EU-Kommission legt Strategie für psychische Gesundheit vor

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch (7. Juni) ihre Strategie für psychische Gesundheit vorgestellt. 20 "Leitinitiativen" sollen mit 1,23 Milliarden Euro finanziert werden.

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Press conference by Margarítis Schinás and Stella Kyriakides o
"Wir müssen auch sicherstellen, dass wir Zugang zu Diensten haben, die in der Lage sind, diejenigen zu unterstützen, die sich zu Wort melden", sagte Kyriakides (Bild). Sie fügte hinzu, dass dies nicht nur in medizinischen Einrichtungen, sondern beispielsweise auch in Schulen oder am Arbeitsplatz geschehen müsse. [<a href="https://audiovisual.ec.europa.eu/en/photo/P-061316~2F00-16" target="_blank" rel="noopener">[EC - Audiovisual Service]</a>]

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch (7. Juni) ihre Strategie für psychische Gesundheit vorgestellt. 20 „Leitinitiativen“ sollen mit 1,23 Milliarden Euro finanziert werden.

Die Strategie, die die EU-Kommission im September im Rahmen der jährlichen Rede zur Lage der Union angekündigt hatte, zielt darauf ab, die psychische Gesundheit in alle Politikbereiche zu integrieren, von Bildung und Umwelt bis hin zu Beschäftigung und der digitalen Welt.

„Hindernisse für eine gute psychische Gesundheit können nicht allein innerhalb des Gesundheitssystems überwunden werden“, heißt es in der Strategie der Kommission, die mit 20 Leitinitiativen die Risikofaktoren für psychische Erkrankungen angehen will. Diese werden mit Mitteln aus verschiedenen Finanzinstrumenten in Höhe von 1,23 Milliarden Euro unterstützt.

Der Vorschlag konzentriert sich insbesondere auf die Förderung der psychischen Gesundheit, die Prävention und Frühintervention, die psychische Gesundheit von Jugendlichen und gefährdeten Gesellschaftsgruppen sowie das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Darüber hinaus geht es um die Systeme der psychischen Gesundheit und die Überwindung der Stigmatisierung, welche es mit einem globalen Ansatz erreichen will.

Die EU-Kommission will nicht nur das Stigma der psychischen Gesundheit überwinden, sondern betont auch, wie wichtig es ist, die Kapazitäten und die Zugänglichkeit von Gesundheitsdiensten zu verbessern.

„Wir müssen auch sicherstellen, dass wir Zugang zu Diensten haben, die in der Lage sind, diejenigen zu unterstützen, die sich zu Wort melden“, sagte Kyriakides. Sie fügte hinzu, dass dies nicht nur in medizinischen Einrichtungen, sondern beispielsweise auch in Schulen oder am Arbeitsplatz geschehen müsse.

Suizidprävention

„Es geht um Prävention, aber auch um Zugang, und das ist ein horizontales Thema in unserem Ansatz“, sagte sie.

Die Kommission hat angekündigt, dass sie sechs Millionen Euro für die Entwicklung und Umsetzung von Strategien zur Depressions- und Suizidprävention in der gesamten EU bereitstellen will. Selbstmord ist nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen.

Weitere zwei Millionen Euro sind vorgesehen, um Menschen mit psychischen Problemen eine Reihe von evidenzbasierten Empfehlungen zur Verfügung zu stellen, die aktiv beworben werden und online verfügbar sein sollen.

Im darauffolgenden Jahr, 2024, will die Kommission den Aufbau eines Netzwerks für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen unterstützen und ein Präventions-Toolkit entwickeln. „Damit soll gezeigt werden, wie wichtig es ist, dass psychische Gesundheit und körperliche Gesundheit Hand in Hand gehen“, so Kyriakides.

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

In den letzten zwölf Monaten gaben 27 Prozent der Arbeitnehmenden an, unter arbeitsbedingtem Stress, Depressionen oder Angstzuständen zu leiden.

„Wir wissen, dass Stress und Burnout für rund die Hälfte aller verlorenen Arbeitstage verantwortlich sind, und das ist wirklich nicht akzeptabel“, sagte Kyriakides. „Zur Arbeit zu gehen sollte nicht krank machen.“

Die Kommission will deshalb eine Initiative auf EU-Ebene zu den psychosozialen Risiken von Burnout vorlegen, um das Bewusstsein für die psychische Gesundheit in Unternehmen zu schärfen.

