EU-Kritik an Facebook-Gesichtserkennung

Facebook im Visier der Datenschützer: Die umstrittene Freischaltung der automatischen Gesichtserkennung für Nutzer aus EU-Staaten wird nun von der EU-Kommission untersucht. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hält das Vorgehen von Facebook nach deutschem und europäischem Recht "mindestens für fragwürdig".

Die umstrittene automatische Gesichtserkennung bei Facebook hat Deutschland erreicht. Die EU leitet nun eine Untersuchung ein. Foto: dpa
Die umstrittene automatische Gesichtserkennung bei Facebook hat Deutschland erreicht. Die EU leitet nun eine Untersuchung ein. Foto: dpa

Facebook im Visier der Datenschützer: Die umstrittene Freischaltung der automatischen Gesichtserkennung für Nutzer aus EU-Staaten wird nun von der EU-Kommission untersucht. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hält das Vorgehen von Facebook nach deutschem und europäischem Recht „mindestens für fragwürdig“.

Die EU-Kommission will eine Untersuchung zur Facebook-Gesichtserkennung einleiten. Dies erklärte Gérard Lommel gegenüber Bloomberg Businessweek. Lommel ist luxemburgisches Mitglied der "Artikel-29-Datenschutzgruppe". Hierbei handelt es sich um ein unabhängiges Beratungsgremium der Kommission in Datenschutzfragen.

Auch Behörden in Großbritannien und Irland seien bereits dabei, die Datenschutz-Konformität der automatischen Gesichtserkennung zu überprüfen, berichtet Businessweek.

"So etwas darf so nicht passieren"

"Das Markieren von Personen in Bildern sollte nur mit ihrer vorheriger Zustimmung möglich und nicht standardmäßig aktiviert sein", so Lommel. Die automatische Gesichtserkennung berge viele Risiken für Nutzer. Man werde gegenüber Facebook klarstellen, dass "so etwas so nicht passieren darf."

Peter Schaar, Bundesbeauftragter für den Datenschutz, sagte der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag, er halte das Vorgehen von Facebook nach deutschem und europäischem Recht "mindestens für fragwürdig". Daten dürften nur erfasst werden, wenn der Nutzer eingewilligt hat, so Schaar.

Facebook nimmt Kommentare zur Kenntnis

Facebook-Sprecherin Sophy Tobias erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Wir haben die Kommentare einiger Regulierer über diese Produktfunktion zur Kenntnis genommen und stellen ihnen zusätzliche Informationen zur Verfügung. Wir sind zuversichtlich, damit alle Bedenken, die sie haben, aus dem Weg räumen zu können."

Mitte Dezember hatte Facebook die Software in den USA eingeführt. Anfang dieser Woche änderte man nun die Einstellungen der Nutzer in Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern. Wenn Facebook-Nutzer neue Fotos hochladen, sucht das Netzwerk die Gesichter auf bereits markierten anderen Fotos. Dann werden Namen aus dem Facebook-Freundeskreis zur Verknüpfung vorgeschlagen. Die Funktion ist standardmäßig eingeschaltet.

dto

Links

Presse

Bloomberg Businessweek: Facebook to Be Probed in EU for Facial Recognition in Photos (8. Juni 2011)

Reuters: Facebook gives regulators info on facial recognition (8. Juni 2011)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

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