EU priorisiert Evakuierung ukrainischer Kinder mit dringendem Behandlungsbedarf

Die EU-Gesundheitsminister:innen haben sich am Dienstag (15. März) darauf geeinigt, zunächst Kinder, die dringend medizinische Hilfe benötigen, aus der Ukraine zu evakuieren. EURACTIV Frankreich berichtet.

EURACTIV France
Help point from Ukraine in Krakow
"Kinder werden über HERA [die EU-Behörde für die Vorbereitung auf gesundheitliche Notfälle und die Reaktion darauf] gegen Krankheiten wie Tuberkulose und Polio geimpft", sagte Kyriakides, die "in Kontakt mit der Industrie und den Verbänden der Ärzte und Krankenschwestern" steht. [<a href="https://webgate.epa.eu/webgate?EVENT=WEBSHOP_SEARCH&SEARCHMODE=NEW&SEARCHTXT1=border%20ukraine%20russia" target="_blank" rel="noopener">UKASZ GAGULSKI/EPA</a>]

Die EU-Gesundheitsminister:innen haben sich am Dienstag (15. März) darauf geeinigt, zunächst Kinder, die dringend medizinische Hilfe benötigen, aus der Ukraine zu evakuieren. Zuvor hatten sie über ein koordiniertes Vorgehen zur Bewältigung der Gesundheitskrise in dem Land gesprochen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Angesichts des sich täglich verschärfenden Krieges in der Ukraine sprachen sich die EU-Gesundheitsminister:innen für eine „möglichst effiziente Zusammenarbeit im Gesundheitswesen“ aus, insbesondere bei der Versorgung kranker Kinder.

„Wir müssen eine kontinuierliche Versorgung von Flüchtlingen, insbesondere von Kindern, sicherstellen“, sagte der französische Gesundheitsminister Olivier Véran, dessen Land die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat.

In Frankreich werden die regionalen Gesundheitsbehörden die Aufnahmekapazitäten ermitteln, insbesondere in der Pädiatrie und im medizinisch-sozialen Bereich.

„Wir sind dabei, einen ersten Vorschlag zur Erleichterung der Evakuierung, insbesondere von krebskranken Kindern, zu formulieren. Wir sind in Gesprächen mit Kyjiw und Polen“, sagte Véran und fügte hinzu, dass die ersten Verlegungen bis Ende der Woche stattfinden könnten.

„Der Krieg beeinträchtigt ihre psychische und physische Gesundheit. Wir müssen der psychologischen Betreuung große Bedeutung beimessen und unser Bestes tun, damit sie bei ihren Angehörigen bleiben können“, fügte er hinzu.

Die Impfung von Kindern ist ein weiteres Thema, das EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides ansprach. Nach Angaben des ukrainischen Gesundheitszentrums sind etwa 80 Prozent der Kinder gegen Polio geimpft – nicht genug, um eine Immunität zu erreichen.

Wie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am 5. März mitteilte, wurde die Ukraine vor Beginn des Krieges von einem Polio-Ausbruch heimgesucht, der zu einer massiven Impfkampagne führte.

Der stellvertretende UNICEF-Direktor für Europa, Phillippe Cori, zeigte sich jedoch „sehr besorgt“ über die durch den Krieg gefährdete Stromversorgung, denn „ohne Strom können wir nicht impfen“.

Kyriakides sagte, dass „Kinder über die HERA [die EU-Behörde für die Vorbereitung auf gesundheitliche Notfälle und deren Bewältigung] gegen Krankheiten wie Tuberkulose und Polio“ geimpft werden sollen. Dazu stehe sie in Kontakt mit der Industrie und den Verbänden der Ärzt:innen und Krankenpfleger:innen, so die Kommissarin.

In Bezug auf die Impfung von Erwachsenen warnte Kyriakides, dass „die Ukraine niedrigere Impfraten bei Infektionskrankheiten wie Masern aufweist“.

Die Ukraine hat auch eine niedrige Corona-Impfrate, nur 33 Prozent des Landes waren vor dem Krieg vollständig geimpft worden, so Kyriakides weiter. Die EU-Minister:innen bestätigten jedoch, dass sie über genügend Impfdosen verfügten, um den Corona-Impfstoff den Flüchtlingen anzubieten.

Für Véran lag die Dringlichkeit jedoch woanders. „Die gesundheitliche Herausforderung ist nicht der Anstieg der Corona-Zahlen, sondern die Notwendigkeit, dass die Flüchtlinge die notwendige Versorgung erhalten“, sagte er. Nicht geimpfte Flüchtlinge würden an der Grenze nicht zurückgewiesen, fügte Véran hinzu.

Transport von Patient:innen zwischen Staaten

Die Minister:innen begrüßten auch die „gemeinsame und unterstützende “ Gesundheitsaktion der EU in der Ukraine. „Wir haben Dutzende von Tonnen an Medikamenten, Zelten und medizinischer Ausrüstung geschickt. Wir haben auch die Evakuierung der Kranken und Verwundeten aus dem Krieg organisiert“, sagte Véran.

Es müsse jedoch noch mehr getan werden, insbesondere durch die Verlegung der Kranken und Verwundeten aus dem Krieg in verschiedene europäische Krankenhäuser, räumten die Minister:innen ein.

Um die bestmögliche Verteilung zu gewährleisten, haben sich die EU-Länder einstimmig darauf geeinigt, dass die Bedürfnisse der Patient:innen berücksichtigt werden sollten, bevor sie in andere Länder der Union verlegt werden.

Insgesamt „werden 10.000 Krankenhausbetten in den Mitgliedsstaaten ukrainische Patient:innen aufnehmen“, sagte Kyriakides und fügte hinzu, dass die ersten Patient:innen bereits „von Polen nach Italien“ verlegt worden seien.

Ziel ist nicht nur die Evakuierung der ukrainischen Zivilbevölkerung, sondern auch die Entlastung der durch die Corona-Krise bereits geschwächten Gesundheitsdienste in den Nachbarländern der Ukraine.

Von den drei Millionen Ukrainer:innen, die seit dem 24. Februar vor dem Krieg geflohen sind, haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vom Dienstag (15. März) 1,79 Millionen in Polen Zuflucht gefunden.

Moldawien, das ärmste Land Europas, hat bisher 100.000 Ukrainer:innen aufgenommen, was für ein Land mit 2,6 Millionen Einwohner:innen ziemlich viel ist.

„Moldawien ist natürlich auch das Land mit den geringsten Ressourcen, und wir brauchen unbedingt finanzielle und humanitäre Hilfe, um diesen Flüchtlingsstrom zu bewältigen“, sagte die moldawische Premierministerin Mariana Turcani und bezeichnete die Situation als „massive humanitäre Krise“.

Seit Beginn des Krieges bis zum 6. März sind nach Angaben des Büros des Hohen Kommissars für Menschenrechte der UN (OHCHR) insgesamt 406 Zivilist:innen – darunter 27 Kinder – ums Leben gekommen.

Doch Véran sagte, dass „die tatsächliche Zahl der Opfer sicherlich viel höher ist“.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]