menge der CO2-Zertifikate im Rahmen des europäischen Emissionshandels, welcher die CO2-Emissionen großer Industrieunternehmen deckelt.

Analysten der London Stock Exchange Group (LSGE) erwarten, dass ein 90-Prozent-Ziel den CO2-Preis im EU-Emissionshandel bis 2040 auf über 400 Euro steigen lassen wird.

Der CO2-Preis im Rahmen des europäischen Emissionshandels liegt derzeit bei 81 Euro pro Tonne, nachdem er im Februar dieses Jahres mit 100 Euro pro Tonne seinen Höchststand erreicht hatte.

Bei dem derzeitigen Ziel, die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent zu senken, wird der CO2-Preis in der EU bis zum Ende des Jahrzehnts voraussichtlich auf 160 Euro pro Tonne steigen, so die jüngste Analyse von LSGE.

„Das 90-Prozent-Ziel der EU für die Dekarbonisierung wird – wenn es erreicht wird – zu einer nahezu vollständigen Dekarbonisierung in der gesamten Energie-, Produktions-, Transport- und Bauindustrie führen und ein Emissionshandelssystem schaffen, das sich wahrscheinlich stark von dem jetzigen Handelssystem unterscheiden wird“, sagte Paula Van Laningham, Leiterin von LSEG Carbon Research, in einer Erklärung.

„Es ist wichtig zu betonen, dass der Preis von 400 Euro pro Tonne nicht die Kosten der Dekarbonisierung darstellt, sondern vielmehr die potenziellen Kosten für die Unternehmen, die nicht im Rahmen des 90-Prozent-Ziels umsteigen“, so Van Laningham weiter.

Vorschlag soll Anfang 2024 vorgelegt werden

Die Europäische Kommission wird voraussichtlich im ersten Quartal nächsten Jahres ihren Plan für das Klimaziel 2040 vorlegen. Dieser Vorschlag wird schließlich den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament zur Genehmigung vorgelegt.

Hoekstra sagte, dass der Vorschlag der Kommission für 2040 vom europäischen wissenschaftlichen Beirat für Klimawandel ausgewertet werden wird, der sich in einer im Juli vorgelegten Stellungnahme für eine Zielspanne von 90 bis 95 Prozent ausgesprochen hat.

„Natürlich werden wir eine gründliche Folgenabschätzung durchführen und verschiedene Szenarien, Möglichkeiten der Emissionsreduzierung, Kosten und Nutzen analysieren“, sagte Hoekstra den Abgeordneten während seiner Parlamentssitzung am Montag. Er fügte hinzu, dass das 2040-Ziel der Kommission eine gemeinsame Entscheidung der 27 EU-Kommissare sein wird.

„Ich kann Ihnen aber meine klare Zusage geben: Ich werde im Einklang mit den Empfehlungen des Beirats handeln. Ich werde alle verfügbaren Mittel einsetzen, um das empfohlene Reduktionsziel von mindestens 90 Prozent für die EU zu erreichen. Und ich werde mich dafür einsetzen, dass unsere Industrie mitzieht“, sagte er den Abgeordneten.

Das 90-Prozent-Ziel wurde auch von Maroš Šefčovič unterstützt, dem slowakischen EU-Kommissar, der bisher für die interinstitutionellen Beziehungen in der Kommission zuständig war und nun mit der Gesamtkoordination der europäischen Umweltpolitik beauftragt wurde.

„Die Analyse der Folgenabschätzung für das Klimaziel 2040 ist bereits in vollem Gange“, sagte Šefčovič in seinen schriftlichen Erklärungen an das Europäische Parlament. Er fügte hinzu, dass „das Ziel für 2040 und das entsprechende CO2-Budget einen klaren Kurs für den Zeitraum zwischen 2030 und 2040 vorgeben und damit sowohl den Wirtschaftsakteuren als auch den Bürgern Klarheit und Planbarkeit bieten werden“.

Auf die Frage, ob die Stellungnahmen der beiden designierten Kommissare für Brüssel verbindlich seien, sagte ein EU-Sprecher, dass Entscheidungen in der EU-Kommission immer „kollegial“ unter den 27 Kommissaren getroffen würden und dass er dem Ergebnis nicht vorgreifen könne.

„Es sind nicht ein oder zwei Kommissare, die dieses Ziel festlegen“, sagte Tim McPhie, der Sprecher der Kommission für Klimafragen. „Aber ich denke, was sie hier sehen, ist eine sehr klare Linie der beiden Kommissare in dieser Frage“, sagte er bei der regulären Pressekonferenz am Mittwoch.

Der EU-Emissionshandel wurde in diesem Jahr reformiert, um die Klimaziele der EU für 2030 zu erreichen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]