In einer Erklärung zu diesem Vorschlag bezeichnete die Gewerkschaft EUROCADRES die Sensibilisierungsinitiative jedoch als eine „zahnlose Initiative, die zum Scheitern verurteilt ist.“

„Die Bewusstseinsbildung hat bisher keine Ergebnisse gebracht, und es gibt keinen Beweis dafür, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen. Die Kommission hat zwar auf eine ‚mögliche künftige EU-Initiative zu psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz‘ verwiesen, doch für viele Arbeitnehmer wird sie zu spät kommen“, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft, Nayla Glaise. Sie fordert gesetzliche Garantien.

Ein Ansatzpunkt

Die Anerkennung des Ausmaßes arbeitsbedingter psychischer Gesundheitsprobleme in der EU folgt auf eine Resolution des Europäischen Parlaments zur psychischen Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt aus dem Jahr 2022. Die Kommission reagiert mit dieser Strategie auf diese Forderung.

Die Berichterstatterin der Resolution des Parlaments, die irische EVP-Abgeordnete Maria Walsh, bezeichnete den horizontalen und ganzheitlichen Ansatz der Kommission als „einen guten Ausgangspunkt.“

„Ich freue mich, dass gefährdete Gruppen und junge Menschen sowie die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ausdrücklich erwähnt werden. Für die Zukunft wünsche ich mir eine EU-weite Kampagne zur Bekämpfung der Stigmatisierung der psychischen Gesundheit und nicht nur nationale Maßnahmen zu diesem Thema“, sagte sie.

Sie fügte hinzu, dass „die Kommission einen Überblick über die Kapazitäten der Gesundheitssysteme in den Mitgliedstaaten für den Umgang mit Fragen der psychischen Gesundheit geben sollte.“

Raymond Gemen, politischer Leiter der European Public Health Alliance (EPHA), warnte jedoch, dass die Benennung der Probleme, mit denen „rassifizierte und ausgegrenzte Gruppen konfrontiert sind, ohne zusätzliche Finanzmittel nicht ausreicht.“

„Wir brauchen ein entschlossenes Engagement und zweckgebundene Finanzmittel, um nachhaltige Interventionen zu gewährleisten, die sich mit Themen wie Antirassismus, Obdachlosigkeit und sozialer Ausgrenzung befassen; um nicht nur die psychische Gesundheit zu fördern, sondern auch die Ursachen für psychische Gesundheitsprobleme zu bekämpfen und die Bereitstellung zugänglicher Dienste sicherzustellen“, betonte er.

Der tschechische Europaabgeordnete Mikulaš Peksa, Mitglied der kürzlich gegründeten Aktionsgruppe des Europäischen Parlaments für die medizinische Verwendung von Psychedelika, begrüßte zwar den Fokus der Kommission auf Kinder und Jugendliche, Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt und von Konflikten betroffene Bevölkerungsgruppen in der Ukraine, zeigte sich aber dennoch enttäuscht.

„Ein entscheidender Aspekt […] fehlt – der Zugang zu Psychedelika-gestützter Psychotherapie“, sagte der Abgeordnete der Grünen gegenüber EURACTIV.

„Diese [Initiative] sollte nicht als europäische Wunderwaffe betrachtet werden“, erklärte Kommissionsvizepräsidentin Margaritas Schinas während eines Pressegesprächs. Er fügte hinzu, dass die vorgestellte Initiative zur psychischen Gesundheit nur der Anfang sei.

Als Reaktion auf diese Bemerkung erklärte Mental Health Europe (MHE) gegenüber EURACTIV: „So sehen wir das auch: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, wohl wissend, dass der Weg noch lang ist, aber wir müssen ihn beharrlich gehen.“

Für die Zukunft erhofft sich MHE klare Ziele für die Mitgliedstaaten, Benchmarks, Indikatoren und Mechanismen zur Überwachung des Fortschritts, denn „wie sollen wir sonst einen kohärenten, koordinierten Ansatz haben, der niemanden in Europa zurücklässt?“

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]